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Briefmarken 2017 – aktuelle Briefmarken

Aktuelle Briefmarken: Sondermarken, Zuschlagsmarken und beliebte Serien

Das Sonderpostwertzeichenprogramm des Bundesministeriums der Finanzen ist wie gewohnt vielfältig ausgefallen. Das Martin-Luther-Jahr 2017 ist selbstverständlich vertreten, sogar mit zwei Briefmarken. Neben ausgesuchten Motiven aus Kunst und Kultur werden auch die beliebten Serien Leuchttürme, Tierbabys und die schönsten Panoramen fortgesetzt. Mit dem Opel Manta wird 2017 eine echte Automobillegende zum Briefmarken-Motiv.

Vorschau auf die Sondermarken 2017

Unter dem Motto „500 Jahre Reformation“ erscheint eine Gemeinschaftsausgabe mit Brasilien zum Lutherjahr 2017. Die Reformation hinterließ zahlreiche Spuren, eine davon ist die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers. Diese Lutherbibel sollte Gottes Botschaft dem Volke verständlich machen und prägte die deutsche Sprache mit manchem geflügelten Wort. Mit Johann Joachim Winckelmann wird einer der bedeutendsten deutschen Kunsthistoriker und Archäologen Deutschlands zu seinem 300. Geburtstag auf Sondermarke geehrt. Runde Geburtstage feiern 2017 auch der Tierfilmer Heinz Sielmann, der Schriftsteller Heinrich Böll sowie die Gelehrten Theodor Mommsen und August Wilhelm Schlegel. Für gute Laune wird 2017 eine Briefmarke sorgen, die der deutsche Top-Komödiant Otto Waalkes gestaltet. Man darf gespannt sein!

Zuschlagsmarken mit Märchen und Comics

Auch 2017 helfen ausgesuchte Sondermarken, Gutes zu tun. Zuschlagsmarken für den Sport und für die Jugend helfen seit über 65 Jahren bei der Finanzierung wichtiger Nachwuchsprojekte. Auch die Wohlfahrtspflege hat bisher einen Erlös von 650 Millionen Euro aus dem Verkauf von Briefmarken gewonnen. Jeder Cent zählt. Mit Motiven der Augsburger Puppenkiste und der Fortsetzung der Serie „Grimms Märchen“ macht Helfen Spaß. Für Comic-Freunde hält der Tag der Briefmarke 2017 eine besondere Überraschung bereit: Fix und Foxi.

Die beliebtesten Serien auch 2017 dabei

Auf die Fortsetzung der Leuchtturm-Serie warten schon zahlreiche Briefmarken-Sammler. 2017 erscheinen Motive aus Kiel-Holtenau und Bremerhaven. „Deutschlands schönste Panoramen“ und „Wildes Deutschland“ gehören zu den beliebtesten jährlich erscheinenden Postwertzeichen. Die Sondermarken 2017 werden nicht enttäuschen. Gleiches gilt für die Serien „Burgen und Schlösser“ und natürlich die Serie „Klassische Automobile“. Der Opel Manta ist Kult in Deutschland, und mit dem Golf 1 startete Volkswagen eine unvergleichliche Erfolgsserie. Diese Briefmarken begeistern nicht nur Philatelisten.

2017 keine Sondermarke verpassen

Die Vorschau auf die Sonderpostwertzeichen 2017 verspricht zahlreiche Höhepunkte. Nicht immer sind alle Sondermarken bei den Verkaufsstellen erhältlich, gerade nassklebende Briefmarken sind nicht mit allen Motiven vertreten. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, empfiehlt sich der Service ausgesuchter Fachhändler. So bekommen Sie garantiert alle Briefmarken 2017.

   

      

Briefmarken Januar 2017

 

 Topographie des Terrors

02. Januar 2017: Briefmarke "Topographie des Terrors"


Am 2. Januar 2017 erscheint eine Briefmarke zur wohl wichtigsten historischen Dauerausstellung in Berlin: "Topographie des Terrors". Die gleichnamige Stiftung, in deren Hand die Ausstellung ruht, feiert im Januar ihr 25. Jubiläum. Auf dem Postwertzeichen zu 45 Cent, also für den Versand einer Standard-Postkarte, ist der große quadratische Bau des Museums aus der Vogelperspektive zu sehen. Ursprünglich sollte an der Stelle des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers ein imposanter Säulenbau nach den Entwürfen des Schweizer Architekten Peter Zumthor entstehen. Doch nach neun Jahren Bauzeit, in denen lediglich drei Treppentürme verwirklicht werden konnten, zog das Land Berlin die Notbremse und stoppte die Arbeiten. Großbauten scheinen heutzutage grundsätzlich zu überfordern – das gilt fairerweise gesagt nicht nur für Berlin. Da bereits ein zweistelliger Millionenbetrag des Gesamtbudgets verbraucht war, wurde stattdessen 2006 ein schlichtes zweistöckiges Gebäude beauftragt, das augenscheinlich seinen Zweck erfüllt. Betrachtet man die Baupläne des ersten Entwurfs, muss man konstatieren, dass der Neubau zwar nicht so kompliziert anmutet, hinsichtlich der Außenwirkung aber der sehr viel kostspieligeren architektonischen Vision des Schweizers kaum nachsteht. Graue gigantische Klötze werden vermutlich dem Thema gerecht.

Der vollständige Name der Dauerausstellung lautet "Topographie des Terrors". Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt in der Wilhelm- und Prinz-Albrecht-Straße. Auf rund 800 Quadratmetern wird das Terrorsystem beleuchtet, mit dem SS und Polizei im Dritten Reich Deutschland und die annektierten europäischen Staaten überzogen haben. Wechselnde Sonderausstellungen fokussieren immer neue Aspekte des Schreckensregimes und seiner menschenverachtenden Politik. Im Frühjahr öffnet beispielsweise die Ausstellung "Zwischen Propaganda und Terror" ihre Pforten und präsentiert den Besuchern Einblicke in das Berliner Hauptstadtleben zwischen 1933 und 1945. Bis Mitte März 2017 werden die Massenerschießungen in Osteuropa thematisiert. Ebenfalls in den Räumen des Museumsgebäudes befinden sich eine Bibliothek zur Geschichte des Dritten Reichs sowie ein Auditorium, in dem regelmäßig Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen stattfinden.

Dass eine fortwährende Aufklärung der Bevölkerung über die Schrecken der nationalsozialistischen Diktatur notwendig ist, wird durch politische Polarisierung der vergangenen Jahre auf erschütternde Weise belegt. Die Frage ist nur, ob die Menschen, die den politischen Rattenfängern in Richtung rechtem Rand folgen, durch Aufklärung und Information überhaupt erreicht werden können, sofern die vermittelten Zusammenhänge komplexer als die Nachrichten eines Kurzmitteilungsdienstes sind. Die Rechtfertigung, "man habe von alldem nichts gewusst", mag zu allen Zeiten einen jämmerlichen Kern an Wahrheit haben. Entschuldigen tut das freilich nichts, denn man könnte Vieles wissen, wenn man es denn wollte. Ein Besuch der Ausstellung "Topographie des Terrors" wäre ein Anfang.

 

 Das Mädchen mit dem Weinglas

Pfefferfresser, Jungfern- und Haubenkranich

02. Januar 2017: Briefmarken-Serie "Schätze aus deutschen Museen"


Für Freunde der Kunst hat Deutschland einiges zu bieten. In deutschen Museen sind die Schätze aus zahlreichen Epochen und Ländern vertreten. Zwei Vertreter der bildenden Kunst, Jan Vermeer und Jean-Baptiste Oudry, sind auf der neuen Ausgabe der Serie "Schätze aus deutschen Museen" vom 2. Januar 2017 mit jeweils einem Werk vertreten. Jan Vermeer van Delft gilt als Maler des „Goldenen Zeitalters“ der Republik der Vereinigten Sieben Niederlande, wie der im Unabhängigkeitskrieg gegen Spanien geformte Staat im Norden des Landes damals hieß. Wirtschaftliche Prosperität durch den Ostasienhandel und religiöse Toleranz prägten die aufstrebende Nation. Auf dem Höhepunkt des Zeitalters, der ungefähr Mitte des 17. Jahrhunderts angesiedelt wird, entstanden geschätzt 70.000 Gemälde – pro Jahr. Dieser Rekord konnte im Verlauf der Kunstgeschichte nie gebrochen werden. Jan Vermeer profitierte von dieser Blüte der Kunst und der Kultur in den Niederlanden. Als Sohn eines Handwerks-Unternehmers erhielt der talentierte junge Mann eine Ausbildung in einer regionalen Malerwerkstatt und wurde in die Delfter St.-Lukas-Gilde aufgenommen, des lokalen Bundes der bildenden Künstler. Vermeer malte im Gegensatz zu vielen Kollegen eher wenig, Schätzungen liegen bei zwei Bildern pro Jahr. 37 Werke können ihm verbindlich zugeordnet werden. Allerdings soll er seine Arbeiten bereits zu Lebzeiten zu guten Preisen verkauft haben. Sein Einkommen scheint er auch als Kunstexperte verdient zu haben. Es gibt einige wenige Aufzeichnungen, in denen von Vermeers Expertise berichtet wird, unter anderem soll er bei einem Kunstankauf der Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Preußen, eine Zahl an Fälschungen erkannt und vermerkt haben. Das Motiv der Briefmarke vom 2. Januar 2017 zeigt "Das Mädchen mit dem Weinglas", das heute im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig zu bewundern ist.

Der Künstler der zweiten Briefmarke war der französische Hofmaler Jean Baptiste Oudry, der König Ludwig XV. als Porträtmaler diente, sich aber zunehmend mit Stillleben und Tierbildern einen Namen machte. Insbesondere seine Jagdstillleben mit ihren Inszenierungen aufgehängter Tierkadaver muten aus heutiger Sicht befremdlich an. Ungleich dramatischer gestaltete Oudry die Jagden selbst und zeigte Hunderotten, die sich im wilden Kampfe mit Wölfen oder Wildschweinen verbissen hatten, oder die feinen Herren der Jagdgesellschaft hoch zu Pferd. Das Briefmarkenmotiv trägt den Titel "Pfefferfresser, Jungfern- und Haubenkranich" und könnte auch naturwissenschaftliche Ambitionen widerspiegeln. Manche exotische Kreatur wurde von Oudry mit Akribie und Einfühlungsvermögen auf Leinwand gebannt. Wegen dieses Talents wurde ihm später auch die Leitung der wichtigsten Tapisserie-Manufaktur in Paris anvertraut, wo er die vom französischen Adel nachgefragten Motive auf großen Wandteppichen knüpfen ließ. Dass im Staatlichen Museum von Schwerin eine der größten Oudry-Sammlungen weltweit beheimatet ist, lag an der Begeisterung Herzog Christian Ludwigs II. von Mecklenburg-Schwerin für seine Arbeiten. Heute sind diese privat erworbenen Kollektionen zum großen Teil für die Öffentlichkeit zugänglich. Die beiden Briefmarken vom 2. Januar werden sicher nicht die letzten Ausgaben sein, angesichts der zahlreichen Schätze in deutschen Museen.

 

 Briefmarke Elbphilharmonie

02. Januar 2017: Briefmarke "Eröffnung der Elbphilharmonie"


Hamburg atmet auf. Es ist geschafft. Die Elbphilharmonie, das wohl ambitionierteste Bauprojekt der Hansestadt, ist fertig und feiert am 11. Januar ihre Eröffnung. Die Deutsche Post gratuliert am 2. Januar 2017 mit einer eigenen Sondermarke mit dem Titel "Eröffnung der Elbphilharmonie" zu 145 Cent. Im Herbst 2011 sah es fast so aus, als ob der begonnene Mammutbau im Hamburger Hafen nicht fortgesetzt werden könne. Das Architekturbüro Herzog & de Meuron und das ausführende Bauunternehmen lagen miteinander im Streit über die Statik, und die Firma Hochtief hatte ihre Arbeiten eingestellt. Gutachter und Behördenprüfer mussten insbesondere die geplante Dachkonstruktion noch einmal im Detail berechnen, bevor im Frühjahr 2012 die Arbeiten fortgesetzt werden konnten. Dass die Kosten von ursprünglich 77 Millionen auf den zehnfachen Betrag gestiegen sind, lag aber nicht nur daran. Die Elbphilharmonie kombiniert insgesamt kühne Architektur mit bautechnischen Innovationen. Das kostet Geld.

Im Inneren des großen Saals, des Konzertraums mit Platz für knapp 2100 Zuschauer, fällt die sogenannte "Weiße Haut" ins Auge. Diese besondere Verschalung geht auf die Initiative des japanischen Akustik-Experten Yasuhisa Toyota zurück und sorgt trotz 25 Metern Deckenhöhe für einen glockenklaren Klang. Sie setzt sich aus rund 10.000 individuell geformten Gipsfaserplatten zusammen, die mit einer besonderen Fräsetechnik bearbeitet wurden, sodass sie im Gesamtbild wie Krustentiere oder Muscheln aussehen. Die Befestigung der zwischen 35 und 200 Kilogramm schweren Sonderanfertigungen war für sich genommen schon eine Herausforderung und zog sich über zwei Jahre hin. Auch die Gebäudefassade wurde mit außergewöhnlichen Mitteln gestaltet. Um die Glasfassade vor dem Aufheizen durch die Sonne zu schützen, sind die Glaselemente mit speziellen, aufgedruckten Folien beschichtet worden. Viele der Elemente sind dazu individuell geformt und gekrümmt. Die Herstellung der über 2000 Glasbausteine schlug mit fünfstelligen Beträgen zu Buche – pro Glaselement. Dafür versprachen die Architekten der Elbphilharmonie die Wirkung eines funkelnden Kristalls, in dem sich Sonne und Wellen brechen. Das Dach selbst hat die Form einer gläsernen Welle.

Für Besucher gibt es in knapp 40 Metern Höhe zwischen Backsteinfundament und Glasaufbau eine öffentliche Plaza, von der aus das beeindruckende Panorama der Hafenstadt überblickt werden kann. Hinauf kommt man über eine rund 80 Meter lange Rolltreppe, die sich in einem Bogen in die Höhe schwingt. Neben den zwei Konzertsälen und einem kleinen Veranstaltungsraum beherbergt die Elbphilharmonie noch ein Luxus-Hotel und ebensolche Wohnungen. Mit 26 Stockwerken und einer Höhe von 110 Metern ist der Bau das höchste bewohnte Gebäude der Hansestadt. Die Briefmarke "Eröffnung der Elbphilharmonie" vom 2. Januar ist für viele Hamburger ein schönes Andenken an ihr "Groschengrab", wie das Gebäude im Volksmund auch genannt wird.

 

 Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers

02. Januar 2017: Briefmarke "Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers"


Zweifellos ist die Bibelübersetzung Martin Luthers eines der wichtigsten Bücher der deutschen Geschichte. Ihre sprach- und religionswissenschaftliche Wirkung war enorm. Ob die zahlreichen Idiome, die Martin Luther geformt hat, oder die Tatsache, dass erstmals das nicht-akademische Volk die Worte des Herren lesen konnte – die Lutherbibel hat in jedem Fall den Lauf der Geschichte und die deutsche Sprache verändert. Pünktlich zum Beginn des großen Jubiläumsjahres erscheint daher am 2. Januar 2017 eine Briefmarke zu Ehren dieser Übersetzungsarbeit. Die Wertstufe liegt bei 260 Cent und macht einen Maxibrief bis zu einem Kilogramm Gewicht frei, genug um beispielsweise eine kleine Bibel zu verschicken.

Doch offenbaren sich dem Leser in der Übersetzung Martin Luthers tatsächlich "die Worte des Herren"? In der Literatur gibt es den schönen Begriff der "Nachdichtung". Darunter versteht man die Übertragung eines fremdsprachlichen Werkes unter dem Aspekt, die Aussagekraft des Urtextes nicht auf dem Altar sprachlicher Präzision zu opfern. Die reine Übersetzung erhebt keinen Anspruch auf Ausdrucksstärke. Soll das Werk aber auch in der neuen Sprache wirken, bedarf es einer Anpassung der Bildsprache an den Sprachhorizont des Empfängers. Martin Luther erfüllte seine Aufgabe virtuos, und die Beständigkeit seiner "Wölfe im Schafspelz" oder der "Gewissensbisse" sprechen für den Erfolg seiner Nachdichtung. In Luthers Bibel tummeln sich auch Pflanzen und Tiere, die man in Israel gar nicht kennt. Solange der Leser aber durch solche Kunstgriffe versteht, was gemeint ist, scheint dies gerechtfertigt. Doch bei allem Respekt darf der Leser nicht vergessen, dass er nicht die Worte Gottes, sondern die Worte Luthers vernimmt. Die ältesten erhaltenen Textfassungen des Neuen Testaments sind bekanntlich in verschiedenen griechischen Dialekten überliefert. Bereits im 2. Jahrhundert wurden erste Übersetzungen ins Lateinische vorgenommen, doch der Kirchenvater Hieronymus prägte mit seiner sogenannten "Vulgata" die weitere Überlieferungsgeschichte. Sie wurde für Jahrhunderte zur lateinischen Standardübersetzung. Der strenggläubige Mann reicherte den Text allerdings mit seinen persönlichen Wertungen an. Als Vertrauter des Papstes blieben diese unwidersprochen. Martin Luthers Übersetzung entstand hingegen aus dem Griechischen und löste sich damit von der im Katholizismus verwendeten „Vulgata“. Interessant wird es aber, wenn Luther sich nicht von ihr löste. Ein prominentes Beispiel ist der Streit um den Aufruf "Metanoeite!", Griechisch für "Denkt um!". Hieronymus hatte dieses Idiom sehr frei – und möglicherweise mit ganz bewusster Ungenauigkeit – als "Tut Buße!" übersetzt. Die Betonung der Sündhaftigkeit der Menschen rückte in den Vordergrund. Warum hat Martin Luther nun in diesem Punkt nicht den griechischen Text übersetzt, sondern die lateinische Neudeutung gewählt? Weil es ihm richtig erschien. Damit steht er in guter christlicher Tradition, denn zu allen Zeiten haben kirchliche Entscheidungsträger die christliche Botschaft so interpretiert, wie es ihnen richtig erschien. Ob ein Mann die Frau für die Ursünde verantwortlich machte, ein anderer es für richtig hielt, das Judentum zu verteufeln, oder wiederum der nächste es für richtig erachtete, der Institution des Papsttums die Unfehlbarkeit angedeihen zu lassen – in jedem Fall haben Menschen ihre persönliche Meinung eingebracht. Auch der Wortlaut der Bibel ist das Ergebnis vieler menschlicher Entscheidungen. Luthers Bibel ist schlicht und ergreifend Luthers Bibel.

 

Briefmarken Februar 2017

 

 Schloss Ludwigsburg

 

09. Februar 2017: Briefmarke "Schloss Ludwigsburg"


Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg war ein Mann mit Ambitionen. Diese lagen nicht so sehr im Politischen. Die Regierungsgeschäfte überließ er gern seinem Rat. Stattdessen liebte er die Jagd und die Liebe. Eberhard Ludwig schockierte seine Zeitgenossen durch die offen gelebte Partnerschaft mit einer Mätresse, die er trotz Ehe mit Johanna-Elisabeth von Baden-Durlach als seine Lebensgefährtin zu legitimieren suchte. Das scheiterte schließlich am Einspruch Kaiser Karls VI., der diese Form der Bigamie nicht dulden wollte. Ändern tat das kaiserliche Machtwort freilich wenig. Ansonsten hatte der württembergische Herzog sich als fähiger Militär gezeigt. Seine Dienste im Spanischen Erbfolgekrieg ließen ihn gar zum Reichsgeneralfeldmarschall emporsteigen. Eberhard Ludwig hatte indes noch eine Leidenschaft, nämlich die absolutistische Prachtentfaltung seines Hofes.

Die neue Briefmarke der Serie "Burgen und Schlösser", die am 9. Februar 2017 an die Postschalter kommt, zeigt eines der imposantesten Bauwerke des deutschen Barock. Das Schloss Ludwigsburg sollte das wohl ehrgeizigste Projekt Eberhard Ludwigs werden. Von der Grundsteinlegung 1704 bis zum Tod des Herzogs im Jahre 1733 wurde die Anlage fortwährend erweitert. Ursprünglich als kleines Schloss geplant, überwältigte den Landesherrn bald die Bauleidenschaft. Inspiriert von einem Besuch in Versailles ließ er den Baumeister Johann Friedrich Nette den Hauptbau zu einer dreiflügeligen Anlage erweitern, bevor er Ludwigsburg zu seiner Residenz machte. Die Ansprüche des Hoflebens forderten indessen erneute Vergrößerungen. Weitere Flügel, Galerien, zwei Kirchen und ein Theater folgten, abgerundet durch eine barocke Gartenanlage von respektablem Ausmaß – natürlich à la mode mit Felsengrotten und künstlichen Wasserfällen. Über 450 Räume boten Platz für geladene Gäste und für des Herzogs Mätresse, aber nicht für seine Frau Gemahlin, die seit der Geburt des Thronfolgers schlichtweg ignoriert wurde. Erst 1731, als eben dieser Thronfolger, Friedrich Ludwig von Württemberg, im 33. Lebensjahr verstorben war, besann sich der Herzog seiner Gattin zwecks Zeugung eines neuen Erben. Doch der war ihm nicht vergönnt. Eberhard Ludwig erlag 1733 einem Schlaganfall. Das Schloss Ludwigsburg fiel an seinen Cousin, der die württembergische Residenz wieder zurück nach Stuttgart verlegte. Dennoch wurde die Anlage weiterhin instand gehalten und war Schauplatz zahlreicher Feste. Der spätere König vom Württemberg, Herzog Friedrich II., erhob das Barockschloss zur Sommerresidenz und investierte in dessen Modernisierung. Dank dieser Pflege und dem glücklichen Schicksal, beide Weltkriege weitgehend unbeschadet überstanden zu haben, bietet Schloss Ludwigsburg seinen Besuchern bis heute einen prächtigen Anblick. Eine Barockgalerie sowie mehrere Museen sorgen für interessante Aufenthalte, während Gartenfreunde sich des „Blühenden Barocks“ und eines Märchengartens erfreuen können. Die Briefmarke vom 9. Februar 2017 hat übrigens eine Vorgängerausgabe. Diese erschien am 6. Mai 2004 zum 300. Jubiläum der Grundsteinlegung von Schloss Ludwigsburg.

 

 

 

 Die Bremer Stadtmusikanten: Freunde treffen

 

Bremer Stadtmusikanten: Der Überfall

 

Bremer Stadtmusikanten: Im neuen Zuhause

09. Februar 2017: Briefmarken-Serie "Grimms Märchen – Die Bremer Stadtmusikanten"


Das Märchen der Gebrüder Grimm, das am 9. Februar 2017 auf drei Briefmarken mit Zuschlägen für die Wohlfahrtspflege gewürdigt wird, zählt sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten Märchen überhaupt: die Bremer Stadtmusikanten. Es gibt kaum eine Karnevalsveranstaltung ohne die vier putzigen Gesellen, und in Schulen und Kindergärten zählt die Geschichte von den Tieren auf der Suche nach einem neuen Zuhause zum festen Repertoire der kleinen Theaterfreunde. Dabei betont die märchenhafte Erzählung ganz offen einen ernsten Hintergrund. Wohin, wenn man zu alt ist, um seine bisherigen Pflichten zu erfüllen? Für die Nutztiere – damals wie heute – wartet am Ende ihres „Berufslebens“ in der Regel immer der Tod. Dass überzählige Katzen einfach ersäuft werden, wie es „der alte Bartputzer“ in der Geschichte schildert, war auch in der Bundesrepublik noch lange Zeit ganz normal. Man erinnere sich an die Berliner Jugendmarken von 1972 zum Thema Tierschutz. Insofern positionierten sich die Gebrüder Grimm in ihrem 1819 erstmals erschienenen Märchen erstaunlich deutlich gegen althergebrachte Traditionen. Dabei sollte man aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Tierfabel stets ihre Bedeutungsebene in der Menschenwelt sucht. Dass die beiden Märchen sammelnden Professoren auch im wirklichen Leben standhaft für ihre Ideale kämpften, spiegelte sich bekanntlich in ihrer Verbannung als Mitglieder der Göttinger Sieben wider. Im Falle der Bremer Stadtmusikanten beschränkte sich der Konfliktfall aber ganz kindgerecht auf eine Auseinandersetzung mit bösen Räubern. Das ließ zwar Interpretationsspielraum, war aber vordergründig unproblematisch.

Noch in einer anderen Hinsicht ist das Märchen interessant, da es einen wichtigen Aspekt der vergangenen Lebenswirklichkeit beleuchtet. Die Biographien der Menschen früher waren oft von deutlichen Brüchen geprägt. Das galt zwar nicht mehr so sehr zu Lebzeiten der Grimms, muss aber als kollektive Erinnerung aus der Entstehungszeit der Geschichte gewertet werden. „Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, ist heute ein geflügeltes Wort. In der frühen Neuzeit war das bittere Wahrheit. Fehden oder Kriege zwischen den Landesherren verwüsteten regelmäßig das Land, Epidemien oder Hungersnöte bedrohten immer wieder Gesundheit und Leben der Bevölkerung, und auch die fehlende Rechtssicherheit trieb viele Familien auf die Straße, nachdem ihnen ihr Hab und Gut genommen worden war. Die Räuber mussten nicht unbedingt im Wald hausen, oft lebten sie auf den umliegenden Burgen oder standen im Dienst der weltlichen oder kirchlichen Fürsten. Menschen auf der Flucht waren trauriger Bestandteil der damaligen Welt. Vielleicht können die Briefmarken vom 9. Februar 2017 ein bisschen daran erinnern, dass auch heute Flucht und Vertreibung allgegenwärtig sind. Die Ursachen sind dieselben wie damals hierzulande, und die Menschen suchen aus denselben verständlichen Gründen ihr „Bremen“, wo auch immer sie es finden mögen. Die Bremer Stadtmusikanten sind schließlich auch dort geblieben, wo ihr Leben nicht mehr bedroht wurde und es ihnen wohl erging – das versteht bis heute jedes Kind.

 

 

 

Briefmarken März 2017

 

 1000 Jahre Neunburg vorm Wald 2017

 

 

 

01. März 2017: Briefmarke "1000 Jahre Neunburg vorm Wald"


Am 1. März 2017 erscheint eine Sondermarke zu einem runden Stadtjubiläum: Das Oberpfälzer Städtchen Neunburg vorm Wald feiert sein 1000-jähriges Bestehen. Vermutlich existierte schon sehr viel früher eine Siedlung an den Ufern der Schwarzach, die sich hier durch die zahlreichen Erhebungen der Landschaft schlängelt. Die Lage Neunburgs auf einem Plateau südlich des Flusslaufs war ideal. Die Menschen hatten Zugang zu frischem Wasser und konnten sich bei Gefahr auf den nahegelegenen Berg zurückziehen. Der überlieferte Name der Ortschaft verweist auf eine entsprechende Befestigungsanlage: „Niwnburg“ oder „Nuwenburch“.

Es wird vermutet, dass die eigentliche „Neue Burg“ um das Jahr 900 errichtet wurde. Urkundlich erwähnt wurde die Stadt jedoch erstmals 1017 in einem Schreiben Kaiser Heinrichs II. Auf dieses Datum beziehen sich die Stadtväter, und entsprechend lautet der Titel der Briefmarke „1000 Jahre Stadt Neunburg vorm Wald“. Allerdings erhielt Neunburg erst unter den pfälzischen Wittelsbachern um 1300 das Stadtrecht. Die Nähe zu Böhmen, im Mittelalter und der frühen Neuzeit wichtiger Handelspartner Bayerns und bedeutendes mitteleuropäisches Bergwerkszentrum, ließ die junge Stadt erblühen. Ein eigenes Hospital wurde eingerichtet, und aus der alten Holzbefestigung erwuchs eine feste Burg. Von ihr ist lediglich der Turm der Stadtpfarrkirche erhalten, der früher vermutlich Teil der Verteidigungsanlage war. Die alte Burg bildete aber das Fundament für das noch heute zu besichtigende Alte Schloss. Auch das Neue Schloss war ursprünglich nur ein Anbau. Als vorübergehende Residenz des Kurfürsten erfuhr die Anlage einige Erweiterungen. Der mittelalterliche Kern der Stadt ist bis heute noch sichtbar, doch bei drei großen Stadtbränden verlor Neunburg große Teile seiner historischen Bausubstanz.

Die bewegte Geschichte Europas machte vor den Toren der Stadt nicht Halt. Mehrfach wurde Neunburg im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges belagert und besetzt, und auch in den Spanischen und Österreichischen Erbfolgekriegen litt Neunburg unter den Kriegsgräueln. 1705 erhoben sich die Bewohner der Region gegen die angeordneten Zwangsrekrutierungen, doch die sogenannte „Bayerische Volkserhebung“ wurde blutig niedergeschlagen. Ihr Leitspruch, „lieber bayerisch sterben als kaiserlich verderben“, dürfte aber bis heute manchem Bajuwaren geläufig sein. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs gelangte Neunburg noch einmal zu trauriger Berühmtheit. Die „Todesmärsche“ aus den Konzentrationslagern Flossenbürg und Dachau führten unmittelbar an dem Städtchen vorbei, und unmittelbar vor den Toren der Stadt richtete die SS ein Massaker unter den erschöpften KZ-Häftlingen an. Als kurz darauf amerikanische Soldaten in Neunburg eintrafen, wurde die erwachsene Bevölkerung des Ortes angewiesen, die Leichen der Ermordeten würdig zu bestatten. Nur wenig später trafen die ersten Flüchtlingstrecks ein, sodass Neunburg einen deutlichen Einwohnerzuwachs erfuhr. Ab 1963 bezog auch eine Garnison der Bundeswehr in Neunburg Quartier. Die Briefmarke „1000 Jahre Stadt Neunburg vorm Wald“ vom 1. März 2017 erinnert an eine wahrlich bewegte Geschichte, die man beim Betrachten der idyllischen Stadt als Außenstehender gar nicht erwartet.

 

 

 

 

 G20-Präsidentschaft Deutschland

 

 

 

01. März 2017: Briefmarke "G20-Präsidentschaft Deutschland"


Für die Bundesrepublik Deutschland ist 2017 ein ganz besonderes Jahr. Seit dem 30. November 2016 hat sie für ein Jahr die Präsidentschaft über die G20 inne, das wichtigste Forum der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Damit ist Deutschland auch Gastgeberland des Gipfeltreffens 2017. Diese besondere Ehre wird am 1. März 2017 mit einer Sondermarke gefeiert. Deren Frankaturwert von 70 Cent für einen Standardbrief dürfte für eine angemessene Verbreitung der Botschaft sorgen.

Die „Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20)“ ist keine internationale Organisation. Es gibt keine dauerhaften Vertreter und damit auch keine eigene G20-Verwaltung. Trotz des informellen Charakters ist die Bedeutung der G20 nicht zu unterschätzen. Die Mitgliedsländer repräsentieren immerhin 75 Prozent des Welthandels und 80 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes. Das allgemeine Ziel der Gruppe formuliert eine Imagebroschüre der Bundesregierung mit den Worten: „ein starkes, ausgewogenes, nachhaltiges und inklusives Wirtschaftswachstum“. Konkret gilt es aber immer wieder, auf akute Probleme zu reagieren. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise war und ist eines der wichtigsten Themen. Sie war Anlass, den ursprünglich auf der Ebene der Wirtschaftsministerien ausgetragenen Dialog ab 2008 zur „Chefsache“ zu machen. Seitdem nehmen die Regierungschefs der Mitgliedsländer oder hochrangige Vertreter an den Treffen der G20 teil. Das Motto der deutschen G20-Präsidentschaft lautet: „Eine vernetzte Welt gestalten“. Die Digitalisierung, zweifellos die einflussreichste Errungenschaft, aber auch das größte Risiko der Gegenwart, soll insbesondere für den Finanzsektor im Interesse der Teilnehmerstaaten ausgestaltet werden.

Im Fokus steht einerseits Afrika, dem durch den Anschluss an die internationalen digitalisierten Finanzströme neue Chancen versprochen werden. Andererseits wird aber auch die Notwendigkeit erkannt, die Digitalisierung global zu lenken und gewissen Regeln zu unterwerfen. Die Zukunftsfähigkeit der Volkswirtschaften hängt nach Meinung mancher Wirtschaftsexperten maßgeblich von der Teilhabe an der digitalen Wirtschaft ab. Zweifellos ist die elektronische Datenverarbeitung im Forschungs- und Bildungsbereich nicht mehr wegzudenken. Ebenso wenig kann bestritten werden, dass die zunehmende Digitalisierung immer mehr Menschen überfordert. Das wird offensichtlich, wenn beispielsweise Kundenkontakte oder Verwaltungsvorgänge ausschließlich per Computer abgewickelt werden können, was gerade für die ältere Generation oft unüberwindbare Hürden darstellt. Ungleich gefährlicher ist es, wenn die digitalisierten Finanzdienstleistungen die Urteilsfähigkeit der Nutzer vernebeln und diese sich leichtfertig verschulden.

Zu den Gefahren der digitalisierten Welt gehört aber auch, und das ist erst im Ansatz realisiert worden, die Verunsicherung durch zu viele inkohärente oder nicht valide Informationen, wie sie durch soziale Netzwerke oder Online-Portale ohne journalistischen Qualitätsanspruch verbreitet werden. Alternative Fakten sind kein Skandal, sie sind trauriger Alltag und für viele Menschen die einzige Informationsquelle. Der dritte Schwerpunkt der G20-Präsidentschaft Deutschlands ist die globale Landwirtschaft, die Thema einer eigenen Agrarministerkonferenz sein wird. Verfehlte Agrarpolitik als Fluchtursache und Katalysator des Klimawandels stehen ausdrücklich auf der Agenda. Ob diese Themen tatsächlich so fokussiert werden, dass „alle davon profitieren“, wie die Bundeskanzlerin in einer Grußnote formulierte, wird indessen von vielen Globalisierungskritikern und G20-Gegnern angezweifelt. Die fortschreitende Ungleichheit bei der Verteilung des Wohlstands und der ungebremste Raubbau an den natürlichen Ressourcen wecken in der Tat Skepsis, inwieweit die Ergebnisse der G20-Konferenzen am Ende nicht doch wieder den großen Protagonisten der Weltwirtschaft zugute kommen. Aber die Institution G20 erhebt ja auch gar keinen Anspruch auf soziale Gerechtigkeit. Das Ziel lautet: Wirtschaftswachstum.

 

 

 

 

 Otto Waalkes: Bunter Gruß vom Ottifant

 

 

 

01. März 2017: Briefmarke "Otto Waalkes: Bunter Gruß vom Ottifant"


Er ist mittlerweile ein erwachsenes Tier. Der Ottifant, legendäre Comicfigur des deutschen Blödelbarden Otto Waalkes, geht mittlerweile stramm auf die Fünfzig zu. Es ist also höchste Zeit, dass sein langjähriges Wirken eine postalische Würdigung erfährt. Am 1. März 2017 erscheint seine erste eigene Briefmarke mit dem Titel „Otto Waalkes: Bunter Gruß vom Ottifant“.

Entworfen wurde die Sondermarke zu 70 Cent natürlich von Herrchen höchstpersönlich. Das Motiv ist klassisch norddeutsch: ein Leuchtturm am Strand – wäre da nicht das grinsende Elefantentier, das mit seinem Rüssel fröhlich einen Regenbogen an den Himmel malt. Die ersten Entwürfe seines Ottifanten soll Otto Waalkes bereits 1975 gezeichnet haben. Unmittelbar danach hatte das putzige Kerlchen bereits einen Cameo-Auftritt. Sein Rüssel wurde zum Logo des Plattenlabels „Rüssl Räckords“. Diese Firma war eine Notlösung, da keine Schallplattenfirma die Livemitschnitte des friesischen Götterboten veröffentlichen wollte. Also gründete Otto Waalkes 1972 zusammen mit seinem Manager, Hans Otto Mertens, ein eigenes Label. Dieses veröffentlichte nicht nur die Werke des Komikers, sondern gab auch manchem Nachwuchskünstler eine Chance, sich einer breiten Hörerschaft zu präsentieren. Während einige der im Zeichen des Rüssels veröffentlichten Musikgruppen dem Genre der humoresken Unterhaltung frönten, befindet sich unter den Ottifanten-Künstlern auch ein sehr ernstzunehmender Künstler: der Boogie-Virtuose Vince Weber. Der damals noch sehr junge Pianist traf Otto Waalkes einst in einer Kneipe, begleitete ihn anschließend auf Tournee und schaffte dank seiner von Kritik und Publikum gefeierten Alben den internationalen Durchbruch.

Für seine 1975 aufgenommene Debüt-Schallplatte „The Boogie Man“ erhielt Weber sogar den deutschen Schallplattenpreis. Es ist also nicht alles Geblödel, was einen Rüssel trägt. Die gezeichnete Figur machte ebenfalls Solo-Karriere. Neben zahlreichen Veröffentlichungen im Printbereich erschien der freche Elefant auch in einer Zeichentrick-Fernsehserie und tobte 2001 deutschlandweit über die Kinoleinwand. Sein Herrchen tut es ihm bis heute gleich, und obwohl die Jahre ihre Spuren hinterlassen haben, scheut Otto sich nicht, seine zum Markenzeichen ausgereiften Albernheiten wie vor 40 Jahren aufzuführen. Daneben versucht Waalkes sich als Live-Musiker und tourt erfolgreich mit seiner Band „Die Friesenjungs“ durch deutsche Konzerthallen. Dem jüngeren Publikum ist der Blödelbarde vor allen Dingen wegen seiner markanten Stimme vertraut. Als Faultier Sid aus den „Ice Age“-Filmen kennt ihn jedes Kind. Dass dahinter eine deutsche Bühnenlegende steht, muss nicht weiter interessieren. Die Briefmarke vom 1. März 2017 wird aber sicherlich viele Freunde finden, denn ein Ottifant ist zeitlos schön.

 

 

 

 

 Tierkinder

Tierkinder

 

 

 

01. März 2017: Briefmarken-Serie "Tierkinder": Iltis und Wildschwein"


Die beliebte Briefmarkenserie „Tierkinder“ wird am 1. März 2017 mit zwei weiteren putzigen Motiven erweitert. Beide Sondermarken erscheinen in der Wertstufe zu 85 Cent und sind für den Versand von Kompaktbriefen geeignet. Während der Anblick von Frischlingen, also den Kindern der Wildschweine, den meisten Menschen durchaus vertraut ist, sind die kleinen Iltis-Babys in freier Wildbahn eher selten zu erspähen. Das liegt an der verborgenen Aufzucht der Nachwuchs-Räuber. Iltisse sind nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in selbstgegrabenen Höhlen oder in unterirdischen Nestern anderer Tiere, beispielsweise aufgegebenen Kaninchenbauten. Hier kommen nach rund 40 Tagen im Mutterleib die durchschnittlich drei bis sieben Iltis-Babys auf die Welt. Die noch blinden Fellknäulchen wiegen gerade einmal zehn Gramm. Erst nach einem Monat, in dem sie von ihren Müttern gesäugt werden, öffnen sie die Augen und beginnen anschließend mit der Aufnahme fester Nahrung. Im Alter von drei Monaten hat der Nachwuchs schließlich das Gewicht seiner Eltern erreicht und gilt als ausgewachsen. Dann geht er allein auf die Jagd. Eier, Frösche, aber auch Vögel und kleine Nagetiere gehören zur bevorzugten Beute. Seinen schlechten Ruf hat der Iltis wegen seines Revierverhaltens. Die Sekrete, mit denen die Einzelgänger ihr Terrain markieren, sind für den Menschen sehr unangenehm im Geruch. Im Notfall nutzen die Tiere den übelriechenden Saft auch zur Verteidigung.

Die Frischlinge, die ab März durch die Wälder toben, müssen sich darüber keine Gedanken machen. Sie können sich auf ihre Mutter verlassen, und dann ist auch für uns Menschen in jedem Fall der Rückzug empfehlenswert. Eine Bache verteidigt ihren Wurf blindlings und wild entschlossen, notfalls unter Gefährdung des eigenen Lebens. Daher wird dringend abgeraten, sich den süßen gestreiften Ferkelchen zu nähern, sollte man ihnen auf einem Spaziergang begegnen. Direkt nach der Geburt wiegen Frischlinge zwischen 750 und 1100 Gramm. Rund drei Monate werden die Kleinen von der Bache gesäugt, dann machen sie sich selbst auf die Nahrungssuche. Dabei verbleibt der Nachwuchs bis zu eineinhalb Jahre bei dem Muttertier. Diese sogenannte „Mutterfamilie“ ist der normale soziale Verbund bei Wildschweinen, selbst wenn die Tierkinder bereits eigenen Nachwuchs haben. Eine junge Wildsau ist bereits im Alter von acht bis zehn Monaten geschlechtsreif. Die Männchen leben hingegen anfangs in eigenen Rotten und später bevorzugt als Einzelgänger. Dann suchen sie Kontakt zu Weibchen und bieten sich zur Paarung an. Nach knapp vier Monaten Tragezeit – die Faustregel lautet: „drei Monate, drei Wochen und drei Tage“ – bringen Wildschweine durchschnittlich sieben Frischlinge zur Welt. Drei Viertel von ihnen überleben das erste Jahr. Sie beginnen dann erneut den Kreislauf des Lebens. Die Briefmarkenserie „Tierkinder“ wird hoffentlich noch vor dem Frühjahr 2018 fortgesetzt. Ihre Motive sind ein geeignetes Mittel, um auch Philateliefremden die Schönheit von Briefmarken zu vermitteln.

 

 

 

Briefmarken April 2017

 

 Dauerserie "Blumen" Flammenblume Phlox

 

 

 

13. April 2017: Briefmarken-Serie "Blumen":  Phlox


Farbenfroh, pflegeleicht und anpassungsfähig – die Flammenblume, auch als Phlox bekannt, vereint viele Vorzüge und hat damit schon die Herzen vieler Gärtner gewonnen. Bereits 2006 erhielt sie die Auszeichnung „Staude des Jahres“, jetzt darf sie ihre schönen Blüten auf dem neuen Ergänzungswert der Dauerserie Blumen zeigen. Die Briefmarke zu 5 Cent erscheint am 13. April 2017. Ursprünglich stammt der Phlox aus Nordamerika, wo er sich in den unterschiedlichsten Umgebungen und Klimazonen wohl fühlt. Das Multitalent hat sich überall den Gegebenheiten angepasst und konnte sich daher auch ohne Schwierigkeiten bei uns in Europa und bis weit nach Russland ausbreiten. Aus den 27 ursprünglichen Phlox-Arten wurden mittlerweile weit über 1000 gezüchtet. Entsprechend vielfältig ist das Erscheinungsbild der Flammenblume.

Der Sommerphlox und der Wiesenphlox wachsen bis zu einem Meter in die Höhe, wenn sie feuchten, lehmigen Boden haben und nicht ungeschützt der Sonne ausgesetzt sind. Schneidet man sie nach der Blüte, erblühen sie in der Regel noch ein zweites Mal. Das gilt auch für die bodennahen Sorten Polsterphlox und Teppichphlox, die gerade einmal fünf bis zehn Zentimeter hoch stehen, dafür aber noch ein wenig strapazierfähiger sind als ihre hochgewachsenen Verwandten. Pralle Sonne und Trockenheit können ihnen in Maßen nichts anhaben. Die großen Phloxe hingegen entwickeln bei Hitze und Trockenheit eine Anfälligkeit für Blattflecken, Mehltau und Fadenwürmer. Daher empfiehlt es sich, diese Phloxarten regelmäßig umzusetzen. Sechs bis sieben Jahre soll man vergehen lassen, bevor man erneut eine Flammenblume auf denselben Flecken setzt. Möchte man diese Spanne verkürzen, muss man sich eines natürlichen Verbündeten bedienen. Die Studentenblume oder Tagetes ist nämlich in der Lage, Nematodenbefall entgegenzuwirken. Die kleinen orange blühenden Stinker geben nicht nur Duftstoffe ab, die Fliegen und andere Insekten vertreiben, vielmehr rücken sie den Fadenwürmern mit regelrechter Arglist auf den Leib. Die Wurzeln locken nämlich Nematoden mit ihrem Geruch an. Sobald diese aber in die Wurzel eindringen, verändert die Tagetes ein paar chemische Komponenten, sodass sie tödlich auf Nematoden wirkt.

Da der Phlox bevorzugt durch Teilung vermehrt wird, ist der Standortwechsel kein größeres Problem. So kann man jedes Jahr neue Akzente im Garten setzen. Die Züchtungen brachten neben den klassisch roten mittlerweile auch weiße, rosafarbene, orange, violette und blaue Blüten hervor, sodass dem Gestaltungswillen des Gärtners kaum Grenzen gesetzt sind. Vielleicht trägt die Dauerserie „Blumen“ vom 13. April mit ihrer Würdigung des Phloxes dazu bei, diesen farbenfrohen Dauerblüher noch ein wenig bekannter zu machen.

 

 

 

 

 500 Jahre Reformation Jubiläum Martin Luther

 

 

 

13. April 2017: Briefmarke "500 Jahre Reformation" Martin Luther


Martin Luther hat ohne Zweifel die Welt verändert. Zum 500. Jubiläum seines Thesenanschlags wird in Deutschland und der Welt seiner Reformbewegung gedacht, und am 13. April 2017 kommt die zweite von drei Sondermarken an die Postschalter. Die Reformations-Briefmarke dient zum Versand eines Standardbriefs. Sie ist eine Gemeinschaftsausgabe mit Brasilien und zeigt den Reformator neben einem Schriftzug mit den Worten „Am Anfang war das Wort“.

Das Wort war Martin Luther heilig, denn er bezog sich in seiner persönlichen Suche nach dem Seelenheil und seinem Kampf für die Heilung der Kirche auf das Wort Gottes, wie es in der Bibel überliefert wurde. Nicht der Papst und seine Kardinäle, nicht die allzu weltlichen Bischöfe sollten die Werte und die Auslegung des Glaubens bestimmen, sondern jeder Mensch konnte aus seiner Lektüre der Heiligen Schrift und seiner Hinwendung zum Glauben Erlösung finden. Das war revolutionär und rüttelte an den Fundamenten der Kirche. Luther blieb seiner Überzeugung treu. Weder Exkommunikation noch Reichsacht konnten ihn zum Umdenken bewegen. War sein Leben auch in Gefahr, hielt er doch an seinem Glauben fest, dass die Kirche im Irrtum sei.

Als Einzelperson hätte er diesen gefährlichen Weg nicht überstehen können. Doch seine Kritik an der Kirche traf den Nerv der Zeit – und fiel auf fruchtbaren politischen Boden. Einerseits hatten der unverhohlene Wohlstand und die zur Schau gestellte Pracht der Kirche in vielen Menschen Zweifel geweckt. Es wurde Wasser gepredigt und Wein getrunken. Andererseits stieß Martin Luther unter den Fürsten auf offene Ohren, die sich der Zentralgewalt des Kaisers nicht mehr fügen wollten. Mit dem sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen hatte er früh einen mächtigen Verbündeten, der ihm mit der auferlegten Schutzhaft auf der Wartburg vermutlich das Leben rettete. Weitere Landesherren folgten, und die deutschen Lande und Europa gerieten immer tiefer in einen Strudel aus Glaubenskonflikten und politischen Machtkämpfen. In Frankreich wüteten über Jahrzehnte Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Hugenotten, also reformierten Christen. England wurde zum Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen, als der Katholizismus erneut nach der Krone griff. Der Dreißigjährige Krieg verwüstete Luthers Heimat in einem ungekannten Ausmaß. Die Spaltung Deutschlands in einen protestantischen Norden und einen katholischen Süden sollte sich bis zur Reichsgründung hinziehen.

Ob Martin Luther angesichts dieser Entwicklungen und der daraus rührenden Millionen von Opfern widerrufen hätte? Man weiß es nicht, aber dass ein Mensch aus seiner festen Gewissensüberzeugung heraus einen derartigen Wandel bewirkt hat, macht ihn zu Recht zu einer Persönlichkeit von historischer Bedeutung.

 

 

 

 

 UNCESCO-Welterbe Goslar Rammelsberg Oberharzer Wasserwirtschaft

 

 

 

13. April 2017: Briefmarke "UNCESCO-Weltkulturerbe" Goslar, Bergwerk Rammelsberg, Oberharzer Wasserwirtschaft


Die aktuelle UNESCO-Briefmarke vom 13. April 2017 fasst drei bedeutende deutsche Stätten des Weltkulturerbes zusammen. Das Bergwerk Rammelsberg, die Altstadt von Goslar und die sogenannte Oberharzer Wasserwirtschaft. Tatsächlich ist diese Kombination auf einer Briefmarke keine Notlösung, sondern sie arbeitet geschickt historische Zusammenhänge heraus, die den Harz als Bergbauregion und seine Bedeutung für die deutsche Geschichte erklären.

Schon zu Zeiten der Römer, als der Harz noch die Heimat von Kelten und Germanen war, bauten die Menschen die wertvollen Edelmetalle unter Tage ab. Archäologische Funde belegen die europaweite Verbreitung des Harzer Erzes. Auf dem globalen Markt, der damals Europa, Nordafrika und Mittelasien umfasste, dominierte aber seit dem Frühmittelalter importiertes Silber, hauptsächlich aus den Kalifaten des Nahen Ostens. Gerade die skandinavischen Waräger, seinerzeit die Monopolisten des Fernhandels mit Byzanz und Bagdad, brachten große Mengen Silber nach Mitteleuropa. Als die bis dahin stabilen islamischen Staaten jedoch unter dem Ansturm fremder Völker zerbrachen, versiegte auch dieser Silberfluss und die Erzvorkommen der Harzer Mittelgebirgsregion gewannen ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine völlig neue Bedeutung. Immer neue Stollen wurden in den Berg getrieben. Im Hochmittelalter hatte sich die postantike Ingenieurskunst endlich soweit entwickelt, dass man die natürliche Kraft des Wassers zur Steigerung der Erzgewinnung nutzen konnte.

Wasserräder erzeugten die benötigte Energie, um die Stollen zu entwässern, und in den Schmieden konnte dank mechanisierten Hämmern sehr viel effizienter gearbeitet werden. Um eine gleichbleibende Versorgung mit Wasserkraft zu gewährleisten, wurde seit dieser Zeit an einem System aus Haltebecken und unterirdischen Kanälen gearbeitet. Letztere, auch Grabentouren genannt, hatten den Vorteil, dass die Wasserläufe untertage im Winter nicht zufroren. In der Neuzeit wurde das Wassernetz zu einem weitläufigen Labyrinth ausgebaut, das auch nach Erfindung der Dampfmaschine nicht sofort an Bedeutung verlor. Denn diese benötigte Kohle, während das Wasser seit Jahrhunderten floss. 1868 betrieb die Oberharzer Wasserwirtschaft 198 Wasserräder mit einer Gesamtleistung von über 3000 PS. Erst als immer größere Tiefen entwässert werden mussten, verlor die Wasserkraft ihre ursprüngliche Bedeutung.

Die deutschen Kaiser des Mittelalters wussten um die Kostbarkeit der Harzregion, und die Pfalz Goslar entwickelte sich zu einer wohlhabenden Stadt von überregionaler Bedeutung. Bis Mitte des 13. Jahrhunderts blieb Goslar Königspfalz, danach blieb es eine starke unabhängige Stadt, die sogar bis Ende des 16. Jahrhunderts Mitglied der Hanse war. Reformation und Dreißigjähriger Krieg brachten Krisenzeiten, doch Goslar überstand erfolgreich alle Wechselfälle der Geschichte. Der Bergbau am Rammelsberg förderte in rund 1000 Jahren fast 30 Millionen Tonnen Erz. Erst 1988 wurde das Bergwerk wegen zunehmender Erschöpfung der Lagerstätten geschlossen. Dank Bürgerprotesten wurde das historische Unternehmen nicht abgerissen, sondern konnte bereits 1992 zusammen mit der Goslarer Altstadt unter den Schutz der UNESCO gestellt werden. 2010 gesellte sich die Wasserwirtschaft hinzu. Das Thema Weltkulturerbe ist unter Briefmarkensammlern sehr beliebt, sodass sich die Sondermarke aus dem Harz sicherlich großer Nachfrage erfreuen wird. Ihr Wert frankiert einen Großbrief innerhalb Deutschlands.

 

 

 

 

 Klassische deutsche Automobile VW Golf I

Klassische deutsche Automobile Opel Manta A

 

 

 

13. April 2017: Briefmarke-Serie "Klassische deutsche Automobile" VW Golf I und Opel Manta A


Gut 14 Monate mussten Automobilfreunde warten, jetzt erscheint am 13. April 2017 endlich die Fortsetzung der beliebten Serie „Klassische deutsche Automobile“. Diese startete 2015 mit BMW und Mercedes und wurde am 2. Januar 2016 mit einem Porsche und dem Ford Capri fortgesetzt. Am 13. April zieren zwei absolute Auto-Ikonen die Sondermarken zur Einzelfrankatur von Kompaktbriefen: der Opel Manta A und der VW Golf Serie 1.

Der Opel Manta war die Antwort auf den 1968 entwickelten Ford Capri. Seinerzeit lag es im Trend, bewährte Sportmodelle auch als kleinere, für die breite Masse erschwingliche Coupés aufzulegen. General Motors blickte dabei stets auf die strategischen Züge des Konkurrenten Ford, und als dieser den Mustang auf den Markt brachte, konterte GM mit dem Camaro von Chevrolet. Nun hatte Ford mit dem Capri einen Kult-Flitzer geschaffen, und General Motors musste mit einem ähnlichen Erfolg nachziehen. In Erinnerung an die Corvette C2 mit dem Namen „Sting Ray“, also Stachelrochen, hieß das neue Modell „Manta“ und trug den Namen gebenden Rochen sogar als kleines Silberemblem am Kotflügel. Der Opel Manta erschien parallel zum Ascona und visierte junge Menschen mit einem sportlichen Fahrstil als Zielgruppe an. Deren eigenwilligen Vorstellungen von Lässigkeit und Automobilschmuck verliehen dem Manta sogar langfristig Symbolcharakter als Ikone des schlechten Geschmacks – der Fahrer, nicht der Automobildesigner. Die hätten sich vermutlich geweigert, serienmäßig Fuchsschwanz, Plüschwürfel und Cowboy-Stiefel einzubauen.

Der VW Golf hat ein sehr viel seriöseres Image. Als direkter Nachfolger des VW-Käfers war er unmittelbar als „Volkswagen“ konzipiert – ein Versprechen, das der Golf über Jahrzehnte zuverlässig einlöste. Dabei war seine Entwicklung aus der Not heraus geschehen. Der VW-Käfer mit seinem kleinen Frontkofferraum und dem längst nicht mehr zeitgemäßen Heckantrieb ließ sich nicht mehr gut verkaufen. Die Kunden suchten nach Alternativen – und fanden diese bei anderen Automobilherstellern. Den Entwicklern von Audi war es zu verdanken, dass sich dieser Trend umkehrte. Sie schufen einen Kleinwagen mit Frontantrieb und wassergekühltem Motor, der dennoch über eine bequeme und geräumige Fahrgastzelle verfügte und darüber hinaus mit seiner großen Heckklappe und dem breiten Kofferraum ganz ordentliche Transportkapazitäten bot: die sprichwörtliche Eierlegende Wollmilchsau. Die Serie 1 des VW Golfs verkaufte sich vom ersten Tag an hervorragend – bis 1983 waren es über sechs Millionen Exemplare. Volkswagen verdankte dem Modell damals das Überleben und in den folgenden Jahrzehnten seine globale Marktposition. Trotz schwacher Motorisierung galt der sparsame Wagen als sportlich. Aufbauend auf diesem Erfolgsmodell entwickelte der Volkswagenkonzern eine ganze Reihe an Nachfolgemodellen, deren Spannbreite von sportlich über robust bis elegant reicht.

Die Briefmarkenausgabe „Klassische deutsche Automobile“ vom 13. April 2017 macht gespannt auf die nächsten Kult-Fahrzeuge, die im Rahmen der Serie auf Sondermarken gebannt werden.

 

 

 

Briefmarken Mai 2017

 

 Dauerserie "Blumen" Bocks-Johanniskraut

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11. Mai 2017: Briefmarken-Serie "Blumen":  Bocks-Johanniskraut



Ab Juni blühen an sonnigen Waldrändern und auf trockenen Wiesen die wunderschönen Halbstauden des Johanniskrauts. Ihre leuchtend gelben Blüten sind schon aus der Ferne gut zu erkennen. Bereits seit der Antike wird der vielfältige Nutzen des Krauts mit seinen vielen Gerbstoffen und ätherischen Ölen in der Medizin hoch geschätzt. Es ist antibakteriell und entzündungshemmend, hilft bei Bronchitis und Magen- und Darm-Beschwerden, lindert Hautkrankheiten und Gelenkschmerzen und vor allen Dingen hat es eine beruhigende Wirkung. Konzentrierte Extrakte werden als Stimmungsaufheller und zur natürlichen Behandlung von depressiven Erkrankungen verwendet. In jedem Fall sollte die Verträglichkeit mit schulmedizinischen Präparaten abgeklärt werden. In der Schwangerschaft und bei der Einnahme der Anti-Baby-Pille kann es zum Beispiel zu unerwünschten Wechselwirkungen kommen.

Die neue Briefmarke zu 90 Cent aus der Blumenserie, die am 11. Mai 2017 an die Postschalter kommt, zeigt eine ganz besondere Art des Johanniskrauts: das Bocks-Johanniskraut. Der Name soll sich von der Bandbreite des Blattdufts ableiten, dem auch eine leichte Bocks-Note nachgesagt wird. Ein anderer weit verbreiteter Name lautet Zitronen-Johanniskraut und betont eher die Noten Melisse und Zitroneneukalyptus, zu der sich gelegentlich eine Spur Kampfer gesellt. Das Bocks-Johanniskraut stammt nicht aus unseren Breitengraden, sondern hat seine Heimat rund um das Mittelmeer, von Griechenland, Italien, Frankreich und Spanien über Marokko und Syrien bis hin nach Saudi-Arabien. Da das Bocks-Johanniskraut aber ein frostharter und anpassungsfähiger Strauch ist, wird es mittlerweile auch für mitteleuropäische Staudenfreunde angeboten. Einen sonnigen Platz und genug Raum weiß das Kraut zu schätzen, dann kann man viele Jahre Freude an seinen gelben Blüten haben. Im Frühjahr wird ein Rückschnitt empfohlen, damit jedes Jahr frische Triebe ausschlagen.

Seinen Namen hat das Johanniskraut der Legende nach daher, dass es direkt aus dem zur Erde getropften Blut Johannes des Täufers gewachsen sein soll. Diese Geschichte variiert, und das Kraut heißt anderswo entsprechend Christusblut. Auch Teufelsflucht oder Hexenkraut sind geläufig, da dem Johanniskraut schützende Wirkung gegenüber Zauber und Dämonen nachgesagt wurde. Gleichzeitig fand es Verwendung für Heilzauber, etwa um Würmer aus dem Käse zu vertreiben, die große Liebe herbei zu träumen oder aber Unwetter abzuwenden. In der Liebe soll eine heitere Ausstrahlung ja Wunder wirken. Insofern mag die Wirkung des Johanniskrauts in dieser Hinsicht wirklich förderlich sein. Die schöne Briefmarke vom 11. Mai 2017 kann also auch als optimistischer Frühlingsgruß verwendet werden.

 

 

 

 

 Dauerserie "Blumen" Seerose

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11. Mai 2017: Briefmarken-Serie "Blumen": Seerose



Am 11. Mai 2017 wird die Dauermarkenserie „Blumen“ um eine neue Briefmarke zu 45 Cent ergänzt. Sie trägt den Titel „Seerose“ und zeigt im Bildmotiv eine Nymphaea alba, also die in Europa weit verbreitete Weiße Seerose. Um diese Blume, deren weißen Blüten mit ihrem goldgelben Kern den Sommer über in stehenden oder langsam fließenden Gewässern erblühen, ranken sich zahlreiche Legenden. Laut Plinius dem Älteren stammt die Seerose von einer Nymphe ab, die sich unsterblich in den Göttersohn Herkules verliebt hatte. Da dieser ihre Zuneigung nicht erwiderte, soll die unglückliche Wasserfrau an gebrochenem Herzen gestorben sein. Aus Mitleid der Götter wurde ihr jedoch ein neues Leben als wunderschöne Wasserpflanze geschenkt. In der christlichen Mythologie spielten die kräftigen schwimmenden Blätter auf der Flucht nach Ägypten eine tragende Rolle, als sie der Heiligen Familie eine Brücke über einen See bauten. Aus Dank habe das Jesuskindlein die Pflanze gesegnet und ihr prächtige Blüten geschenkt. Auch im Mittelalter spielte die Seerose augenscheinlich eine wichtige Rolle für die spirituellen Nachfolger Christi, denn die giftigen Bestandteile der Seerose sollen ein begehrtes Hilfsmittel zur Unterdrückung des Geschlechtstriebs gewesen sein, was sie auch zum Symbol für Reinheit und Keuschheit machte. Gerade unter Mönchen erfreute sich die Blume daher einer gewissen Beliebtheit, da sie ihnen im Kampf gegen unerlaubte geistige Zerstreuung beistand. Womit bewiesen wäre, dass Verbindungen von Menschen und Nymphen in der Regel nicht besonders fruchtbar sind. Möglicherweise spielten die giftigen Substanzen, die im schlimmsten Fall zur Atemlähmung führen, auch eine Rolle bei der Legendenbildung um die Wassernixen. Diese ziehen jene Unglücklichen in die Tiefe, die versuchen, ihre Blüten zu pflücken. In den langen festen Stielen, die sich zwischen Wasseroberfläche und Wurzeln am Seeboden ranken, kann man sich darüber hinaus leicht verheddern, sodass ungeübte Schwimmer in Panik geraten und ertrinken können.

Tief im Schlamm sitzt das armdicke Rhizom der Seerose, von dem aus sich die Wurzeln in den Boden graben. Die Blüten- und Blattstiele können bis zu drei Meter lang werden. Die Fortpflanzung der Seerose erfolgt einerseits über abgelöste Rhizomteile und andererseits über die Blüten, die mit ihrem süßen Duft Insekten anlocken. Die befruchteten Blüten bilden eine Art Beere aus, die sich vom Pflanzenkörper löst. Nach einigen Tagen an der Oberfläche sinken die Samen in die Tiefe und keimen dort aus. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung in Mitteleuropa und ihrer Präsenz in zahlreichen Ziergärten ist die Weiße Seerose nicht gefährdet. Sie steht aber dennoch unter Schutz, sodass das Abpflücken untersagt ist – ganz im Sinne der Nixen und Nymphen. Die Briefmarke vom 11. Mai 2017 zeigt ohnehin deutlich, dass lebende Blumen sehr viel schöner sind als tote. Wer also die Anblick Weißer Seerosen genießen möchte, sollte ihre Gesellschaft lieber im Stadtpark suchen.

 

 

 

 

 

 Dauerserie "50 Jahre Deutsche Sporthilfe" Leistung

 Dauerserie "50 Jahre Deutsche Sporthilfe" Fairplay

Dauerserie "50 Jahre Deutsche Sporthilfe" Miteinander

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11. Mai 2017: Briefmarken-Serie "50 Jahre Deutsche Sporthilfe" Leistung, Fairplay, Miteinander



Am 26. Mai 1967 legten die Deutsche Olympische Gesellschaft und der Deutsche Sportbund den Grundstein für eine neue Stiftung zur Förderung aktiver und ehemaliger Spitzensportler. Ideengeber und aktiver Gestalter im Hintergrund war der Sportfunktionär Willi Daume. Seine Vision war ein goldener Mittelweg: die Ermöglichung eines Lebens zwischen reinem Amateursport und gesponsertem Profitum, um den größten Talenten mit nicht-staatlicher finanzieller Unterstützung den Sprung an die Weltspitze zu ermöglichen. Denn der Kalte Krieg war längst im Sport angekommen. Die „Staatsamateure“ des Ostblocks hatten die Nase vorn, und in der Bundesrepublik fehlte es an schlüssigen Konzepten, wie man dem begegnen konnte. Willi Daume setzte auf private Spenden aus der Wirtschaft und eine Agenda, die sich auf wirklich bedürftige Sportler beschränkte. Als es Daume gelang, den ehemaligen Olympiasieger und erfolgreichen Unternehmer Josef Neckermann für den Vorstandsposten seiner anvisierten Stiftungsgründung zu gewinnen, ging es sehr schnell. Zwei Wochen später wurde die Gründung der Stiftung Deutsche Sporthilfe notariell beurkundet, und mit einem Startkapital von 50.000 DM begann die Arbeit. Drei Briefmarken erinnern am 11. Mai 2017 an das 50. Jubiläum dieses sporthistorischen Ereignisses. Sie erscheinen unter dem Motto „Für den Sport“, und die Zuschläge der Briefmarken fließen folglich ins Vermögen der privaten Stiftung. Die drei Briefmarken tragen jeweils eines der Ziele der Sporthilfe im Motiv: Leistung, Fairplay und Miteinander. Diese Leitbilder können durch den Sport mit großer Breitenwirkung in die Gesellschaft getragen werden und symbolisieren damit den Wert des Sports auch über die Stadionmauern hinaus. Seit ihrer Gründung hat die Deutsche Sporthilfe umgerechnet weit über 400 Millionen Euro in die Förderung von Sportlern und ihre soziale Absicherung investiert. Ihre Mittel erwirtschaftet die Stiftung selbst, rund zwei Drittel durch das Einwerben von Spenden, ein Viertel erhält sie von der Lotterie Glücksspirale, die 1969 ursprünglich zur Finanzierung der Olympischen Sommerspiele in München 1972 gegründet worden war. Dazu kommen Event-Einnahmen, wie beispielsweise vom „Ball des Sports“, und nicht zu vergessen die Zuschläge der jährlichen Sportbriefmarken. Deren Cent-Beträge machen immerhin rund acht Prozent der Gesamteinnahmen aus. Wer also ab dem 11. Mai 2017 die neuen Sporthilfebriefmarken „Für den Sport“ erwirbt, kann einen wichtigen Beitrag zur erfolgreichen Arbeit der Stiftung leisten. Die Wertstufen und Zuschläge liegen bei 70 + 30, 85 + 40 sowie 145 + 55 Cent.

Um in den Genuss der Förderung zu kommen, muss ein Sportler im Bundeskader eines Spitzenverbandes trainieren und seine Bedürftigkeit nachweisen können. Verfügt er bereits über ein ausreichendes Einkommen, Vermögen oder absichernde Sponsoringverträge, erhält er keine weitere Förderung durch die Stiftung. Grundsätzlich kann die Sporthilfe auch nicht die gesamten Lebenshaltungskosten übernehmen. Sie versteht sich nur als Unterstützung. Sind alle Kriterien im Sinne einer Förderung erfüllt, gibt es eine Athletenvereinbarung, in der der Sportler sich verpflichtet, einerseits die Werte des Sports zu achten und sich insbesondere gegen Doping auszusprechen, und andererseits fünf Prozent künftiger Werbeeinnahmen an den Solidarfonds der Stiftung zu überweisen. Aktuell werden knapp 4000 Athleten gefördert.

 

 

 

 

 

 Dauerserie "Schreibanlässe" In Gedenken

Dauerserie "Schreibanlässe" Einladung

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11. Mai 2017: Briefmarke-Serie "Schreibanlässe" Trauer und Einladung



Böse Zungen behaupten manchmal, was auf einer Briefmarke abgebildet wird, ist schon längst vergessen. Richtig ist bekanntlich, dass noch lebende Personen mit wenigen Ausnahmen nicht zu Markenehren kommen dürfen. Aber ansonsten bieten Briefmarken einen sehr lebendigen Blick auf die Welt, in der wir leben. Die schöne Dauerserie „Schreibanlässe“, die am 11. Mai 2017 mit den Motiven „Trauer“ und „Einladung“ fortgesetzt wird, mag zwar für viele Menschen ebenfalls ein Relikt aus der Vergangenheit thematisieren, aber gleichzeitig kann sie anregen, sich der alten Kunst des Briefeschreibens wieder anzunehmen. Gerade der Kondolenzbrief, mit dem der Verfasser einem anderen Menschen seine Anteilnahme ausdrücken möchte, ist unersetzlich. Eine SMS oder ein Tweet mit den Worten „Sorry, tut mir leid :(“ wäre einfach nur barbarisch. Dabei ist das Ringen um den richtigen Tonfall in einem Trauerbrief auch für Brief-Profis eine echte Herausforderung. Wie kann man dem Adressaten mit passenden Worten vermitteln, dass man mitfühlt, dass man für den Anderen da ist? Niemand kann sich wirklich in den erlittenen Verlust hineinfühlen. Jeder Mensch erlebt seine Trauer ganz persönlich. Aber ein paar Zeilen, die zum Ausdruck bringen, dass man in seiner Trauer nicht ganz allein ist, dass jenseits der schwarzen Wolken jemand auf einen wartet – das kann eine große Hilfe sein.

Der Brief, egal zu welchem Anlass, stellt insgesamt sehr große Herausforderungen an die soziale Kompetenz. Nichts ist unpersönlicher – und auch langweiliger – als eine Anhäufung von Ereignissen und Meinungen, wenn diese nicht im Bezug zum Adressaten stehen. Der muss stets mit einbezogen werden. Die Gedanken sollten beim Verfassen des Schreibens beim Gegenüber sein, dann trifft man auch den richtigen Tonfall, drückt seine Verbundenheit aus und erhält die persönliche Beziehung zueinander aufrecht. Brieffreundschaften mögen insgesamt langsamer im Dialog sein, sie sind aber in der Regel auch langlebiger. Das sollte allen Brief-Verächtern zu denken geben.

Das Motiv der zweiten Briefmarke vom 11. Mai 2017 ist sehr viel leichter in der Handhabe. Eine Einladung benötigt keine Reflexion. Sie soll einfach nur sagen: „Ich würde mich freuen, wenn Du dabei bist“. Dazu eine passende Briefmarke auf das Kuvert zu kleben, macht die Einladung, egal zu welchem Anlass, in jedem Fall zu einer runden Sache. Beide Postwertzeichen erscheinen in der Wertstufe zu 70 Cent und sind damit zum Versenden eines Standardbriefes innerhalb Deutschlands geeignet.

 

 

 

 

 Dauerserie "Burgen und Schlösser" Wartburg

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11. Mai 2017: Briefmarke-Serie "Burgen und Schlösser" Wartburg



Hoch über dem schönen Eisenach erhebt sich zwischen den Baumwipfeln des Naturschutzgebietes „Hohe Sonne“ die Wartburg. Die imposante Befestigung zählt zu den bekanntesten mittelalterlichen Wehrbauten und steht seit 1999 unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes. Tatsächlich ist die Burg zwar ein Produkt des 19. Jahrhunderts, da beim Wiederaufbau durch den Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach eher der spätromantische Zeitgeist Niederschlag fand als historische Genauigkeit, aber dennoch erfüllt die Anlage ihren Zweck. Sie führt vor Augen, wie die Burg hätte aussehen können. Trotz vieler unhistorischer Details zeigt die Höhenburg ein eindrucksvolles Ensemble hochmittelalterlicher Architektur. Zusammen mit ihrem Schwesterbau, der wenige Kilometer nördlich gelegenen Creuzburg, lässt sie den Besucher einen lebhaften Einblick in die Welt der Ritter und Burgen – und der Minne – gewinnen. Erwiesenermaßen haben die Räumlichkeiten den Komponisten Richard Wagner bei seinen pseudomittelalterlichen Singspielen sehr inspiriert. Der berühmte „Sängerkrieg“ auf der Wartburg ist historisch belegt, wenn auch nicht in allen Details. Für Thüringen spielt die Burganlage darüber hinaus noch eine weitere wichtige Rolle. Hier lebte für eine Weile die Landesheilige Elisabeth von Thüringen. Auch wenn das „Rosenwunder“ der Dame erst lange nach ihrem Tod angedichtet wurde, ist die Wartburg nach wie vor der zentrale Ort für die Verehrung der Heiligen Elisabeth.

Dass die Wartburg am 11. Mai 2017 eine weitere Briefmarke gewidmet bekommt, liegt an ihrer großen Bedeutung für die deutsche Geschichte, die 2017 gleich mit zwei wichtigen Wartburg-Jubiläen aufwarten kann. An erster Stelle steht natürlich das Reformationsjahr. Martin Luthers Thesenanschlag von 1517 führte direkt zu seiner Ächtung und Flucht in die Mauern der Wartburg, wo er von Frühsommer 1521 bis Frühling 1522 als „Junker Jörg“ lebte und arbeitete. Seither ist die Eisenacher Burg mit der Reformation unlösbar verbunden. Das Luther-Stübchen in den Räumen der Burg zieht alljährlich Besucher aus aller Welt in seinen Bann. Auch im Südturm erinnert ein schauriges Detail an die unruhigen Zeiten, als viele Menschen auf der Suche nach einem neuen Glauben waren. In einem tiefen Kerker saß von 1540 an der Täufer Fritz Erbe bis zu seinem Tod 1548. Wie die Protestanten fühlten sich auch die Gemeinden der Wiedertäufer nicht mehr von der katholischen Kirche in ihren religiösen Vorstellungen vertreten. Ihre oft auch sozialrevolutionären Ansichten fanden aber wenig Anklang bei den Landes- und Kirchenherren, sodass die Bewegung meist gewaltsam unterdrückt wurde. Gleichheit vor Gott konnte man akzeptieren, aber damit war das Maß an Gleichheit auch voll.

Das zweite Jubiläum, bei dem die Wartburg eine zentrale Rolle spielt, ist das nach ihr benannte Fest 1817. Damals versammelten sich Burschenschaftler und Universitäts-Professoren in den Gemäuern und gaben ihre Forderungen nach einem geeinten Deutschland kund. Ihre Farben waren Schwarz, Rot und Gold. Es war zwar noch ein sehr langer und dramatischer Weg bis zur deutschen Einheit, aber die Idee einer bürgerlich-freiheitlichen Gesellschaft auf deutschem Boden fand vor 200 Jahren erstmalig in dieser Form ihren Ausdruck.

Die Briefmarke vom 11. Mai 2017 reiht sich ein in eine lange Liste an Wartburg-Postwertzeichen. Für Thematik-Sammler und historisch Interessierte bietet die Wartburg ein langjähriges und spannendes Forschungsgebiet – gerade im Reformationsjahr 2017.

 

 

 

Briefmarken Juni 2017

 Dauerserie "Blumen" Winterling

 Dauerserie "Blumen" Hasenglöckhen

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08. Juni 2017: Briefmarken-Serie "Blumen": Winterling



Winterling

Ein wenig aus der Zeit gefallen, erscheint am 8. Juni 2017 eine neue Briefmarke der Dauerserie „Blumen“. Der Winterling auf dem Wert zu 10 Cent ist nämlich ein ausgesprochener Frühblüher, dessen Blüten im Juni längst verwelkt sind. Bereits von Februar bis März leuchten die kräftig gelben Hahnenfußgewächse in der spätwinterlichen Landschaft auf und kündigen den Frühling an. Die krautigen, ausdauernden Pflanzen sind sogenannte Kryptophyten, also Pflanzen, deren Erneuerungsknospen im Verborgenen überdauern. Da das Rhizom des Winterlings unter der Erde ruht, spricht man in seinem Fall von einem Geophyten. Wenn die Tage des Winters wieder länger werden, erheben sich zuerst die gelben Blüten aus der Erde, umkränzt von kleinen grünen Hochblättern. An sonnigen Tagen locken sie die ersten Insekten des Jahres an. Fliegen, Bienen und Hummeln werden vom Duft der Pflanzen magisch angezogen. Sie sind auch die wichtigsten Bestäuber des Winterlings. Den Nektar erlangen sie aber nur in Ausnahmefällen, da dieser verhältnismäßig tief in der Blüte liegt und nur mithilfe eines Rüssels aufgesogen werden kann. Hummeln gelingt das, vorausgesetzt die Temperaturen sind nicht zu niedrig. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Blüten des Winterlings – ähnlich wie die der Seerose – nur bei Tageslicht geöffnet sind. In den frühen Morgenstunden kann man den Prozess des Öffnens gut beobachten, und in den frühen Abendstunden das Schließen. Erst nach der Blüte bildet der Frühblüher seine Grundblätter, die ihn als Bodendecker zu einer beliebten Kulturpflanze gemacht haben. In dieser Zeit reifen die Früchte. Im Mai und Juni ist es schließlich soweit, und der Winterling kann seine Samenkapseln abwerfen. Dies tut er in der Regel bei Regen, denn er ist ein „Regenballist“. Treffen einzelne Tropfen auf die geöffneten Balgblüten, werden die Samen bis zu 40 Zentimeter weit in alle Richtungen katapultiert. Starkregen schwemmt anschließend die kleinen Kapseln an ihren neuen Bestimmungsort. Zuweilen werden die letzten Samen auch vom Wind gelöst und fortgetragen.

Der ursprünglich aus Südeuropa und der Balkanregion stammende Winterling wurde Ende des 16. Jahrhunderts von Botanikern nach Mitteleuropa gebracht. Aus Ziergärten und Parkanlagen wilderte die Pflanze über die Jahrhunderte aus, sodass sie heute in manchen Lagen üppig in freier Natur vorkommt. Das Pflücken des Winterlings ist jedoch nur bedingt zu empfehlen, da alle Pflanzenteile für den Menschen giftig sind. Größere Mengen der Wurzel können sogar zu Herzversagen führen. Der verantwortliche Wirkstoff ist derselbe, der in Maiglöckchen und Fingerhut vorkommt. Wenn man also mit dem Winterling umgeht, sollte man sich wenigstens anschließend gründlich die Hände waschen. Noch besser sind natürlich dichte Gartenhandschuhe. Dann kann man die ansonsten wenig anspruchsvolle Pflanze als kleinen, aber feinen Farbtupfer in seinen Ziergarten setzen. Sie breitet sich mit den Jahren ganz von selbst aus. Von Schädlingen droht ihr nämlich keine Gefahr. So schöne Blüten wie die auf der Briefmarke vom 8. Juni 2017 bildet sie allerdings erst nach ein paar Jahren aus. Doch die Geduld ist bekanntlich des Gärtners erste Tugend.

 

Hasenglökchen

Im Frühling gibt es unter britischen Gartenfreunden einen ganz besonderen Brauch. Im April oder Mai, je nach Witterung, suchen sie bestimmte halbschattige Laubwälder auf und flanieren durch ein strahlend blaues Blütenmeer. In England nennt man diesen Spaziergang „Bluebell-Walk“, also „Blauglocken-Spaziergang“. Diese „Blauglocke“ wird im deutschen Sprachraum auch „Hasenglöckchen“ genannt und ergänzt die beliebte Briefmarken-Dauerserie „Blumen“ ab dem 8. Juni 2017 um einen neuen 20-Cent-Wert. Das abgebildete Atlantik-Hasenglöckchen erinnert auf den ersten Blick an eine Hyazinthe. Tatsächlich gehören die Hasenglöckchen aber zur Gattung der Spargelgewächse. Die drei wichtigsten Vertreter sind das Italienische Hasenglöckchen, das Spanische Hasenglöckchen und das an der gesamten europäischen Küste verbreitete Atlantische Hasenglöckchen. Es ist von Portugal bis hinauf nach Schottland anzutreffen – vor allem aber in England. Die ausdauernden und mehrjährigen Pflanzen tragen an der Spitze ihres langen Stängels eine ganze Traube farbiger Blüten, die einen betörenden Duft abgeben. Werden diese bestäubt, bilden sie kleine kapselförmige Früchte aus, in deren Inneren sich bis zu 30 kleine Samen befinden. Möchte man die blaue Pracht im eigenen Ziergarten heimisch machen, empfiehlt sich aber der Erwerb von Blumenzwiebeln. Diese können ab Oktober rund sechs Zentimeter tief ausgebracht werden. Einmal am richtigen Ort gesetzt, wird man über viele Jahre seine Freude an den „Bluebells“ haben. Sie vermehren sich ganz von allein, ohne dabei besondere Ansprüche zu stellen. Wichtig sind nur lichter Halbschatten und lockerer, humoser Boden ohne Staunässe. Hasenglöckchen mögen Laubbäume und wachsen auf dem Humus der Blätter besonders gut. Möchte man die Pflanzen zurückschneiden, sollte damit unbedingt bis zum kompletten Verwelken gewartet werden. Bis dahin lagern die Blumen noch Nährstoffe ein, die sie für ihre Rückkehr im nächsten Frühjahr benötigen. In der freien Wildbahn ist das Atlantische Hasenglöckchen leider auf dem Rückzug. Trotz theoretisch guter klimatischer Bedingungen ist es nur noch selten zu finden und steht daher unter Schutz. Auch in England ist das Pflücken der „Bluebells“ tabu, da die Bestände dort ebenfalls zurückgehen. Für den „Bluebell-Walk“ hat der britische National Trust mittlerweile eine interaktive Karte ins Internet gestellt, auf der sich Blumenfreunde über die aktuellen Vegetationsräume des Hasenglöckchens informieren können. Dies betrifft allerdings nur das Atlantische Hasenglöckchen auf der schönen Briefmarke vom 8. Juni 2017. Denn Englands Bestände werden von einem durchsetzungsfähigen Invasoren bedroht: dem Spanischen Hasenglöckchen. Und was Invasionen aus Spanien angeht, sind die Briten seit 1588 bekanntlich sehr empfindlich.

 

 

 

 

 Briefmarkenserie "Leuchttürme": Bremerhaven Unterfeuer

 Briefmarkenserie "Leuchttürme": Kiel-Holtenau

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08. Juni 2017: Briefmarken-Serie "Leuchttürme": Bremerhaven Unterfeuer und Kiel-Holtenau



Der 8. Juni 2017 beschert Motivsammlern und Freunden maritimer Architektur die lang ersehnte Fortsetzung der Briefmarken-Serie „Leuchttürme“. Die beiden Werte zu 45 und 70 Cent zeigen den Leuchtturm Kiel Holtenau und das Unterfeuer auf der Bremerhavener Südmole. Die beiden Leuchttürme könnten unterschiedlicher nicht sein. Während der pittoreske Backsteinbau aus Kiel neben seiner ursprünglichen Funktion auch als historische Gedenkstätte dient, besticht die Metallkonstruktion aus dem Jahre 1893 erst auf den zweiten Blick durch ihre faszinierende Form.

Eine Schifffahrts-Verbindung zwischen Nord- und Ostsee hatten sich bereits die Wikinger gewünscht. Da zur damaligen Zeit die technischen und logistischen Möglichkeiten in Schleswig-Holstein nicht gegeben waren, begnügte man sich im Mittelalter mit einer Schleppstrecke und zog die verhältnismäßig leichten Schiffe auf Holzbohlen über Land. Doch mit zunehmender Größe der Handelsschiffe schied diese Notlösung aus. Im 19. Jahrhundert, als Deutschland sich anschickte, eine Seemacht zu werden, wurde die Frage nach einer Direktverbindung zwischen den beiden „deutschen Meeren“ auch zu einem strategischen Faktor. Wollte man im Notfall seine Kriegsschiffe rasch von der Ost- in die Nordsee verlegen, lief man in den Gewässern nördlich von Dänemark Gefahr, vom Konkurrenten England bedroht oder abgefangen zu werden. 1886 gab der Reichstag schließlich die notwendigen Mittel frei, und im Sommer 1887 konnte der Grundstein für den Nord-Ostsee-Kanal gelegt werden – damals freilich „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ genannt. Dieser Grundstein sollte natürlich nicht in den Tiefen der Wasserstraße versenkt werden. Also setzte man das kostbare Symbol in den neu zu errichtenden Leuchtturm, der den Schiffen aus der Ostsee künftig den Weg in den neuen Kanal weisen sollte. Der 24 Meter hohe Leuchtturm in Kiel Holtenau war also von Beginn an kein schlichter Funktionsbau, sondern ein prächtiges Beispiel wilhelminischer Baukunst zum Zwecke der Repräsentation. In seinem achteckigen Erdgeschoss befindet sich die sogenannte Drei-Kaiser-Halle, in der den drei deutschen Monarchen gedacht wurde, die vom Kanalbau-Beginn bis Abschluss auf dem Thron saßen. Wilhelm I. starb bereits ein Jahr nach der Grundsteinlegung, und sein Nachfolger, der „99-Tage-Kaiser“ Friedrich III., folgte ihm bekanntlich wenig später ins Grab, sodass erst unter der Herrschaft Wilhelms II. der Schiffsverkehr durch den Kanal eröffnet werden konnte. Bis heute tut der Leuchtturm seinen Dienst. In der Halle kann übrigens – der Zeitgeist verlangt es – auch standesamtlich geheiratet werden.

In Bremerhaven leuchtet nach wie vor der älteste aktive Festland-Leuchtturm der Nordseeküste den Schiffen heim. Das Oberfeuer ist allerdings weseraufwärts gerichtet, und für den Verkehr auf der Unterweser wurde ein Unterfeuer benötigt. Seit 1893 erfüllt der 26 Meter hohe rot-weiß-gestreife Bau auf der 70-Cent-Briefmarke vom 8. Juni 2017 diese Aufgabe. Wegen seiner Form wird der Leuchtturm auch „Minarett“ oder „Zwiebelturm“ genannt. Trotz der über 120-jährigen Betriebsdauer ist der Standort des Unterfeuers Bremerhaven relativ neu. 1992 musste das Feuer versetzt werden, da die großen Schiffe am Kai die Sicht verdeckten. Also zog der Bau 56 Meter weiter auf die Südmole um, von wo aus er bis zu acht Seemeilen weit die Weser hinab leuchtet. Direkt zu seinen Füßen befindet sich übrigens der kleine „Zoo am Meer“ am Willy-Brandt-Platz.

 

 

 

 

 Briefmarke 100. Geburtstag Heinz Sielmann

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08. Juni 2017: Briefmarke zum 100. Geburtstag von Heinz Sielmann



Er war einer der bedeutendsten Tierfilmer und Naturpädagogen. Das Lebenswerk Heinz Sielmanns lässt sich aber nicht allein in seinen zahlreichen Dokumentationen und der Arbeit der von ihm und seiner Frau gegründeten Heinz-Sielmann-Stiftung fassen. Vielmehr berührte er mit seiner Liebe zur Natur über mehrere Generationen die Herzen der Menschen und weckte in vielen das Interesse an der Tier- und Pflanzenwelt. Am 8. Juni 2017 würdigt die Post Heinz Sielmann mit einer Sondermarke zu seinem 100. Geburtstag. Bereits in jungen Jahren fiel Sielmanns Entscheidung, sich ganz dem Tierfilm zu verschreiben. Schon sein erstes Filmprojekt – ein Stummfilm über die Vogelpopulation an den Küsten Ostpreußens – stieß auf ermutigende Kritiken. In den Kriegsjahren ab 1939 wurde er als Ausbilder für Luftwaffen-Bordfunker eingesetzt. Dieser Posten ermöglichte ihm, parallel Zoologie und Biologie zu studieren und nebenbei an Filmprojekten zu arbeiten. 1945 geriet Heinz Sielmann mitsamt einer aktuellen Aufnahme in britische Gefangenschaft. Die Engländer erkannten offensichtlich sofort das Talent des jungen Filmers, und so konnte er unmittelbar nach Kriegsende für die renommierte BBC arbeiten. Zurück in Deutschland, begann 1949 mit dem ersten Kinofilm, „Lied der Wildbahn“, seine große Karriere. Sein Markenzeichen war von Anfang an die unmittelbare Nähe der Kamera zum Forschungsobjekt. Versteckte Kameras in Vogelnestern oder Ameisenhaufen ermöglichten faszinierende Einblicke in die verborgenen Seiten der Natur. Fachliche Würdigungen, Filmpreise und Kooperationen mit bedeutenden Wissenschaftlern wie Konrad Lorenz oder Irenäus Eibl-Eibesfeldt ebneten den Weg für Sielmanns wohl bekannteste Arbeit: der NDR-Sendung „Expedition ins Tierreich“. Von 1965 bis 1991 moderierte der Tierfilmer seine eigenen Aufnahmen und entführte sein Publikum Abend für Abend in exotische Naturwelten, von denen manche direkt vor unserer Haustür liegen – wenn man denn genau hinschaut

In den letzten 15 Jahren seines Lebens rückte Heinz Sielmanns Engagement für den Naturschutz in den Vordergrund seiner Aktivitäten. Der Erhalt naturnaher, zusammenhängender Flächen ist das erklärte Ziel seiner 1994 ins Leben gerufenen Stiftung. Auf dem Gut Herbigshausen nahe Duderstadt, wo der Tierfilmer auch seine letzte Ruhestätte gefunden hat, arbeitet die Heinz-Sielmann-Stiftung an naturpädagogischen Konzepten, unterstützt Jugendgruppen und verfolgt die Pläne ihres verstorbenen Gründers. Mitunter werden gezielt Flächen gekauft und in Reservate umgewidmet, darunter Industriebrachen und ehemalige Truppenübungsplätze. Auch die ehemalige deutsch-deutsche Grenze entdeckte Sielmann früh als einmaliges Biotop. Das Beste für die Natur ist eben die Abwesenheit des Menschen – solange der Mensch nicht gelernt hat, sich rücksichtsvoll in die Natur einzugliedern. Die Briefmarke vom 8. Juni 2017 zum 100. Geburtstag Heinz Sielmanns ist eine geeignete Botschafterin im Sinne des Naturfreundes.

 

 

 

Briefmarken Juli 2017

 

 Briefmarken-Serie "Mikrowelten" Menschliches Haar

 Briefmarken-Serie "Mikrowelten" Vitamin C

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13. Juli 2017: Briefmarken-Serie "Mikrowelten": "Vitamic C" und "Menschliches Haar"



Menschliches Haar

Am 13. Juli 2017 erscheint die lang erwartete Fortsetzung der beliebten Briefmarken-Serie „Mikrowelten“. Wieder einmal entführen zwei Sondermarken in den wunderbaren Mikrokosmos und offenbaren faszinierende Einblicke in die Schönheit der Welt jenseits unserer Wahrnehmung. Das erste Motiv der Briefmarkenausgabe zeigt ein menschliches Haar in 250-facher Vergrößerung. Die umgangssprachliche Formulierung „um Haaresbreite“ verliert beim Betrachten seine Bedeutung. Das Haar erscheint vielmehr als ein dickes, schuppiges Tau, so steif und fest, als wäre es ein Hanfseil. Die Schuppen auf der Oberfläche bestehen aus abgestorbenen Körperzellen. Bei gesundem Haar liegen sie eng an und reflektieren daher das Licht ganz seidig.

Der vielbeworbene Glanz aus der Shampoo-Werbung ist also tatsächlich ein Zeichen von Gesundheit – sofern er denn natürlich und nicht künstlich aufscheint. Wie bei einem Tannenzapfen sind die Schuppen übrigens immer zur Spitze hin ausgerichtet. Ausgehend vom Briefmarken-Motiv kann also geschlossen werden, dass die Haarspitze links außerhalb des Bildes liegen muss, die Wurzel hingegen oben rechts. Der Hauptbestandteil von Haaren ist Eiweiß. Die spezifischen Proteine heißen auch Keratine und gehören zu den beständigsten Stoffen überhaupt. Mumien und Moorleichen erzählen den Forschern nicht zuletzt aufgrund erhaltener Haare vieles über die Lebens- und Ernährungsgewohnheiten in der Vergangenheit.

 

Vitamin C

Mangelerkrankungen gehören zu den Begleiterscheinungen der menschlichen Zivilisation. Sie können durch ganz unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Eine der gefährlichsten Erkrankungen, die sich bis in die Neuzeit gehalten hat, ist der Skorbut. Gerade auf langen Seereisen raffte die tückische Krankheit immer wieder große Teile der Besatzung dahin. Erst vor rund 250 Jahren kamen die Ärzte dahinter, dass Skorbut durch bestimmte Nahrungsmittel geheilt und sogar verhindert werden kann. Während im britischen Kulturkreis Limetten zum Einsatz kamen, linderten deutsche Seefahrer ihren Mangel mit großen Fässern voll Sauerkraut – daher die gegenseitige Verunglimpfung als „Limeys“ und „Krauts“. Eine Substanz, die man im Kampf gegen den Skorbut als ausschlaggebend isolieren konnte, erhielt daher den sprechenden Namen „Anti-Skorbut-Vitamin“, heute als Ascorbinsäure oder Vitamin C bekannt – das Motiv der zweiten Mikrowelten-Briefmarke vom 13. Juli 2017.

Diese zeigt mikrokristalline Ascorbinsäure in 40-facher Vergrößerung. Da Vitamin C eigentlich farblos ist, griff der Fotograf zu einem kleinen Trick und bestrahlte das Objekt mit kreuzpolarisiertem Licht, um die regenbogenartige Brechung zu erzielen. Ansonsten helfen Tricks hinsichtlich der richtigen Vitamin-C-Dosierung nicht wirklich weiter. Künstlich hergestellte Vitamine werden vom Körper augenscheinlich nicht so gut aufgenommen wie natürliche in Nahrungsmitteln. Daher empfiehlt sich eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Vitamin-C-Quellen gibt es reichlich, und man braucht noch nicht einmal Zitrusfrüchte in Kühlcontainern um die halbe Welt zu transportieren. Heimische Beeren und Gemüse schenken reichlich Vitamine und sogar des Gärtners meistgehasstes „Unkraut“ ist ein wahrer Segen. Der Giersch enthält nämlich viermal so viel Vitamin C wie eine Zitrone. Wohl bekommt´s!

 

 

 

 

 Briefmarke 200 Jahre Fahrrad - 1817 Karl Drais

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13. Juli 2017: Briefmarke "200 Jahre Fahrrad - 1817 Karl Drais"



Er muss ein überzeugendes Auftreten gehabt haben, der Karl Freiherr von Drais. Obwohl seine Ideen in der Regel kaum mehr als wohlwollendes Staunen hervorriefen, galt er seinerzeit als großer Erfinder. Von seinem Landesherrn erhielt der studierte Forstmeister ein Forstamt – ohne Wald. Stattdessen durfte er sich bei vollen Bezügen ganz seiner technischen Leidenschaft widmen und an immer neuen Geräten basteln. Zum Fundus seiner Werkstatt gehörten beispielsweise eine Schnellschreibmaschine, ein Kochautomat sowie ein Feuerlöschgerät und ein Notationsautomat, der während des Klavierspielens synchron die Noten festhielt. Alle diese fantastischen Neuerungen bescherten Karl Drais zwar einen Professorentitel und einen Ehrensold auf Lebenszeit. Durchsetzen konnten sich seine Erfindungen allerdings nicht.

Auch seine Draisine aus dem Jahre 1817, die am 13. Juli von der Post mit einer Sonder-Briefmarke zum Thema „200 Jahre Fahrrad“ gewürdigt wird, war wirtschaftlich eine Pleite. Das lag allerdings weniger an seinem Werk, sondern vielmehr am mangelhaften Patentschutz. Zwar war Karl Drais Laufmaschine in Baden durch ein großherzogliches Privileg geschützt, und jede Draisine im Land musste eine Lizenzplakette tragen, aber in den meisten europäischen Ländern entwickelten findige Geister einfach sehr ähnliche Geräte, kaum dass sie von Drais Erfindung Wind bekommen hatten. Auch in Baden hielten sich die Absatzzahlen in Grenzen. Es gab nämlich kaum geeignete Wege für den Betrieb der Laufräder. Die Jungfernfahrt am 12. Juni 1817 hatte der Meister höchstpersönlich unternommen, von Mannheim nach Schwetzingen und wieder zurück: 15 Kilometer in einer knappen Stunde. Das war eine unglaubliche Leistung. Der Weg war allerdings gepflastert. Auf schlammigen Wegen sah es mit der Geschwindigkeit ganz anders aus. Hinzu kamen Konflikte zwischen Fußgängern und Laufradfahrern, wenn letztere auf die ebeneren Bürgersteige auswichen. Schon 1822 hatte die lokale Obrigkeit reagiert, und sogar im Mannheimer Schlosspark herrschte Fahrverbot für Draisinen – wie in zahlreichen anderen Metropolen.

Der Herr Erfinder trieb es unterdessen augenscheinlich auch für seinen Gönner mit der Zeit zu bunt. Es hieß, sein „großer Durst“ habe ihn zunehmend unberechenbarer gemacht, und Drais wurde nach einer Kneipenschlägerei strafversetzt. Einige Jahre musste er in dem kleinen Dörflein Waldkatzenbach zubringen. Erst Anfang der 1840er-Jahre kehrte er nach Mannheim zurück und siedelte schließlich nach Karlsruhe über. Von seinem hohen Ansehen war freilich nichts mehr übrig. Vielmehr war er als Witzfigur verschrien, über die in den Straßen Spottverse gesungen wurden. Verbittert schloss sich der „Freiherr von Rutsch“ 1848 der Badischen Revolution an, verlor dadurch endgültig seine Bezüge und sah sich kurz darauf kurz mit einem Entmündigungsverfahren konfrontiert, das durch seine Familie knapp verhindert werden konnte. Der Erfinder des Fahrrads verstarb bald darauf mittellos an den Folgen seiner Trunksucht. Seine Draisine bildete indessen die Grundlage für Generationen von Zweirädern, sodass Karl von Drais immerhin von der Nachwelt zu Recht als der große Erfinder gewürdigt wird, der er gern gewesen wäre. Doch dafür war er seiner Zeit möglicherweise zu weit voraus. Die Briefmarke vom 13. Juli 2017 ist in jedem Falle hoch verdient.

 

 

 

 

 Briefmarke 150 Jahre Norddeutscher Bund

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08. Juli 2017: Briefmarke "150 Jahre Norddeutscher Bund"



„Wir können die Uhr vorstellen, die Zeit geht deshalb aber nicht rascher.“ Diese schnippische Feststellung zeigt anschaulich die äußerst pragmatische Haltung Otto von Bismarcks im politischen Geschäft. Dazu gehörte seiner Meinung nach unbedingt die Fähigkeit abzuwarten. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes vor 150 Jahren tat er genau das. Anstatt sein eigentliches Werk – den deutschen Einheitsstaat – aus dem flüchtigen Moment des Sieges heraus mit kräftigen Schlägen zusammenzufügen, wartete er ab und ließ die Dinge sich entwickeln, bis sie reif waren. Der Gestalter des deutschen Staates hatte bis dahin mit hohem Einsatz gespielt und stets gewonnen. In zwei Kriegen war es ihm gelungen, zuerst den preußischen Einfluss im Norden massiv auszubauen und anschließend im deutschen Bruderkrieg Österreich und seine Verbündeten auszuschalten. Nun hieß es innezuhalten, das Gewonnene zu sichern, ohne die Unterlegenen zu demütigen, oder wie Bismarck es in eigene Worte fasste, „Wasser in den brausenden Wein zu gießen“, selbst wenn er seinem König, Wilhelm I. von Preußen, damit in die Parade fuhr. Denn, das war Bismarck vollkommen klar, die besiegten Gegner von 1866 waren die Partner der Zukunft, wenn es schließlich ums Ganze ging: das geeinte Deutschland.

Die Briefmarke vom 13. Juli 2017 mit dem Titel „150 Jahre Norddeutscher Bund“ zeigt als Motiv ein Siegel mit den Wappen der Mitgliedsstaaten. Der Norddeutsche Bund unterstand zwar faktisch der Leitung Preußens, dessen König als Präsident des Bundesstaates fungierte und dessen wichtigste politische Persönlichkeit, Otto von Bismarck, in der Rolle des Bundeskanzlers die Geschicke in der Hand hielt, dennoch war das Staatsgebilde ein Zusammenschluss im gegenseitigen Interesse. Bereits im August 1866 hatte Preußen mit allen nördlich der Mainlinie gelegenen Staaten und Hansestädten ein Verteidigungsbündnis geschlossen, die pro-österreichischen Länder Hannover, Kurhessen und Nassau wurden schlichtweg annektiert. Im Februar 1867 folgten gleiche, allgemeine und direkte Wahlen in allen 22 Mitgliedsstaaten des Bündnisses für einen Konstituierenden Reichstag, der während des Frühjahrs die künftige Verfassung ausarbeitete, die zum 1. Juli 1867 in Kraft trat. An diesem Stichtag ereignete sich noch eine weitere gewichtige Veränderung. Die Thurn-und-Taxis-Post beendete ihren Dienst und übertrug sämtliche Einrichtungen gegen eine millionenschwere Abfindung an die Preußische Post. Mit der organisatorischen Gestaltung des „Norddeutschen Postbezirks“ begann der kometenhafte Aufstieg des wohl wichtigsten deutschen Postbeamten: Heinrich von Stephan. Wie Bismarck begriff er den provisorischen Charakter der gegenwärtigen Lage und setzte alles daran, tragfähige Strukturen aufzubauen, mit denen die Post eines künftigen deutschen Einheitsstaates effektiv arbeiten würde.

Nach nur fünf Jahren endete das Provisorium „Norddeutscher Bund“. Otto von Bismarck hatte geschickt auf europäischer Ebene taktiert und dafür gesorgt, dass im Falle eines geeinten Deutschlands keine geschlossene Front dagegen ins Feld rücken würde. In dem französischen Kaiser, Napoleon III., fand er hingegen den idealen unfreiwilligen Mitspieler für sein Gründungsdrama. Hinreichend provoziert, schätzte der Franzose seine Möglichkeiten vollkommen falsch ein und bot den deutschen Ländern die willkommene Gelegenheit, in einem gemeinsam ausgefochtenen „Einigungskrieg“ zueinander zu finden. Die alten Gegner Preußen und Bayern, der Norden und der Süden, siegten Seite an Seite und feierten gemeinsam die Gründung des neuen Kaiserreichs. Die Gründung des Norddeutschen Bundes vor 150 Jahren war ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

 

 

 

Briefmarken August 2017

 

 Briefmarken-Serie "Blumen" Vergissmeinnicht

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10. August 2017: Briefmarken-Dauerserie "Blumen": Vergissmeinnicht



Es gibt unzählige Legenden, die darum wetteifern, die Herkunft dieses kuriosen Blumennamens zu erklären: „Vergissmeinnicht“. Es heißt, er stamme aus dem Europa des 15. Jahrhunderts, und oft erzählen diese Geschichten von tragischen Trennungen. Der botanische Name ist hingegen griechischen Ursprungs und lautet übersetzt „Mäuseohr“. Über den alten Römer Plinius wurde diese Bezeichnung weitergegeben bis zum großen Carl von Linné, der 1753 den Gattungsnamen erstmals festschrieb. Als Symbol der Treue unter Liebenden oder Freunden durfte die kleine blaue Blüte einst in keinem Poesiealbum fehlen. Jetzt ziert sie die neue 345-Cent-Blumen-Briefmarke vom 10. August 2017 aus der beliebten Dauerserie.

Vielleicht vertrauen die Verantwortlichen der Post auf die ausgeprägten Fähigkeiten des Vergissmeinnichts, sich eigenständig zu verbreiten. Das vermag es dermaßen erfolgreich, dass es mitunter Konkurrenten verdrängt. Die genügsamen blauen Blümchen lieben Halbschatten, tolerieren bei geeigneten Bodenverhältnissen aber auch mehr Sonne oder mehr Schatten. Die Erde darf ruhig feucht sein, anhaltende Staunässe sollte allerdings vermieden werden, vorausgesetzt es handelt sich nicht um das Sumpf-Vergissmeinnicht. Unter den rund 50 verschiedenen Vergissmeinnicht-Arten gibt es ein-, zwei- und mehrjährige Pflanzen. Ihre Vermehrung übernehmen in der Regel Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, aber grundsätzlich ist bei diesen Blumen auch Selbstbestäubung möglich. Heute ist das Vergissmeinnicht auf allen fünf bewohnten Kontinenten heimisch. Dabei spielte natürlich der Mensch eine Rolle, der die Wildpflanze für farbige Akzente und Randbepflanzungen seiner Gärten und Parkanlagen bis heute schätzt. Durch Zucht und Selektion passten sich die Blumen rasch an ihre jeweilige Umgebung an. In einigen Regionen Europas finden sich noch ganz besondere Wildformen, beispielsweise auf der griechischen Insel Kreta. Hier gedeiht das Myosotis solange hoch in den Weißen Bergen – den Lefka Ori. Die Fundorte 2100 Meter über dem Meeresspiegel sind die einzigen bekannten weltweit, und dieses spezielle Vergissmeinnicht ist damit eine endemische Art.

Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die Heilkräfte des Vergissmeinnichts. Das blühende Kraut wirkt beruhigend und entzündungshemmend, spielt seine Stärke aber nicht bei der Akutbehandlung, sondern in der Vorsorge aus. Ab und zu eine Tasse Vergissmeinnicht-Tee wirkt stärkend und hilft, den Magen- und Darmtrakt im Gleichgewicht zu halten. Als Tinktur oder Badezusatz wird der Pflanze eine beruhigende Wirkung für gereizte Haut nachgesagt, und früher wurde der frische Saft der Blume verwendet, um Nasenbluten zu stillen. Vielleicht helfen die schönen Dauermarken der Blumenserie daran zu erinnern, welchen vielfältigen Nutzen die Natur schenkt, wenn man sich auf ihre sanften Kräfte einlässt. Das Vergissmeinnicht vom 10. August 2017 hat auf jeden Fall das Potenzial dazu.

 

 

 

 

 Briefmarke 400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft

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10. August 2017: 400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft



Im Gothaer Land gab es einst die Sage, dass ein bevorstehendes Unglück durch das Erscheinen einer weißen Frau auf Schloss Friedenstein angekündigt würde. Diese Erscheinung sei niemand geringeres als die Herzogin Dorothea Maria von Sachsen-Weimar. Die bei einem Reitunfall zu Tode gekommene Herzogin hinterließ indessen, ganz ohne ihr eigenes Zutun, noch mehr als ein Schauermärchen. Ihr kleiner Bruder, Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen, war zwecks seiner Kondolenzen nach Weimar gereist und hatte bei dieser Gelegenheit zusammen mit dem Weimarer Hofmarschall, Caspar von Teutleben, und anderen Mitstreitern im Geiste am 24. August 1617 die „Fruchtbringende Gesellschaft“ gegründet. Diese Vereinigung hatte sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Sprache zu pflegen und aufzuwerten. In Wissenschaft und Dichtung führten die vielen deutschen Dialekte – trotz Martin Luther – immer noch ein Nischendasein. Der kultivierte Gebrauch des Deutschen durch die kultivierten Köpfe Deutschlands – so könnte man das Selbstverständnis dieser höfisch-gelehrten Sprachgesellschaft beschreiben. „Alles zu Nutzen“, lautete ihr Motto, ihr Symbol war die Palme, die damals für besonders fruchtbringend und nützlich gehalten wurde. Die Post gratuliert am 10. August 2017 mit einer Jubiläums-Briefmarke: „400 Jahre Fruchtbringende Gesellschaft“.

Der erste Vorsitzende, Mitgründer Fürst Ludwig, hatte die Anregung zu dieser Gesellschaft in Italien gewonnen. Auf einer langjährigen Reise war er im Jahre 1600 in Florenz Mitglied der „Accademia della Crusca“ geworden, die sich dem Studium und dem Bewahren der italienischen Sprache verschrieben hatte. Der Fürst hatte sogar in Italien am ersten italienischen Wörterbuch mitgearbeitet. Nun strebte er Ähnliches für seine Heimat an. Rasch vergrößerte sich der Kreis der Mitglieder, die sich jeder einen besonderen Beinamen wählten. Ludwig hieß beispielsweise „der Nährende“ und von Teutleben „der Mehlreiche“. Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar nannte sich wiederum „der Schmackhafte“. Bis 1622 führte die Gesellschaft bereits 52 ordentliche Mitglieder, bis zum Tod des Fürsten Ludwig 1650 waren es weit über 500. Man zelebrierte die formvollendete deutsche Rede, trug Übersetzungen und Nachdichtungen vor und pflegte ganz allgemein den geistvollen Umgang miteinander. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges war dies allein schon eine bemerkenswerte Sitte im allgemeinen Strudel der Verrohung. Nach dem Tod des fürstlichen Gründers wandelte sich die Natur der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ langsam weg von der Gelehrtentätigkeit und hin zu einem fürstlich-ritterlichen Orden. Wegen des verwendeten Symbols der Palme wurde die Gesellschaft oft nur noch als „Palmorden“ bezeichnet. Mit dem Erbgang der weltlichen Titel wurde auch der Vorsitz über die Jahrzehnte weitergereicht, 1680 beispielsweise an „den Untadelichen“ Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, den „großen Kurfürsten“. Formal endete hier die Existenz der „Fruchtbringenden Gesellschaft“, ihr Wirken in der deutschen Sprach- und Literaturpflege lässt sich aber noch für lange Zeit nachweisen. 2007 gründete sich unterdessen in Köthen die „Neue Fruchtbringende Gesellschaft“, die pünktlich zum Ausgabedatum der Briefmarke vom 10. August 2017 ihr zehnjähriges Bestehen feiert.

 

 

 

 

 Briefmarke 50 Jahre Farbfernsehen in Deutschland

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10. August 2017: 50 Jahre Farbfernsehen in Deutschland



Rund 20 Minuten hatte der Außenminister und Vizekanzler Willy Brandt bereits gesprochen und war dabei mit der Hand immer wieder über den großen roten Knopf gegangen, ohne ihn zu drücken. Schließlich verlor der im Verborgenen wartende Techniker die Nerven und schaltete um – ein wenig zu früh. Der rote Knopf war eine Attrappe, offiziell hieß es später, er sei „sehr empfindlich gewesen“... Am 25. August 1967 läutete der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin im Rahmen der 25. Funkausstellung die Ära des Farbfernsehens ein. Um genau 10:57 Uhr wurde es auf den deutschen Bildschirmen bunt. Natürlich galt dies nur für die modernen Farbfernseher, von denen keine 6000 Stück in Deutschland angeschlossen waren. Dafür waren sie schlichtweg zu teuer, knapp der halbe Preis eines Kleinwagens. Dennoch setzte sich das neue Format durch, und heute ist ein Leben ohne farbige Bilder nicht mehr vorstellbar. Der wirkliche Boom kam allerdings erst zu den Olympischen Spielen 1972 und der Fußball-WM von 1974.

Der Titel der Briefmarke vom 10. August 2017 lautet „50 Jahre Farbfernsehen in Deutschland“. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungen war das Technikland Deutschland im Farb-TV-Bereich kein Vorreiter. In den USA war das Farbfernsehen bereits seit 1954 auf Sendung. Auch Kanada und Japan verfügten über diese Technologie, und bereits am 3. Juli 1928 hatte der exzentrische schottische Erfinder John Logie Baird die erste Farbfernsehübertragung der Welt durchgeführt. In Deutschland hatte sich die Einführung des neuen Formats vor allem aus rechtlichen Gründen verzögert. Französische und deutsche Patentinhaber stritten um die Grenzen ihrer Urheberrechte und folglich um den Verteilungsschlüssel bei den Tantiemen. Erst 1968 wurde dieser Streit endgültig beigelegt. Seither mussten die Fernsehhersteller pro Gerät ein paar D-Mark an die französische CFT und die deutsche Telefunken zahlen. In der DDR erfolgte die Einführung des Farbfernsehens übrigens zusammen mit der Einweihung des neuen Berliner Fernsehturms am 3. Oktober 1969, wie die Briefmarke mit der Katalognummer 1511 drei Tage später stolz präsentierte. Die Bundespost Berlin hatte hingegen 1967 die Umschaltung bei der Funkausstellung schon im Voraus auf einer Sondermarke angekündigt. Die Briefmarke vom 18. Juli des Jahres zeigte damals einen Bildschirm, der zur Hälfte schwarz-weiß und zur Hälfte bunt war, zwar recht abstrakt und pixelig, aber unmissverständlich in der Botschaft. Die aktuelle Briefmarke vom 10. August 2017 glänzt indes mit einem nostalgischen Motiv: dem Telefunken PALcromat 1967.

 

 

 

 

Briefmarkenserie Für die Jugend: "Augsburger Puppenkiste"

Briefmarkenserie Für die Jugend: "Augsburger Puppenkiste"

Briefmarkenserie Für die Jugend: "Augsburger Puppenkiste"

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10. August 2017: Briefmarkenserie Für die Jugend: "Augsburger Puppenkiste"

Die drei Briefmarken für die Jugend vom 10. August 2017 sind entweder zeitlos schön oder aus der Zeit gefallen. Sie zeigen Motive der Augsburger Puppenkiste – im 21. Jahrhundert. Bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren waren die putzigen Figuren jedem Kind ein Begriff, 50 Jahre später verhält es sich noch genau so, obwohl die lustigen Wackelköpfe jede Menge Konkurrenz bekommen haben, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Kinder zu erhaschen. Die abgebildeten Figuren auf den aktuellen Zuschlagsmarken gehören zu den populärsten Charakteren der Augsburger Puppenkiste: Urmel aus dem Eis mit seiner Ziehmutter Wutz, der kleine König Kalle Wirsch und der sprachbegabte Kater Mikesch.

Die Geschichte der Augsburger Puppenkiste begann mitten im Zweiten Weltkrieg, als der Schauspieler Walter Oehmichen während seines Kriegsdienstes aus Langeweile für seine Kameraden kleine Puppentheateraufführungen inszenierte. Zurück in der Heimat gründete er gemeinsam mit seiner Frau Rose und den beiden Töchtern Hannelore und Ulla ein eigenes Marionettentheater. Das besondere am Miniaturschauspielhaus „Puppenschrein“ war, dass es in jedem Türrahmen installiert werden konnte: das perfekte Wandertheater. Doch 1944 fiel der Schrein einem Bombenangriff zum Opfer. Nur die Puppen hatten die Schauspieler retten können. Bis 1948 arbeitete die Familie an einer Neuauflage ihres an sich genialen Konzeptes. Dieses Mal wurde die Bühne so konzipiert, dass sie komplett in einer Transportkiste verstaut werden konnte – die „Augsburger Puppenkiste“ war geboren. In dem Familienunternehmen hatte jeder seine besondere Aufgabe, Rose Oehmichen schneiderte bis zu ihrem Tod sämtliche Kostüme, Tochter Hannelore erschuf mit dem Schnitzmesser die einprägsamen Gesichter, und nach ihrer Hochzeit leitete Hannelore Oehmichen die Puppenkiste zusammen mit ihrem Mann, Hanns-Joachim Marschall. Heute führen ihre Söhne Klaus und Jürgen das Traditionshaus, das sich nach wie vor im Heilig-Geist-Spital in der Augsburger Altstadt befindet.

Die wohl bekanntesten Figuren der Augsburger Puppenkiste haben erstaunlicherweise niemals die Theaterbühne betreten. Mit dem kongenialen Schauspieler und Drehbuchschreiber Manfred Jenning begann die Puppenkiste in den 1950er-Jahren den Fernsehbildschirm zu erobern. Die Produktionen wurden eigens für das neue Medium entwickelt und waren sämtlich von überwältigendem Erfolg gekrönt. Als das Fernsehen farbig wurde, mussten die wichtigsten Marionettenfilme neu gedreht werden, denn ohne die Helden der Augsburger Puppenkiste war Fernsehen in Deutschland undenkbar. Die Briefmarken vom 10. August 2017 wecken die Hoffnung, dass Urmel, Mikesch und ihre Freunde auch weiterhin ein Plätzchen in den Herzen der Kinder und auf den Jugendmarken der Post finden werden.

 

 

 

 

Briefmarken September 2017

 

 Briefmarke Weinanbau in Deutschland

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07. September 2017: Weinanbau in Deutschland



Schon in vorchristlicher Zeit wurde in deutschen Landen der Wein geschätzt. Es wird vermutet, dass bereits die Kelten Trauben gekeltert haben. Für die verwöhnten Zungen der mediterranen Hochkulturen taugte deren Saft aber nicht. Sie zogen Wein vor, der ein bisschen mehr Sonne abbekommen hatte. Diesem Urteil schlossen sich auch die Kelten an, nachdem sie von griechischen Händlern mit südlichen Weinen beliefert worden waren. Fortan sorgte ein reger Nord-Süd-Handel für Austausch. Die Kelten lieferten Salz, Bernstein und ihr damals berühmtes, besonders hochwertiges Eisen und erhielten dafür exotische Luxusgüter und vor allen Dingen Wein. Die griechische Handelsstadt Marseille wuchs durch diesen Handel zu einer mächtigen Handelsmetropole heran. Später brachten die Römer den Weinbau selbst nach Norden. Wurde anfangs der Anbau reguliert, um den Handel nicht zu gefährden, erforderte der wachsende Bedarf später eine Liberalisierung dieser Politik. Dieser Schritt wurde in der Spätantike dem Soldatenkaiser Probus zugeschrieben, sodass der Haudegen fern seiner Heimat zuweilen als regelrechter Apostel des Weines gewürdigt wird. Ab der Mitte des dritten Jahrhunderts florierte jedenfalls das junge deutsche Winzerwesen an Mosel und Rhein. Auch im frühen Mittelalter blieben die Weinberge ein allseits geschätztes Kulturgut, und da selbst die wildesten Barbaren einen guten Tropfen zu schätzen wussten, schlugen sie im Zweifelsfall den Kopf des Winzers ab, aber niemals den Rebstock. Insbesondere die Klöster als Zentren fortschrittlicher Agrikultur pflegten den Wein und züchteten immer widerstandsfähigere Sorten, sodass der Weinanbau langsam in den Norden Deutschlands vorrückte. Die mittelalterliche Wärmeperiode begünstigte die Entwicklung. Auch in der Medizin fand der Wein zunehmend Verwendung. Er galt als allgemeines Stärkungsmittel, und da er wegen seines Alkohols in der Regel weniger Keime enthielt als die üblichen Wasserquellen, kam er bei der Reinigung von Wunden zum Einsatz. In der Neuzeit brach der Weinanbau aus verschiedenen Gründen zwischenzeitlich ein. Soziale Unruhen, Kriege und die „kleine Eiszeit“ sorgten für Hungersnöte, und die Menschen mühten sich ums Überleben. Bald aber kehrte die önologische Lebensfreude zurück, und heute ist der Wein aus vielen deutschen Regionen nicht mehr wegzudenken. Die 13 wichtigsten Anbaugebiete in Deutschland umfassen mehr als 100.000 Hektar Fläche. Doch auch außerhalb dieser ausgewiesenen Weinregionen wird gepflanzt und gekeltert. Sogar in Schleswig-Holstein wird Wein angebaut. Insgesamt gibt es hierzulande 140 verschiedene Rebsorten, es werden aber ständig neue Züchtungen entwickelt. Die hohe Qualität deutscher Weine macht sie auch zu einem beliebten Exportgut. Es bleibt zu hoffen, dass die Briefmarke vom 7. September zum Weinanbau in Deutschland nicht den größten Abnehmer veranlasst, über sein Handelsdefizit nachzudenken. Denn der meiste exportierte Wein geht in die USA.

 

 

 

 

 Briefmarke 250. Geburtstag August Wilhelm Schlegel

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07. September 2017: 250. Geburtstag August Wilhelm Schlegel



August Wilhelm Schlegel hat viele Verdienste erworben. Als Literaturkritiker ließ er sich nicht von großen Namen einschüchtern, als Literaturhistoriker bereicherte er die akademische Forschung. Aber seine bedeutendsten Leistungen werden von der Nachwelt in den literarischen Übersetzungen gesehen, die er hinterlassen hat. Seine 17 Übertragungen von Stücken Shakespeares gelten als wegweisend. Ebenso glänzte er als Romanist von Format, der Dante, Petrarca, Boccaccio, Tasso und Cervantes ins Deutsche übersetzte. Am 7. September 2017 widmet die deutsche Post dem großen Literaten eine Briefmarke zu seinem 250. Geburtstag. Der Sohn eines protestantischen Geistlichen war ursprünglich für das Studium der Theologie 1786 an die Universität von Göttingen gekommen. Doch unter Anleitung von Geistesgrößen wie Gottfried August Bürger und Christian Gottlob Heyne war Schlegel bald den Sprachwissenschaften verfallen und erwarb sich erste Anerkennung für seine Übersetzungen. In Göttingen machte er auch Bekanntschaft mit den „Universitätsmamsellen“, einer Gruppe literarisch begeisterter Professoren-Töchter, deren Ruf zwischen bemerkenswert und skandalös schwankte. Eine von ihnen wurde später Schlegels Ehefrau. Vorerst aber fand der junge Hochschulabsolvent eine Anstellung als Hauslehrer in Amsterdam, die er bald unterbrach, um der „Mamsell“ Caroline Böhmer aus der Not zu helfen. Die auch geistig liberale Dame war von den Preußen als vermeintliche Jakobinerin verhaftet worden, wurde aber dank ihrer akademischen Fürsprecher wieder aus der Haft entlassen. Ihre Lage war prekär. Sie war verwitwet mit einem Kind und aktuell von einem französischen Soldaten schwanger. Während der aufstrebende Literat als Kritiker und Rezensent für Friedrich Schillers „Horen“ arbeitete und unzählige Rezensionen für die Jenaer „Allgemeine Literatur Zeitung“ verfasste, war die Dame vielerorts zur „unerwünschten Person“ geworden, so auch in ihrer Heimatstadt. Nichtsdestotrotz heiratete Schlegel Caroline Böhmer und nahm sie mit nach Jena, wo sich um das junge Paar und Schlegels Bruder Friedrich bald ein kleiner Romantikerkreis bildete. August Wilhelm Schlegel ereilte bald der Ruf nach Berlin, wo er als Literaturwissenschaftler große Erfolge feierte. Seine Ehe war allerdings zerrüttet, da die Frau Gemahlin bereits seit 1798 eine Liebesbeziehung zum befreundeten Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling unterhielt. 1803 ließ sich das Ehepaar Schlegel scheiden. Nur ein Jahr später lernte Schlegel die an allen Höfen Europas bewunderte Madame de Staël kennen. Fasziniert von der geistreichen und äußerst emanzipierten Baronin, nahm er gern die hochdotierte Stellung als Hauslehrer ihrer Kinder an. Bis 1817 blieb er ihr Sekretär und reiste an der Seite de Staëls durch Europa. Die Dame hatte sich nämlich die Feindschaft Napoleons zugezogen, und so musste sie mehr als einmal dem Zugriff des französischen Kaisers entfliehen. Nach einer Flucht über Wien, Kiew und Moskau nach Stockholm lernte Schlegel in Schweden den künftigen König – und entfremdeten ehemaligen Gefährten Napoleons – kennen, Jean Baptiste Bernadotte, der Schlegel als Regierungsrat einstellte. Erst nach dem Tod Madame de Staëls fand er in Bonn 1818 eine neue Heimat. Die Universität hatte ihm den ersten Lehrstuhl für Indologie in Deutschland angeboten. In Bonn fertigte er zahlreiche Übersetzungen indischer Werke an, bevor er 1845 verstarb. Die Briefmarke vom 7. September 2017 regt in jedem Fall an, sich mit der faszinierenden Lebensgeschichte dieses großen Gelehrten zu beschäftigen

 

 

 

 

 Briefmarke 150. Geburtstag Walther Rathenau

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07. September 2017: 150. Geburtstag Walther Rathenau



Am Morgen des 24. Juni 1922 erschütterte ein Mord Berlin. Mitglieder der rechtsradikalen „Organisation Consul“ hatten auf offener Straße Außenminister Walther Rathenau erschossen. Die Polizei kam den Attentätern schnell auf die Spur. Gegen den Geheimbund wurde bereits ermittelt, da seine Mitglieder keine drei Wochen zuvor versucht hatten, Philipp Scheidemann zu ermorden, und in dem Verdacht standen, Matthias Erzberger erschossen zu haben. Politik und Öffentlichkeit reagierten empört, und anstelle der von „Consul“ angestrebten politischen Destabilisierung der verhassten Republik kippte die Meinung für eine Weile entschieden gegen die Nationalisten. Die Gründe der vom Freikorpsführer Kapitän Ehrhardt ins Leben gerufenen „Organisation Consul“ für die Ermordung Rathenaus waren konfus, völkisch und antisemitisch. Ihm wurde vorgeworfen „zionistischer Befehlsempfänger“ gewesen zu sein und ganz verschwörungstheoretisch „geheime Fäden in der Hand zu halten“. Tatsächlich aber war der Politiker und Unternehmer, der am 7. September 2017 zum 150. Geburtstag mit einer Briefmarke geehrt wird, eher ein Pragmatiker, der zum Erreichen seiner Ziele moralische Aspekte komplett außer Acht lassen konnte. Nicht umsonst hatte er während des Ersten Weltkriegs das Vertrauen der Obersten Heeresleitung besessen. Walther Rathenau wurde 1876 als ältester Sohn des AEG-Mitbegründers Emil Rathenau geboren. Er machte rasch Karriere, baute für seinen Vater Fabriken auf, übernahm Vorstandsposten und zeigte großes Talent bei der Gründung von Syndikaten und Kartellen. Diese Fähigkeit verschaffte ihm nach Ausbruch des Krieges 1914 eine wichtige Funktion bei der Kriegsrohstoffversorgung. Die AEG lieferte ohnehin zahlreiche Rüstungsgüter. Der Aufsichtsratsvorsitzende Rathenau arbeitete fortan direkt mit dem Kriegsministerium zusammen. 1916 setzte er sich gemeinsam mit anderen Industriellen dafür ein, belgische Zivilisten als Zwangsarbeiter nach Deutschland zu deportieren, was auch geschah. Während Walther Rathenau auf diese Weise einerseits zu einem der mächtigsten Industriellen aufstieg, beschäftigte er sich privat mit neoidealistischem Gedankengut, veröffentlichte kritische Texte über den Kapitalismus und die Mechanisierung der Welt, wobei er teilweise auch völkisches Gedankengut übernahm und polemisch das „moderne Judentum“ angriff.

Seine persönliche deutsch-jüdische Familiengeschichte schien ihm dafür die nötige Autorität zu verleihen. Vor antisemitischen Anfeindungen schützte es ihn dennoch nicht. Die Rechte in der Weimarer Republik war intern zerrissen und inhaltlich kaum zu fassen. Nach 1933 feierten beispielsweise die Nationalsozialisten die Ermordung Rathenaus durch die Verschwörer Kapitän Ehrhardts. Der aber hatte Hitler stets abgelehnt – Zitat: „der Idiot schon wieder“. Walther Rathenau, der Befürworter von Zwangsarbeit, Städtebombardements und der Fortsetzung des sogar von Hindenburg für verloren erklärten Krieges, wurde hingegen von den Rechten sogar in die „Dolchstoßlegende“ einbezogen. Vielleicht waren seine Standpunkte einfach zu flexibel. Nach dem Krieg gehörte Rathenau zu den Gründern der linksliberalen DDP, 1921 berief ihn das Kabinett Wirth als Wiederaufbauminister, 1922 zum Außenminister. In dieser Funktion gelang dem Verhandlungstalent der Abschluss des Vertrages von Rapallo mit der Sowjetunion. Diese Vereinbarung mit den Kommunisten spaltete Linke wie Rechte in Deutschland. Für Rathenaus Mörder war die Annäherung an die Bolschewisten sein Todesurteil. Für die Nachwelt befreite er hingegen die Weimarer Republik aus der politischen Isolation – gleichzeitig öffnete er bereits 1922 die Türen für Hitlers geheimes Rüstungsprogramm auf russischem Boden, mit dem Deutschland die Auflagen des Versailler Vertrags umging. Rathenaus Leben und Werk mag polarisieren, beeindrucken kann es trotzdem. Daran erinnert die Briefmarke vom 7. September 2017 zu seinem 150. Geburtstag.

 

 

 

 

 Briefmarken-Serie Tag der Briefmarke "Fix & Foxi"

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07. September 2017: Serie „Tag der Briefmarke“ 2017: Fix und Foxi



Es ist ein auf den ersten Blick überraschendes Motiv, das die aktuelle Ausgabe zum „Tag der Briefmarke“ vom 7. September 2017 präsentiert. „Fix & Foxi“ sind zwei Comic-Helden aus der Feder von Rolf Kauka, der seinerzeit auch als der „deutsche Walt Disney“ gefeiert wurde. Die beiden pfiffigen Füchse mögen vielleicht nicht selbst aktiv Briefmarken gesammelt haben, doch mit der Wahl der Zielgruppe, die von dieser Briefmarke angesprochen wird, hat sich die Post möglicherweise als ebenso fuchsig erwiesen. Denn nach dem Krieg war das Briefmarkensammeln eine weit verbreitete Beschäftigung für Kinder und Jugendliche – ebenso wie das Sammeln und Lesen von Comics. Das macht Fix und Foxi und die Briefmarke ein wenig zu Zeitgenossen. Der Zeichner und Verleger Rolf Kauka hatte damals die Zeichen der Zeit richtig gedeutet. Der Boom amerikanischer Unterhaltung nach dem Krieg hatte neben Jazzmusik und Kaugummi auch die bunte Welt der Comics in die deutschen Haushalte gebracht. Da es hierzulande keine Comicautoren oder Zeichner gab, machte sich Kauka selbst an die Arbeit. Er hatte bereits zu Schulzeiten mit Karikaturen und Cartoons regional auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt orientierte er sich an den großen amerikanischen Vorbildern und schuf ein eigenes kleines Comic-Universum. Kritiker halten ihm vor, dass er gegenüber den US-Vorlagen zu wenig Eigenständigkeit bewiesen habe. Dem Erfolg tat das keinen Abbruch. Beim 1951 gegründeten Rolf Kauka Verlag, der übrigens auch ein damals recht populäres Herrenmagazin herausbrachte, erschien ab 1953 das Comic-Heft „Eulenspiegel“, in dem der Verleger deutsche Sagen- und Fabelfiguren zeichnerisch verarbeitete. In der sechsten Ausgabe des Magazins präsentierte Kauka erstmals seine Kreationen, Fix und Foxi, die beim Publikum hervorragend ankamen. Bald tauchten die beiden Schlaufüchse regelmäßig auf der Titelseite des „Eulenspiegel“ auf, und schließlich musste der alte Titel weichen, und das Heft erschien als „Fix & Foxi“ in den Zeitschriftenläden. Mit einer zeitweiligen wöchentlichen Auflage von 400.000 Stück und einer Gesamtzahl von 750 Millionen verkauften Heften ist es bis heute die erfolgreichste deutsche Comic-Produktion aller Zeiten. Rolf Kauka erweiterte das Programm um Sonderhefte und veröffentlichte zahlreiche Comics von Autoren aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Deren Übertragungen ins Deutsche gelten nach heutigen Maßstäben als nicht sehr gelungen. Damals war es üblich, Namen und Handlung zu „nationalisieren“, aus Asterix und Obelix wurden also die Germanen „Siggi und Babarras“, die sich mit typisch westdeutschen Gags durch die Handlung kalauerten. Als Kauka die Rechte an ihnen entzogen wurden, erschuf er die beiden Ex-Gallier neu und veröffentlichte sie unter dem Namen „Fritze Blitz und Dunnerkiel“, was ihm einen Plagiatsprozess einbrachte. Erfolgreicher war hingegen eine spätere Kauka-Erfindung, die bis heute Vorschulkinder begeistert: Bussi Bär. Der Verleger zog sich Anfang der Siebziger langsam aus dem Geschäft zurück und vergab die Lizenzen an Partnerverlage. Doch Fix und Foxi waren nicht mehr zeitgemäß. Die Auflage sank, bis die Veröffentlichung 1994 nicht mehr wirtschaftlich war. Kurz vor seinem Tod im Herbst 2000 versuchte Rolf Kauka noch einen letzten Wiederbelebungs-Versuch, der jedoch scheiterte. Lizenzierte Produkte erscheinen aber nach wie vor in den unterschiedlichsten Medien. Dass es „Fix & Foxi“ am 7. September 2017 auch auf eine Briefmarke geschafft haben, beweist, dass diese beiden großen Helden des deutschen Comics noch nicht in Vergessenheit geraten sind.

 

 

 

Briefmarken Oktober 2017

 

 Briefmarke Badische Weinstraße/Markgräfleland

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12. Oktober 2017: Briefmarkenserie „Deutschlands schönste Panoramen“: Badische Weinstraße/Markgräflerland



Im äußersten Südwesten Deutschlands liegt das Markgräflerland. Es erstreckt sich von den äußersten Ausläufern des Schwarzwalds bis ins Rheintal hinab. Die außergewöhnliche geografische Lage verleiht der ganzen Region ein äußerst mildes Klima, sodass das Markgräflerland für seinen hervorragenden Wein bekannt ist. Daher trägt die Briefmarkenausgabe vom 12. Oktober aus der Serie „Deutschlands schönste Panoramen“ auch den Doppelnamen „Badische Weinstraße“ und „Markgräflerland“. Die beiden Werte zu 45 Cent erscheinen wie gewohnt als Zusammendruck, sodass sie getrennt für zwei Postkarten innerhalb Deutschlands oder zusammen für einen Standardbrief oder eine Postkarte ins Ausland verwendet werden können. Schon die alten Römer schätzten die malerischen Höhen und die vielen Sonnenstunden, sodass sich die Gegend zu einem Kerngebiet römischer Kultur und Lebensweise entwickelte. Einige Elemente davon übernahmen auch die germanischen Alemannen, als sie das Decumatland überrannten, insbesondere den Weinanbau. Vom Schwarzwald vor den kalten Nordwinden geschützt und durch die Burgundische Pforte offen für warme Ströme aus dem Süden, gedeiht im Markgräflerland die traditionelle Rebsorte Gutedel. Der Legende nach soll die alte Sorte aus dem antiken Ägypten stammen. Diese These konnte jedoch nicht belegt werden. Möglicherweise wurden die ersten Rebstöcke zur Zeit Königs Franz I. von Frankreich aus dem osmanischen Reich eingeführt.

Der „Chasselas“ soll rund um die frühere byzantinische Hauptstadt Konstantinopel kultiviert worden sein. Da die türkischen Sultane den Alkohol nicht grundsätzlich ablehnten, ist es im Bereich des Möglichen, dass Süleyman II., genannt „der Prächtige“, dem verbündeten Franzosenherrscher ein solches Geschenk gemacht hat. Von dort habe sich die Rebe über die Schweizer Westalpen langsam nach Norden verbreitet, bis sie im Markgräflerland eine neue Heimat gefunden hat. Immerhin macht sie 40 Prozent der von den Winzern bewirtschafteten 3000 Hektar aus. Daneben wachsen verschiedene Burgundersorten auf den sonnigen Hängen.

Die Briefmarken vom 12. Oktober 2017 zeigen einen Blick vom Ehrenstetter Ölberg mit der nach ihm benannten Ölberg-Kapelle, die 1954 in Gedenken an die Weltkriegsopfer errichtet wurde. Der Berg ist der letzte Ausläufer des Schönbergmassivs mit seinem Hexental und gilt als ein Biotop für seltene Tier- und Pflanzenarten. Da die alten Weinberge aufgrund ihrer schwer zugänglichen Lage teilweise nicht mehr genutzt werden, bieten sie einen willkommenen Rückzugsraum. Diese Ansicht teilen auch viele Stadtbewohner, wenn sie einen Ausflug entlang der Badischen Weinstraße unternehmen.

 

 

 

 

 Briefmarke "Deutsche Fernsehlegende": Das Millionenspiel

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12. Oktober 2017: Briefmarkenserie „Deutsche Fernseh-Legenden“: Das Millionenspiel



Als am 18. Oktober 1970 der Leverkusener Bernhard Lotz um sein Leben rannte, verfolgten Millionen deutsche Fernsehzuschauer seine abenteuerliche Flucht vor den gedungenen Mördern. Natürlich handelte es sich um eine inszenierte Jagd, doch die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit waren so erfolgreich verwischt worden, dass manchen Zuschauern die Ironie hinter dem „Millionenspiel“ entgangen war. Sie bewarben sich beim Fernsehsender als Kandidaten für die nächste Runde. Am 12. Oktober 2017 erinnert eine Sondermarke zum Thema „Deutsche Fernsehlegenden“ an die Erstausstrahlung des „Millionenspiels“ vor mehr als 45 Jahren.

Die Idee war so einfach wie sie zynisch war. Ein fiktiver freiwilliger Show-Kandidat, verkörpert vom Schauspieler Jörg Plewa, musste sich sieben Tage lang vor einer Mörderbande verstecken. Deren Auftrag lautete, den Fliehenden vor laufender Kamera zu töten. Gelang es dem Gejagten hingegen eine Woche lang, seinen Häschern zu entkommen, winkte ihm ein Preis vom einer Million D-Mark. Natürlich durfte er jederzeit aufgeben, doch damit hätte er sich selbst vor der gesamten Nation blamiert. Während ihm viele Mitmenschen bei seiner Flucht halfen, versuchten andere, ihn an den fiesen Gangster Köhler zu verraten. Die Geschehnisse, so behauptete die Fiktion, wurden permanent live übertragen, sodass man am Bildschirm unmittelbar Zeuge von Erfolg und Niederlage wurde – für Bernhard Lotz bedeutete das Leben oder Tod. Die Idee einer solchen Show stammte vom US-Schriftsteller Robert Sheckley, der zehn Jahre zuvor den Krimi „The Prize of Peril“ veröffentlicht hatte. Unter der Regie von Tom Toelle und nach dem Drehbuch aus der Feder von Wolfgang Menge gelang es dem deutschen Produktionsteam, dieses Konzept erfolgreich für das bundesdeutsche Publikum zu inszenieren. Die Szenen wirkten so wirklichkeitsnah, dass das „Millionenspiel“ eine heftige Diskussion über die Grenzen der Unterhaltungskunst und des Fernsehens entfachte. Abgerundet wurde die bitterböse Satire auf den TV-Voyeurismus durch den Moderator Thilo Uhlenhorst, gespielt von keinem geringeren als Dieter Thomas Heck, der mit wunderschön geheuchelter Anteilnahme in einem Wechselbad der Gefühle den Menschen Lotz vor seinem Publikum regelrecht sezierte und gleichzeitig die Jagd auf ihn als spannendes Ereignis feierte. Sogar die Werbepausen wurden mit eigens erdachten, fiktiven Produkten gefüllt.

Seinem Ruf als „deutsche Fernsehlegende“ wurde das „Millionenspiel“ allein schon dadurch gerecht, dass es viele spätere Entwicklungen der TV-Unterhaltung vorwegnahm, die seinerzeit undenkbar waren. Doch die Flut an Doku-Soaps, pseudoauthentischen Gerichtsreportagen und inszenierten Laien-Dramen bis hin zu den unsäglichen Selbstentblößungen kamerasüchtiger Reste-Prominenter in Wohncontainern oder Urwaldcamps beweist, dass heute keine menschliche Niedrigkeit fürs Fernsehen zu schlecht ist. Nach 40 Jahren hätte das „Millionenspiel“ vermutlich für keinen Skandal mehr gereicht. Die Briefmarke vom 12. Oktober 2017 erinnert insofern auch an die längst verlorene Unschuld unserer Medien. Informationen und seriöse Berichterstattung sind längst in der Nische beheimatet.

 

 

 

 

 Briefmarke 300 Geburstag Johann Joachim Winckelmann

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12. Oktober 2017: 300. Geburtstag Johann Joachim Winckelmann



Es heißt, man soll nicht vorzeitig zum Geburtstag gratulieren, da dies Unglück bringe. Im Falle Johann Joachim Winckelmanns, der am 12. Oktober 2017 mit einer Briefmarke zu seinem 300. Geburtstag geehrt wird, ist das jedoch unerheblich. Denn so strahlend seine Laufbahn zu Lebzeiten verlief, und so groß sein Ruhm für die Nachwelt ist, so unglücklich war schließlich sein Ende. Geboren wurde der große Gelehrte am 9. Dezember 1717 in der Hansestadt Stendal. Aus einfachen Verhältnissen stammend, verhalf sein außergewöhnliches Talent Winckelmann bereits in jungen Jahren zu einer akademischen Ausbildung. Von Stipendien unterstützt, studierte er zunächst Theologie, dann Medizin. Seine wahre Leidenschaft gehörte aber der Sprachwissenschaft und der Geschichte. Nachdem er sich einige Jahre mit Hauslehrerstellen über Wasser gehalten hatte, winkte ihm 1748 endlich das Glück in Gestalt des Grafen Heinrich von Bünau. Der historisch interessierte Privatgelehrte verfügte damals über die größte Bibliothek Sachsens. Sie umfasste rund 42.000 Bände. Johann Joachim Winckelmann erhielt eine Anstellung als Bibliothekar und unterstützte den Grafen bei der Arbeit an einem Werk zur deutschen Geschichte. Der junge Mann erwies sich als außerordentlich fähig, und schließlich wurde der päpstliche Nuntius in Sachsen, Alberico Archinto, auf ihn aufmerksam. Mit Unterstützung des kursächsischen Landesherrn, König Augusts III. von Polen, vermittelte der Geistliche Winckelmann eine Stelle in Rom. Im Dienste Kardinal Alessandro Albanis leistete er in den folgenden Jahren kunsthistorische Grundlagenforschung. Er unterteilte erstmals antike Kunst in Epochen und Perioden und benannte die verschiedenen Stilrichtungen. Auch die klassische Archäologie ehrt Winckelmann als ihren Urvater. 1763 wurde dem Gelehrten die Oberaufsicht über die antiken Schätze Roms übergeben. Mit seinen Werken verbreitete Winckelmann darüber hinaus das Wissen über und vor allem die Begeisterung für die antike Kunst im deutschsprachigen Raum, sodass ihm der deutsche Klassizismus viel verdankte. Für Goethe war er ein Pionier und Entdecker ersten Grades.

Ein langes Leben war Johann Joachim Winckelmann indes nicht vergönnt. Auf der Rückreise von Deutschland nach Rom im Frühjahr 1768 hatte er sich in einem Hotel in Triest einquartiert, wo zur selben Zeit der Gelegenheitsverbrecher Francesco Arcangeli logierte. Angelockt vom offensichtlichen Reichtum des reisenden Gelehrten, versuchte Arcangeli Winckelmann zu erwürgen, um ihn anschließend zu bestehlen. Beim Kampf verletzte er ihn mit seinem Messer tödlich. Winckelmann überlebte noch sechs Stunden, in denen er den Tathergang ausführlich schilderte, bevor er verstarb. Sein Mörder wurde wenig später hingerichtet. Die Welt verlor einen großen Wissenschaftler und leidenschaftliche Liebhaber der Kunst. Die Darstellung Winckelmanns auf der Briefmarke zu seinem 300. Geburtstag vom 12. Oktober 2017 basiert übrigens auf einem Porträt aus der Feder von Anton Raphael Mengs, der als sächsischer Oberhofmaler nach Italien gegangen war. Mengs und Winckelmann wurden enge Freunde, und durch den Einfluss des Historikers wurde der Maler zu einem der ersten Künstler des Frühklassizismus. Das Porträt entstand um 1755.

 

 

 

 

 Briefmarke 50 Jahre Justitia et Pax

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12. Oktober 2017: 50 Jahre Justitia et Pax



In unserer Demokratie herrscht eine klare Trennung von Staat und Kirche. Während der Politik die Gestaltung der gesellschaftlichen Ordnung vorbehalten ist, obliegt der Kirche die Sorge um das Seelenheil der Menschen. Da jedoch letzteres unlösbar mit den allgemeinen Lebensbedingungen verknüpft ist, wenden sich religiöse Führer aller Konfessionen immer wieder mit mahnenden Worten an die Öffentlichkeit. Ausgehend von der zentralen Forderung nach Gerechtigkeit für alle Menschen berief Papst Paul VI. im Januar 1967 die Kommission „Justitia et Pax“ ins Leben, die sich mit der gerechten Verteilung der weltlichen Güter befassen sollte. Der deutsche „Arbeitskreis für Entwicklungshilfe“ griff diesen Ansatz noch im selben Jahr auf und etablierte damit ein zentrales katholisches Beratungsgremium, das 2017 sein rundes Jubiläum feiert. Eine Briefmarke würdigt am 12. Oktober 2017 „50 Jahre Justitia et Pax“.

Allein für 2017 hat die Kommission „Justitia et Pax“ sieben sogenannte „Zwischenrufe“ beschlossen, in denen sie aktuelle Themen erörtert wie beispielsweise die Flüchtlingspolitik und den Rechtspopulismus. In regelmäßigen Pressemitteilungen setzen sich die Autoren zudem mit allgemein drängenden Problemen auseinander. Ganz aktuell steht die Bedrohung durch Rüstungsexporte und nukleare Waffensysteme im Vordergrund. Die massive Steigerung der Kleinwaffenexporte 2016 und die Genehmigung dieser todbringenden Ausfuhren durch die Bundesregierung werden dabei aufs Schärfste kritisiert. Auch die Auslieferungen von deutschen Panzern an die Monarchien Saudi-Arabien und Katar werden als Bedrohung der ohnehin schon unsicheren politischen Lage im Nahen Osten bewertet. Deutschlands Exportpolitik erweise sich als „Brandbeschleuniger“, so die Einschätzung des kirchlichen Gremiums. Die zweite Bedrohung ist angesichts der fortschreitenden Eskalation um Nord-Korea ebenso präsent. Während eingeräumt wird, dass man in den Jahren des Kalten Krieges die nukleare Abschreckung unter Vorbehalt für moralisch verantwortbar erachtet hatte – die Mitteilung benutzt die schöne Formulierung „Notstandsethik“, stellt der Vorsitzende der deutschen Kommission, Bischof Dr. Stephan Ackermann, klar, dass die seit dem Ende des Ost-West-Konflikts eingeleitete nukleare Abrüstung zwar eine Reduktion der Zahl der Atomwaffen geführt habe, diese aber immer größere Zerstörungskraft besäßen. Dieser Entwicklung gelte es sich entgegenzustellen. Ziel sei, die Gewöhnung der Weltöffentlichkeit an die allgegenwärtige nukleare Bedrohung kritisch zu hinterfragen und durch eine klare Absage dieser Massenvernichtungswaffen zu durchbrechen. Denn die moralische Verantwortbarkeit sei nur gegeben, wenn sie unter dem Primat der letztendlichen Abschaffung stünde.

Auch nach 50 Jahren Öffentlichkeitsarbeit räumt „Justitia et Pax“ ein, dass für ihre Anliegen ein langer demokratischer Atem vonnöten sei. Die Briefmarke vom 12. Oktober trägt zumindest dazu bei, dass die Arbeit der Kommission vielleicht ein wenig mehr Beachtung in der demokratischen Öffentlichkeit findet.

 

 

 

Briefmarken November 2017

 

 Briefmarkenserie "Wildes Deutschland" Mecklenburgische Seenplatte

 Briefmarkenserie "Wildes Deutschland" Rheinhardswald

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02. November 2017: Briefmarkenserie "Wildes Deutschland": Mecklenburgische Seenplatte & Rheinhardswald in Hessen



Im Durchschnitt verliert die Natur in Deutschland täglich die Fläche von rund 100 Fußballfeldern. So viel Fläche „verbraucht“ unsere konsumorientierte Lebensweise für gewerbliche Investitionen, Verkehrsinfrastruktur und Wohnraum. Interessanterweise liegt der Flächenverbrauch für Verkehrswege pro Einwohner wegen des exzessiven Individualverkehrs fünfmal so hoch wie beim Wohnen. Wenn den Menschen schließlich am Wochenende die Decke auf den Kopf fällt, setzen sie sich in ihre hochmotorisierten Sport-Utility-Vehicles und fahren hinaus in die Natur, weitab jeglicher Zivilisation, damit sich der Vierradantrieb auch lohnt. Denn Umfragen zufolge mag die Mehrheit der Bundesbürger die Natur wild und unberührt. Zwei Tipps, wohin einen die Reise führen kann, geben die neuen Briefmarken der Serie „Wildes Deutschland“ vom 2. November 2017.

Die erste Briefmarke im Wert von 70 Cent zeigt ein Panorama der Mecklenburgischen Seenplatte. Diese einmalige Landschaft wurde von der letzten Eiszeit geprägt. Über 1000 Gewässer beherbergen unzählige Arten von Pflanzen und Tieren, und an den Ufern der fischreichen Seen siedelten schon vor Jahrtausenden die Menschen. Heute ist die Region ein touristischer Anziehungspunkt, denn die Mecklenburgische Seenplatte ist abgesehen von ihrer idyllischen Schönheit auch das größte vernetzte Wassersportrevier Europas. Der Nationalpark rund um die Müritz ist sogar zum UNESCO-Naturerbe ernannt worden.

Die zweite Briefmarke, die mit 90 Cent für den internationalen Briefverkehr geeignet ist, zeigt einen der uralten Bäume des hessischen Reinhardswaldes. Das abgebildete Exemplar steht seit fast 1000 Jahren im sogenannten Urwald der Sababurg, jener als „Dornröschenschloss“ beworbenen Höhenburg. Der Sage nach soll ein zum Tode verurteilter Graf namens Reinhard den Wald geschaffen haben, als er mit einer List sein Leben rettete. Ihm war nämlich der Wunsch gewährt worden, „noch einmal zu säen und zu ernten“. Also säte der listige Graf Eicheln und verstarb lange vor der Ernte eines natürlichen Todes. Der Reinhardswald beherbergt noch zahlreiche weitere Legenden und gilt als Heimat vieler der von den Brüdern Grimm aufgezeichneten Märchen.Damit die unberührten Landschaften des „Wilden Deutschlands“ nicht selbst zu Legenden aus der fernen Vergangenheit werden, bleibt zu hoffen, dass der Mensch seinen Landhunger möglichst bald zu zügeln lernt. Ansonsten erinnern eines Tages nur noch Bilder – und die Briefmarken vom 2. November 2017 – an die wunderschönen Landschaften Deutschlands

 

 

 

 

 Briefmarke Weihnachtliche Kapelle

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02. November 2017: Weihnachtliche Kapelle



Die Weihnachtsmarken des Jahres erscheinen am 2. November 2017. Eine trägt den Titel „Weihnachtliche Kapelle“. Das Motiv zeigt die kleine Kapelle „Maria Rast“ auf den Buckelwiesen zwischen Mittenwald und Krün. Inmitten der schneebedeckten Landschaft scheint der kleine Kirchenbau mit seiner feierlichen Beleuchtung in der Abenddämmerung auf. Da die Kapelle tatsächlich über eine derartige Außenbeleuchtung verfügt, können sich die Wanderer auf diesen Anblick auch abseits der Briefmarke freuen – wenn es denn ausreichend schneit. Errichtet wurde „Maria Rast“ erst vor wenigen Jahren. 1990 hatten sich Gläubige der Gemeinde von Krün zusammengefunden und den Bau einer Wegkapelle beschlossen. 1998 wurde das ehrgeizige Projekt abgeschlossen. Seit 2013 führt sogar ein eigener Kreuzweg zu der hübschen Kapelle mit ihrem Türmchen. Ein Pilger aus dem österreichischen Osttirol war damals durch die Region gewandert und hatte zufällig „Maria Rast“ passiert. Hingerissen von der Schönheit der Landschaft und der darin ruhenden Kapelle schenkte er der Gemeinde einen eigenen Kreuzweg mit 15 handgeschnitzten Lärchenholztafeln. Der Spender tat dies nicht zum ersten Mal. Er hat bereits mehrere solche Kreuzwege als Zeichen seines tiefen Glaubens errichtet, auch auf anderen Kontinenten. Der Weg führt vom Friedhof an der Krüner Reiterspitzstraße bis hinauf auf die Wiesen. Er wird bedauerlicherweise von der Bundesstraße 2 gekreuzt. Auf den Buckelwiesen kann der Besucher aber den herrlichen Ausblick genießen und auf einer der Bänke vor der Kapelle rasten.

Die Sitte, kleine Gebetshäuser in der Natur zu errichten, ist bereits sehr alt und wird im katholischen Süden Deutschlands nach wie vor liebevoll gepflegt. Einst waren Wegkapellen oft Zeichen eines spirituellen Erlebnisses, wie etwa der Errettung aus einer körperlichen oder seelischen Notlage. Daher sind viele dieser aus Dankbarkeit errichteten Gebetshäuser privat finanziert. Vielerorts zeugen sie aber auch einfach von der Demut der Gläubigen vor der überwältigenden Größe und Schönheit der Schöpfung – einer für die Natur bedauerlicherweise selten gewordenen Haltung des modernen Menschen. Der Begriff Kapelle stammt aus den frühen Tagen der abendländischen Kirche. Er leitet sich von der „cappa“ ab, dem Mantel des Heiligen Martin, den dieser mit dem Bettler geteilt haben soll. Diese von den fränkischen Merowingern angebetete Reliquie wurde in einem „capella“ genannten Raum aufbewahrt. Seither hat sich die Bezeichnung Kapelle allgemein für abgeschlossene Gebetsräume durchgesetzt, unabhängig davon, ob sie von einem Kirchenschiff abzweigen oder auf freiem Feld stehen. Die Briefmarke „Weihnachtliche Kapelle“ vom 2. November 2017 legt nahe, aus der schönen Idee eine Motivserie zu entwickeln.

 

 

 

 

 Briefmarke 200. Geburtstag von Theodor Mommsen

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02. November 2017: 200. Geburtstag von Theodor Mommsen



Die neue Sonderbriefmarke vom 2. November 2017 ehrt nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler, sondern auch einen bedeutenden Literaten. Theodor Mommsen ist der Nachwelt zwar vor allem als brillanter Historiker bekannt, gleichzeitig war der Gelehrte der erste Deutsche, der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Mommsens sprachliche Präzision und sein unnachahmlicher Stil ermöglichten diesen interdisziplinären Brückenschlag. Der 1817 im nordfriesischen Garding geborene Mommsen entstammte einer Pfarrersfamilie. Seine Kindheit war von den ärmlichen Verhältnissen der Familie geprägt, dennoch ermöglichte sein Vater ihm den Besuch eines altsprachlichen Gymnasiums. Es folgte ein Studium der Rechtswissenschaften, doch bald nach seiner Promotion durchlief er einen prägenden Gesinnungswandel. Die antike Geschichte hatte den jungen Mann in ihren Bann geschlagen und sollte ihn nie mehr loslassen. Obwohl sich Mommsen seinen Unterhalt anfangs als Lehrer verdienen musste, verfolgte er zielstrebig seine Studien. Ein Stipendium ermöglichte ihm erste Auslandsreisen. Nach dem Erlangen einer außerordentlichen Professur in Jura an der Universität Leipzig konnte er sich nun mit einer gewissen finanziellen Sicherheit seiner historischen Leidenschaft widmen. Doch seine politische Haltung machte ihm vorerst einen Strich durch die Rechnung.

Der liberal eingestellte Mommsen hatte sich publizistisch im sächsischen Maiaufstand von 1849 engagiert und wurde dafür verurteilt und des Hochschuldienstes verwiesen. Theodor Mommsen ging ins Schweizer Exil und lehrte für eine Weile in Zürich Römisches Recht. Doch seine zahlreichen Schriften zur Altertumswissenschaft hatten bereits Früchte getragen. Insbesondere die zwischen 1854 und 1856 verfasste „Römische Geschichte“ galt damals als Meisterwerk der modernen Geschichtsschreibung. Ihre nicht nur wissenschaftliche, sondern auch sprachliche Qualität bescherte ihm 1902 schließlich den Literaturnobelpreis. Mommsens Expertise als Historiker ermöglichte ihm nach nur wenigen Jahren die Rückkehr nach Deutschland. 1858 folgte der Ruf nach Berlin, wo er zuerst an der Preußischen Akademie der Wissenschaften und ab 1861 an der Friedrich-Wilhelms-Universität lehrte und forschte. Zahlreiche Universitäten und wissenschaftliche Vereinigungen warben um Mommsen, und der Jurist aus bescheidenen Verhältnissen wurde zu einem international anerkannten Gelehrten. Ab 1863 wandte sich Theodor Mommsen erneut der Politik zu und saß bis 1884 mehrere Legislaturperioden im deutschen Reichstag. Der liberale Historiker setzte sich für eine Reform der Bildungs- und Sozialpolitik ein und geriet darüber in den 1880er-Jahren mit Otto von Bismarck in Konflikt. Auch gegenüber seinem konservativen Historikerkollegen Heinrich von Treitschke bezog Mommsen entschieden Position. Der hatte verschiedentlich antisemitische Standpunkte vertreten und mit seinen Ressentiments eine rassistische Polemik befeuert, die gesellschaftlich breite Kreise zog. Mommsen verurteilte Treitschkes Haltung als „abscheulich“ und ließ sich auf einen langwierigen, in der Öffentlichkeit ausgetragenen Schlagabtausch ein, der zwar eine nachhaltige Sensibilisierung gegenüber antisemitischen Tendenzen bewirkte, schlussendlich aber die verhängnisvolle Popularisierung des Antisemitismus in Deutschland nicht verhindern konnte. Mommsen verstarb am 1. November 1903 in seiner neuen Heimat Berlin. Die Briefmarke vom 2. November 2017 erinnert an den 200. Geburtstag Theodor Mommsens.

 

 

 

 

 Weihnachtsbriefmarke 2017

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02. November 2017: Weihnachtsmarke 2017



Gerade für Freunde der Kunstgeschichte sind die Briefmarken der Weihnachtszeit immer wieder eine spannende Angelegenheit. Stets bemühen sich die Verantwortlichen, besonders eindrucksvolle Zeugnisse des Glaubens ins Markenbild zu heben, und manchmal präsentieren sie fast vergessene Kleinodien. Die Briefmarke „Weihnachten 2017“ vom 2. November 2017 zeigt ein eher prominentes Werk, nämlich die Mitteltafel des Altars der Stadtpatrone im Kölner Dom. Die Arbeit stammt höchstwahrscheinlich aus der Werkstatt Stefan Lochners, eines prominenten Kölner Malers der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Wie bei vielen Künstlern dieser Zeit ist der Großteil seines Werks nicht verbindlich dem Künstler zuzuordnen. Im Falle des Altars gibt es jedoch einen Tagebucheintrag Albrecht Dürers, aus dem hergeleitet werden kann, dass Dürer sich den Altar für ein kleines Trinkgeld hat aufklappen lassen, da er das Gemälde „Maister Steffans“ unbedingt betrachten wollte. Stefan Lochner war damals schon eine Berühmtheit. Er gilt bis heute als herausragender Vertreter der Kölner Malerschule. Der Künstler gelangte zu Lebzeiten nicht nur zu Ruhm, sondern auch zu Wohlstand. Für das Jahr 1447 ist seine Mitgliedschaft im Rat der Stadt belegt. Nur vier Jahre später starb der Maler, als Köln einmal mehr von der Pest heimgesucht wurde.

Das der Briefmarke zugrunde liegende Bild ist nicht nur kunsthistorisch interessant, sondern offenbart auch ein faszinierendes Bild vom Selbstverständnis der Kölner zur damaligen Zeit. Im Gegensatz zu streng an der Bibel orientierten Abbildungen der Heiligen Drei Könige fungiert der Altar eher als Spiegel der wohlhabenden Gesellschaft. Die Gewänder und der Schmuck der reichen Kaufmannsstadt verleihen der Szenerie einen prächtigen Glanz. Von der ärmlichen Krippe in Bethlehem fehlt jede Spur, und die Muttergottes sitzt auf einem reich verzierten Thron. Die beiden Seitenflügel gehen noch stärker ins Detail. Die Jungfrauen der Heiligen Ursula links tragen Kleider „à la mode“, und auf dem rechten Flügel porträtierte Meister Stefan die Mitglieder des Stadtrats als Soldaten Gereons und verewigte sie damit für die Nachwelt.Bis heute ist der Altar in Gebrauch. Während der Adventszeit bleiben die Flügel allerdings geschlossen, sodass die Mitteltafel als Briefmarkenmotiv umso passender erscheint. Im Kölner Dom steht das Triptychon erst seit 1810. Ursprünglich befand sich der Altar der Stadtpatrone in der Ratskapelle, von wo aus er 1794 an einen geheimen Ort fortgeschafft wurde, um ihn vor den französischen Revolutionstruppen zu schützen.

 

 

 

Briefmarken Dezember 2017

 

 Briefmarkenserie "Astrophysik" Gravitationswellen

 Briefmarkenserie "Astrophysik" Gaia-Satellit

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07. Dezember 2017: Briefmarkenserie „Astrophysik“ – Gravitationswellen und Gaia-Satellit



Der Himmel hat schon die alten Sumerer fasziniert, und seit Jahrtausenden erforschen die Menschen die Erscheinungen am Firmament. Neben der klassischen Astronomie, die sich hauptsächlich mit den Positionen der Himmelskörper und deren Bewegung beschäftigt, wird heutzutage das Augenmerk verstärkt auf die Erforschung der physikalischen Grundlagen der Himmelserscheinungen gerichtet. Die zwei Briefmarken vom 7. Dezember 2017 sind nach dieser wissenschaftlichen Disziplin benannt und tragen den Titel „Astrophysik“.

Der erste Wert zu 45 Cent bildet die sogenannte Gaia-Sonde der Europäischen Weltraumorganisation ESA ab. „Gaia“ ist ein Akronym, also eine Abkürzung aus den Anfangsbuchstaben von „Globales Astrometrisches Interferometer für die Astrophysik“. Ziel des europäischen Satelliten ist es, eine möglichst genaue, dreidimensionale Vermessung des Himmels vorzunehmen. Die Zielmarke liegt bei rund einem Prozent aller Sterne der Milchstraße. Da die Sonde über viele Jahre auf einer exakten Umlaufbahn unterwegs ist, kann aus den übermittelten Daten auch die Bewegung der Objekte berechnet werden, denn jeder Stern wird 70-mal erfasst. Bis 2016 lieferte Gaia schon Informationen zu einer Milliarde Sterne. Der daraus erstellte Himmelskatalog soll voraussichtlich 2022 abgeschlossen werden – Kostenpunkt des ganzen Projekts: 740 Millionen Euro. Die Genauigkeit des Messverfahrens stellt in jedem Fall alle bisherigen Projekte zur Vermessung der Welt in den Schatten. Interessanterweise wird aber trotz des Namens gar nicht mithilfe eines optischen Interferometers gemessen. Dieses Verfahren war ursprünglich vorgesehen, dann aber verworfen worden. Der Name des Projektes stand aber damals schon fest.

Die Interferometrie hat aber mit dem zweiten Briefmarkenmotiv vom 7. Dezember 2017 zu tun. Der Wert zu 70 Cent zeigt nämlich eine grafische Darstellung von sogenannten Gravitationswellen. Das sind kurze Störungen in der Raumzeit, wie sie etwa von verschmelzenden schwarzen Löchern ausgelöst werden oder von Pulsaren, also sich schnell drehenden Neutronensternen. Diese in der Theorie bereits von Albert Einstein angenommenen Wellen konnten erst vor wenigen Jahren auch praktisch gemessen werden. Bisherige Versuche mit einer schwingfähigen Testmasse aus Metall waren im Ergebnis recht unsicher. Erst mithilfe der Laser-Interferometrie, also der Messung von überlagernden Wellen, konnten mittlerweile exakte Messungen von Gravitationswellen erfolgen. Das modernste Gerät heißt LIGO – „Laser-Interferometer-Gravitationswellen-Observatorium“ – und befindet sich in den USA. Die verwendete Lasertechnik wurde allerdings in Deutschland entwickelt.

 

 

 

 

 Briefmarkenserie "Design aus Deutschland" Herbert Lindinger: Stadtbahn Stuttgart

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07. Dezember 2017: Briefmarkenserie „Design aus Deutschland“ – Herbert Lindinger: Stadtbahn Stuttgart



Der Stuttgarter öffentliche Nahverkehr setzt traditionell auf die Schiene. Schon 1868 rollten die ersten Straßenbahnen durch die Innenstadt – damals freilich noch mit Pferdeantrieb. Doch bald folgte die Elektrifizierung, und trotz einiger erfolgreicher Versuche mit Oberleitungsbussen, die allerdings durch den Krieg zum Erliegen kamen, fiel die Wahl nach 1945 auf die elektrische Straßenbahn. Dem Zeitgeist folgend begannen die Verkehrsplaner Anfang der 1960er-Jahre, die Bahnlinien unter die Erdoberfläche zu verlagern. Doch anstelle einer U-Bahn machte am Ende das neue Konzept einer leistungsfähigen Stadtbahn das Rennen. Diese ersetzt seit 2007 den Straßenbahnbetrieb. Wesentlicher Unterschied der Stadtbahn zur Straßenbahn ist, dass sich die Spurweite von bisher einem Meter auf die Normalspur von 1435 Millimetern verbreiterte.

Die aktuelle Briefmarke der Serie „Design aus Deutschland“ vom 7. Dezember 2017 zeigt das modernste Triebwagenmodell der Stadtbahn Stuttgart. Seine Bezeichnung „S-DT8.12“ steht für einen Doppeltriebwagen des Stuttgarter Typs mit acht Achsen. Die „12“ am Ende bezeichnet die Serie des Triebwagens. Verantwortlich für das moderne Design war der Hochschulprofessor Herbert Lindinger. Der Experte für Mobilitätskonzepte im öffentlichen Raum ist ein gefragter Fachmann, der auch in anderen deutschen Ballungsräumen versucht, ansprechende Ästhetik, Sicherheit und Barrierefreiheit dergestalt in Einklang zu bringen, dass die Bürger sich mit dem öffentlichen Nahverkehr ihrer Stadt identifizieren. Dabei dürfen natürlich weder Wirtschaftlichkeit noch Nachhaltigkeit aus dem Blick geraten. Im Falle der Stadtbahn Stuttgart kommt hinzu, dass die Triebwagen trotz der Modernisierung mit älteren Modellen des Wagenparks harmonieren müssen. Dabei hilft sicherlich die typisch gelbe Farbe. Der neue Triebwagen besticht durch eine auffällige Front, die es dem Fahrer ermöglicht, endlich auch den Schienenbereich unmittelbar vor dem Fahrzeug zu überblicken. Außerdem ist das Modell ein wenig schwerer und leistungsstärker geworden. Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) ist mit den ersten 40 ausgelieferten Triebwagen sehr zufrieden und hat am 26. September 2017 beschlossen, weitere 20 Exemplare zu bestellen. Der Kostenpunkt liegt bei vier Millionen Euro – pro Stück.

Für Herbert Lindinger ist der Designerfolg für den Stuttgarter Verkehrsbetrieb fast schon Routine. Sein in Hannover ansässiges Unternehmen Lindinger & Partner gestaltet seit mehr als 30 Jahren die Modelle der eigens für Stuttgart entwickelten Fahrzeuge. In seiner Heimatstadt fährt selbstverständlich ebenfalls eine Stadtbahn, die von seinem Stil geprägt ist: der TW 6000. Design aus Deutschland ist übrigens auch im Ausland beliebt, denn von Lindinger gestaltete Bahnen sind auch in verschiedenen europäischen Großstädten unterwegs. Vielleicht erfährt auch die Briefmarke vom 7. Dezember 2017 noch eine Fortsetzung mit einem internationalen Lindinger-Motiv?

 

 

 

 

 Briefmarke 100. Geburtstag von Heinrich Böll

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07. Dezember 2017: 100. Geburtstag von Heinrich Böll



Am 21. Dezember jährt sich der Geburtstag Heinrich Bölls zum 100. Mal. Der große deutsche Schriftsteller wird am 7. Dezember 2017 mit einer Sonder-Briefmarke geehrt. Böll zählt zu den wohl bedeutendsten Autoren Deutschlands und einem der scharfsinnigsten Beobachter der deutschen Nachkriegsgeschichte. Standen seine ersten Werke noch unter dem Eindruck der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, richtete sich sein Blick bald auf die Entwicklungen und Fehlentwicklungen der Bundesrepublik. Spätestens mit seinen Stellungnahmen zum Wüten der RAF und der Berichterstattung der Boulevardpresse wurde Heinrich Böll zu einer öffentlichen Person, wie sie der Literaturbetrieb selten hervorbringt.

Den 1917 geborenen Schreinersohn zog es schon früh zur Literatur. Nach einer abgebrochenen Buchhändlerlehre wollte Heinrich Böll eigentlich Germanistik und Sprachwissenschaften studieren, doch wenige Tage nach Hitlers Angriff auf Polen wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Böll überstand den Krieg bis zu seiner Gefangennahme 1945 als einfacher Soldat. In einigen seiner Kurzgeschichten und dem Roman „Wo warst du, Adam?“ verarbeitete er seine Erlebnisse. 1951 erlebte Böll seinen literarischen Durchbruch, als er im Rahmen der Gruppe 47 um Hans Werner Richter einen Preis gewann, der ihm nicht nur die stolze Summe von 1000 D-Mark einbrachte, sondern darüber hinaus einen Autorenvertrag bei Kiepenheuer & Witsch. In den folgenden Jahren etablierte er sich mit Werken wie dem „Irischen Tagebuch“, „Billard um halbzehn“ und den „Ansichten eines Clowns“ als einer der führenden zeitgenössischen Autoren. Parallel widmete er sich erfolgreich der Satire. Anfang der 1970er-Jahre engagierte sich Böll im PEN-Club, während sein Roman „Gruppenbild mit Dame“ sein Ansehen auch über die Grenzen Deutschlands hinweg hob. Die Verleihung des Literaturnobelpreises 1972 soll nicht zuletzt wegen dieser Arbeit erfolgt sein.

Doch zeitgleich löste ein Artikel Heinrich Bölls in der Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ einen der größten deutschen Medienskandale aus. Böll hatte einen Beitrag über die Radikalisierung der RAF-Terroristin Ulrike Meinhoff verfasst und darin die Bildzeitung des Springerverlags heftig kritisiert. „Verhetzung, Lüge, Dreck“, gar „nackter Faschismus“ sei das, was die Boulevardzeitung mit ihren Vorverurteilungen betreibe. Die Bild reagierte prompt, und binnen kürzester Zeit sah sich Böll einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt und zum „Terroristen-Freund“ abgestempelt. Seine Ächtung in konservativen Kreisen konterte er, indem er beispielsweise die Zusammenarbeit mit dem ZDF und dem Goethe-Institut aufkündigte. Stattdessen veröffentlichte Heinrich Böll 1974 „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, eine bitterböse Abrechnung mit den Eskalationsmethoden der Bild-Zeitung, die in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Böll blieb auch später politisch aktiv und setzte sich für die Aufnahme von Flüchtlingen und gegen die NATO-Aufrüstung in Deutschland ein. Am 16. Juli 1985 starb Heinrich Böll in seinem Wohnhaus in Langenbroich. Zu seinem 100. Geburtstag erinnert die Briefmarke vom 7. Dezember 2017 daran, dass der sich einmischende Schriftsteller immer und zu jeder Zeit gebraucht wird, selbst wenn er sich durch sein Handeln viele Feinde schafft. Ein Gewissen gibt es eben nicht umsonst.