Briefmarken 2019 – aktuelle Briefmarken

Ein Ausblick auf die Briefmarken 2019: Sondermarken, Zuschlagsmarken und beliebte Serien

Das Sonderpostwertzeichenprogramm für das Jahr 2019 steht fest und es können, wie gewohnt Briefmarken aus einem weiten Themenfeld erwartet werden. Sammler sowie Nicht-Sammler können sich auf die Fortführung beliebter Briefmarken-Serien, wie die „Leuchttürme“, aber auch auf neue Serien, wie die „Kleinen Helden der Kindheit“ freuen. Es werden wieder tollen wohltätigen Einrichtungen Briefmarken gewidmet und auch bedeutende Jubiläen, wie das 100-jährige Bestehen der Volkshochschule, werden selbstverständlich wieder mit Sonderpostwertzeichen gewürdigt.

Vorschau auf die Sonderbriefmarken 2019

Das Sondermarkenprogramm 2019 steht im Zeichen bedeutender geschichtlicher Ereignisse und großer Frauen. Vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919, war es Frauen zum ersten Mal erlaubt, wählen zu gehen oder selbst gewählt zu werden. Diesem ersten wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen wird 2019 eine besondere Briefmarke gewidmet – „100 Jahre Frauenwahlrecht“. Das Jahr 1919 war aber nicht nur die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts, sondern auch das Geburtsjahr von zwei bedeutenden Frauen der Politik – Annemarie Renger und Hannelore „Loki“ Schmidt. Des Weiteren werden die „Weimarer Reichsverfassung“ als erste demokratische Verfassung und die erste Mondlandung als bedeutende Ereignisse der Geschichte mit einer Briefmarke gewürdigt.

Zuschlagsmarken mit Olympiamomenten und Fledermäusen

Zuschlagsmarken, oder auch Plusmarken dienen zur Unterstützung verschiedener wohltätiger Einrichtungen. Auch in diesem Jahr werden mit Motiven aus Grimms Märchen und der Olympiageschichte, neben der Wohlfahrt und der Jugend, auch der „Stiftung für Philatelie und Postgeschichte“ Zuschlagsmarken gewidmet. Wie Sie sich vermutlich vorstellen können, hat uns das als Briefmarken Unternehmen sehr gefreut. Erkennen können Sie Zuschlagsmarken übrigens an einem kleinen Plus (+), mit dem der Zuschlag hinter dem normalen Portowert gekennzeichnet ist.

Weiterführung beliebter Briefmarken-Serien der letzten Jahre

Beliebte Serien, wie „Tierkinder“ und „Deutsche Fernseh-Legenden“ werden zur Freude der Philatelisten mit tollen Motiven weitergeführt. Die diesjährige Ausgabe der „Deutschen Fernseh-Legenden“ wird der Musiksendung Beat-Club gewidmet, die als erstes englischsprachige Künstler ausstrahlte und so von 1965 bis 1972 eine ganze Generation prägte. Von den bei Sammlern beliebten Serien „Automobil-Klassiker“ und „Burgen und Schlösser“ müssen wir uns 2019 leider verabschieden, aber mit den Serien „Himmelserscheinungen“ und „Kleine Helden der Kindheit“ hat der Programmbeirat würdige Nachfolger gefunden, denen sogar je zwei Postwertzeichen gewidmet werden sollen.

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Die Zeiten des langen Anstehens bei der Post oder anderen Verkaufsstellen und die Enttäuschung, keine der Sondermarken mehr erhalten zu haben, sind vorbei. Verpassen Sie nie wieder einen der Höhepunkte des Sonderpostwertzeichenprogrammes des Bundesministeriums der Finanzen. Bestellen Sie sich Ihre Briefmarken Neuerscheinungen 2019 auf unserer Website www.borek.de bequem nach Zuhause.

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Briefmarken Januar 2019

 

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2. Januar 2019 „Tierkinder: Waschbär“

Kaum ein Tier polarisiert so stark wie der Waschbär. Beobachtet man die Tiere, ist man berührt von ihrem possierlichen Auftreten. Doch wehe, wenn man einen dieser Kleinbären als ungebetenen Untermieter im Dach oder dem Schuppen hat. Schnell entpuppt sich der Einwanderer aus Nordamerika als echte Plage. Die Deutsche Post bezieht mit ihrer neuen Tierkinder-Ausgabe vom 2. Januar 2019 Stellung, indem sie den Waschbären von seiner entzückenden Seite zeigt.

Seit vielen Jahren appellieren die Briefmarken der Serie „Tierkinder“ an die weichherzigsten Instinkte der Postkunden – und die ihrer Kinder. Streng dem Kindchenschema folgend, bezaubern Kulleraugen den Betrachter. So auch bei der aktuellen 90-Cent-Sondermarke mit den zwei Waschbärenkindern, die an einem Ast Klimmzüge üben. Geboren werden die Bärenbabys nach gerade einmal zwei Monaten Tragezeit. In der Regel sucht sich das Weibchen für die Geburt einen geschützten Raum in Form einer Höhle – oder eines Dachbodens. Ein Wurf besteht meistens aus drei ungefähr zehn Zentimeter langen Welpen, die blind und mit einem gelblichen Flaum bedeckt sind. Die nur 65 bis 70 Gramm schweren Babys werden zwei Monate lang gesäugt, bis sie genug Kraft haben, erstmals die Wurfhöhle zu verlassen. Noch weitere zwei bis drei Monate dient die Muttermilch als wertvolle Ergänzung, dann bereiten sich die abgestillten Tierkinder langsam auf die Trennung von der Mutter vor. Im Herbst wird diese dann vollzogen. Die jungen Männchen machen sich auf Wanderschaft, damit sie im nächsten Frühjahr ein Weibchen für die Paarung finden, während die jungen Weibchen häufig in der Nähe ihrer Mutter bleiben. Sie können sich auch langfristig ein Revier teilen. Dann treffen sie sich mitunter an gemeinsamen Schlafplätzen und Futterstellen. Männchen bilden hingegen eigene lockere kleine Gruppen aus, in denen sie bis zum Frühjahr miteinander leben. Dann allerdings wird jeder Waschbär zum Einzelkämpfer. Ausgewachsene Waschbären können, abzüglich des buschigen Schwanzes, bis zu 70 Zentimeter lang und 13 Kilogramm schwer werden. Die meisten Exemplare liegen aber deutlich darunter.

In Europa sind Waschbären Neozoen, also neu eingeführte Lebewesen. Die meisten stammen von geflohenen Tieren aus Pelzfarmen ab, einige wurden absichtlich ausgesetzt. In Hessen etwa erfolgte dies 1934 „zur Bereicherung der heimischen Fauna“ durch den Freiherrn von Berlepsch. Rund um den Edersee vergrößerte sich die Population schlagartig. Heute leidet insbesondere die Stadt Kassel unter einer regelrechten Waschbärenplage. Deutschlandweit wurden die Bestände in den 1950ern auf unter 300 Tiere geschätzt, 1970 waren es bereits 70.000, und heute leben vermutlich eine halbe Millionen Waschbären in der Bundesrepublik.

Durch ihren relativ häufigen Kontakt zu Menschen sind die neugierigen Tiere meist nicht besonders scheu. Dennoch wird dringend abgeraten, die Wildtiere zu füttern oder zu streicheln. Waschbären können Krankheiten übertragen, und da sie nicht domestizierbar sind, besteht stets die Gefahr eines unvermuteten Bisses. Also beschränkt man sich besser darauf, die niedlichen Tierkinder zu betrachten, wenn sie wie auf der Briefmarke vom 2. Januar 2019 herumturnen – und sie dann zu vergrämen.

 

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2. Januar 2019 „Schätze aus deutschen Museen: Caspar David Friedrich – Der einsame Baum“

Am 2. Januar 2019 setzt die Post die beliebte Briefmarkenserie „Schätze aus deutschen Museen“ fort. Für die neue Ausgabe wurde ein Werk des wohl wichtigsten deutschen Vertreters der Romantik ausgewählt. Caspar David Friedrichs „Der einsame Baum“ stammt aus dem Jahre 1822 und ist Teil eines Diptychons und hat das Format 55 x 71 Zentimeter. Das Schwesterbild ist das berühmte Gemälde „Mondaufgang am Meer“

Auf „Der einsame Baum“ ist eine weite Wiesenlandschaft mit kleinen Weihern zu sehen, die sich bis zu den Bergen am Horizont erstreckt. Verborgen in den kleinen Baumgruppen sieht man die Schornsteine einiger Dörfer und Gehöfte rauchen. Zwischen den vom letzten Morgenrot leicht getönten Wolken schimmert ein kleines Stück blauer Himmel. Im Zentrum aber erhebt sich der Baum. Es handelt sich um eine alte Eiche, die, obschon an der Spitze gebrochen und von abgestorbenen Ästen gekrönt, gleichwohl im unteren Bereich des Stammes kräftige grüne Äste trägt. Caspar David Friedrich hat mit dieser Bildkomposition eine Verschmelzung von Diesseits und Jenseits geschaffen. Der Baum verbindet alle Motivebenen, von der sein Spiegelbild reflektierenden Wasserfläche bis zu den Berggipfeln, zwischen denen er seine abgestorbenen Zweige emporreckt. Inmitten dieser kann man unschwer ein Kreuz erkennen, das wiederum kompositorisch in der Landschaft von einer von Menschenhand errichteten Kirche aufgegriffen wird. Im Gegenzug zum Glockenturm ist die Eiche aber Gottes Werk.

Die Kunstgeschichte hat versucht, die Entstehung des Werks nachzuvollziehen und Bilddetails zu verorten. Es gibt Hinweise auf die mecklenburgische Landschaft bei Breesen, wo Friedrichs Schwester eine Weile gewohnt hatte. Die Höhenzüge im Hintergrund der Landschaft lassen sich auf verschiedenen Skizzen und Zeichnungen entdecken, und die Eiche selbst hielt bereits 1806 Einzug in das Werk des Malers, damals freilich noch als Zeichnung mit dem Titel „Eichenbaum mit Storchennest“. Aber selbst der einzelne Baum links und die Gruppe rechts bannte der Künstler schon vorher auf Papier. Ihre besondere Form muss ihm derart gefallen haben, dass er sie in das Ölgemälde übernahm. Das der Briefmarke vom 2. Januar 2019 zugrundeliegende Original befindet sich in der Berliner Nationalgalerie.

 

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2. Januar 2019 „100 Jahre Frauenwahlrecht“

Mehr als 17 Millionen Frauen drängten am 19. Januar 1919 an die Wahlurnen. Die neue Verfassung der Weimarer Republik hatte ihnen erstmals in der deutschen Geschichte das Wahlrecht zugestanden, und 80 Prozent der somit wahlberechtigten Frauen machten davon Gebrauch und beteiligten sich an den Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung. Die aktuelle Sondermarke „100 Jahre Frauenwahlrecht“ vom 2. Januar 2019 gratuliert.

Der Weg bis zu dieser entscheidenden gesellschaftlichen Veränderung in Deutschland war lang. Schon seit Ende des 18. Jahrhunderts waren immer wieder mutige Frauen mit der Forderung an die Öffentlichkeit getreten, Frauen dieselben politischen Rechte einzuräumen. Das war revolutionär. Denn die Frau wurde damals oft noch nicht einmal als unabhängige Rechtsperson wahrgenommen. Sie war zuerst Mündel ihres Vaters, dann ihres Ehemanns. Im Falle einer Trennung besaß sie noch nicht einmal Rechte am gemeinsamen Eigentum. Mit der Forderung nach Gleichberechtigung rührten die Vorkämpferinnen an den Fundamenten der patriarchalischen Gesellschaft, die von den Männern häufig als ganz natürlich und gottgegeben dargestellt wurde. Als sich im Laufe des 19. Jahrhunderts Frauen in intellektuellen Zirkeln organisierten, wurden sie als „unweiblich“ verspottet. Doch die Idee war nicht mehr zurückzudrängen. In Großbritannien nahm die Debatte an Heftigkeit zu, und an der Schwelle des 20. Jahrhunderts sorgten die „Suffragetten“ für handfeste Auseinandersetzungen – nicht nur auf theoretischer Ebene. Die streitbaren Kämpferinnen um Emmeline Pankhurst beschränkten sich nicht auf passiven Widerstand oder öffentliches Rauchen, was damals ein Vorrecht der Männer war. Es gab eingeworfene Schaufenster, Bombenanschläge, Massenprügeleien und politisch motivierte Selbstopferungen. Die militante Frauenrechtlerin Emily Davison war im Gefängnis nach einem Hungerstreik zwangsernährt worden, hatte aus Protest einen Suizidversuch unternommen und warf sich 1913 schließlich beim großen Epsom-Derby vor das Rennpferd des Königs. Sie starb an den tödlichen Verletzungen.

Auch in Deutschland brodelte es. Der „Allgemeine Deutsche Frauenverein“ setzte sich für verbesserte Bildungschancen ein und forderte die „freie Entfaltung der weiblichen Arbeit“ – jenseits der wenigen für Bürgerfrauen akzeptierten Betätigungen als Gouvernante, Lehrerin oder Hauswirtschafterin. In Hamburg hatte sich der „Deutsche Verband für Frauenstimmrecht“ gebildet, der in seiner Satzung „das allgemeine, gleiche, geheime und direkte, aktive und passive Wahlrecht für beide Geschlechter zu den Gesetzgebenden Körperschaften und den Organen der Selbstverwaltung“ einforderte. Unterdessen kämpften auch in der sozialistischen Arbeiterbewegung Frauen gegen ihre Rechtlosigkeit. Alle diese Forderungen verschwanden im Zuge des Krieges ab 1914 vorerst aus der öffentlichen Wahrnehmung. Doch in der existenziellen Krise kehrten sich die Verhältnisse wie von selbst gänzlich um. Je mehr Männer an der Front verbluteten oder verstümmelt wurden, desto größer war die Rolle der Frauen im Alltagsleben. Nicht nur in den Fabriken ersetzten sie die fehlenden Arbeitskräfte, auch im Postdienst, im Öffentlichen Nahverkehr und erstmals in leitenden administrativen Positionen hielten Frauen die öffentliche Ordnung aufrecht. Der Rat der Volksbeauftragten, der nach der Novemberrevolution um eine gesellschaftliche Neuordnung bemüht war, konnte sich dieser Realität nicht verschließen. Das Wahlrecht wurde nun erstmals „für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen“ festgelegt. Zwar ist der Kampf um Gleichberechtigung auch im 21. Jahrhundert noch längst nicht ausgefochten, vor 100 Jahren wurde mit dem Frauenwahlrecht aber eine wichtige Hürde genommen.

 

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2. Januar 2019 „Der Schweinswal – gefährdete deutsche Walart“

Am 2. Januar 2019 greift die Post ein aktuelles Thema auf. Auf einer Briefmarke zu 45 Cent zeigt sie die einzige deutsche Walart: den gefährdeten Schweinswal. Aktuell ist das Thema Wale deshalb, weil Ende 2018 erneut Streit über Schutz und Jagd von Walen entbrannt ist. Während die traditionellen Walfangnationen wie Norwegen, Island und Japan nach wie vor auf eine Lockerung der Schutzauflagen drängen, sehen Umweltschützer das Überleben der Meeressäuger schon abseits des Walfangs derart bedroht, dass sie für die noch existierenden Bestände einen absoluten Fangstopp fordern. Brisant ist, dass mittlerweile manche Karibik- und Südseestaaten, für die der Walfang noch nie eine Rolle gespielt hat, für die Lockerung des Schutzes eintreten. Ihnen hat Japan Entwicklungshilfe versprochen, falls sie in den Konferenzen der internationalen Walkommission im Sinne des Walfangs stimmen.

In Deutschland spielte der Walfang einst eine wichtige Rolle. Die Fangflotten drangen regelmäßig bis in die Arktis vor. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Nachfrage nach Walfett besonders stark. Als die skandinavischen Walfangnationen 1935 die Preise für Walprodukte deutlich erhöhten, baute Deutschland binnen weniger Jahre eine gewaltige Fangflotte auf. Sie war die drittgrößte der Welt und erlegte knapp 20.000 Wale in nur drei Jahren. Nach dem Krieg gab es keinen Walfang unter deutscher Flagge mehr. Die Kapitäne und ihre Besatzungen arbeiteten allerdings unter fremder Flagge weiter.

Die einzige in deutschen Gewässern vorkommende Walart ist der Schweinswal. Er ist mit einer Länge von unter zwei Metern der kleinste Zahnwal. Früher trug er auch die Namen „kleiner Tümmler“, oder „Meerschwein“. Letztere Bezeichnung stammt vermutlich von Beobachtungen der Wale beim Durchwühlen des Meeresgrundes nach Würmern, Schnecken und Krebstieren. Eigentlich bevorzugen sie aber Fisch. Ihre bevorzugten Jagdgründe liegen in Küstennähe. Wassertiefen bis zu 20 Metern sind ihr normales Revier. Gelegentlich sind sie aber im Herbst auch auf hoher See zu finden. Obwohl der Schweinswal in allen europäischen Ländern unter Schutz steht, gehen seine Bestände kontinuierlich zurück. Viele Wale verenden als Beifang in den Fischernetzen oder nachdem sie verletzt wieder ins Meer gesetzt wurden. Doch die größte Gefahr für den Schweinswal ist unsichtbar. Alljährlich gelangen unzählige Tonnen von Umweltgiften aus Industrie und Landwirtschaft in die Meere. Gerade die Ostsee verzeichnet hohe Konzentrationen in den Mündungsbereichen der großen Flüsse. Während Schwermetalle sich in den Organen der Wale anreichern und sie gegenüber Krankheitserregern schwächt, führen manche Chlorverbindungen zu Sterilität. Ein weiterer Faktor ist die Verlärmung der Meere. Schiffsverkehr, Munitionssprengungen, der Bau von Offshorewindanlagen und die Suche nach Bodenschätzen auf dem Meeresgrund sorgen für einen steigenden Lärmpegel, der die Tiere nicht nur verwirren, sondern sogar töten kann. Verlieren Wale ihr Gehör, sinken ihre Überlebenschancen massiv, da sie sich mithilfe von Schallwellen orientieren. Es steht zu befürchten, dass der Schweinswal bald aus deutschen Gewässern verschwunden sein wird. Daran wird die Briefmarke vom 2. Januar 2019 vermutlich nichts ändern.

 

Briefmarken Februar 2019

 

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7. Februar 2019 „150. Geburtstag Else Lasker-Schüler“

Elisabeth Schüler stammte aus gutbürgerlichen Verhältnissen, doch war ihr die geordnete Welt ihrer Eltern schon früh zu klein. Das hochbegabte Kind, das schon mit vier Jahren lesen und schreiben konnte, hielt es auch in der Schule nicht lange aus und bekam stattdessen zu Hause Privatunterricht. Ehe, Beruf oder das Ankommen in geregelten Verhältnissen – diese Elemente eines erwachsenen Lebens besaßen für die Autorin und Dichterin Else Lasker-Schüler keinen Wert. Nichts hatte Bestand vor ihrer ungezügelten Emotionalität. Das machte sie für viele Zeitgenossen schwer erträglich, doch gleichzeitig verlieh ihr Wesen ihrem Werk eine schillernde Brillanz, eine Vielschichtigkeit und Tiefe, die ihre Leser hinriss. Heute gilt Else Lasker-Schüler als eine der bedeutendsten Expressionistinnen der Literaturgeschichte. Die Briefmarke vom 7. Februar 2019 erscheint zu ihrem 150. Geburtstag.

Ihren Doppelnamen verdankte die Dichterin dem Arzt Bertold Lasker, den sie 1894 geheiratet hatte. Lasker teilte ihre Leidenschaft für die Literatur. Er verfasste selbst zusammen mit seinem Bruder ein Theaterstück – mit Emanuel Lasker, der viele Jahre lang als Schachweltmeister zu Berühmtheit gelangte. Doch die Ehe mit Bertold Lasker verlief nicht glücklich. Der kühle Denker vermochte Elses Leben nicht zu erfüllen, und nachdem sie von einem Seitensprung ein Kind bekam, wurde die Ehe bald geschieden. Nur wenig später ehelichte die durch ihre ersten Veröffentlichungen etwas bekannter gewordene Dichterin den Künstler und Verleger Georg Lewin. Lewin ist der Nachwelt unter seinem Pseudonym Herwarth Walden in Erinnerung geblieben – eine Namensschöpfung Lasker-Schülers. Durch Walden lernte Else Lasker-Schüler die bedeutendsten Literaten ihrer Zeit kennen. Im „Verein für Kunst“ waren die Manns, Rilke, Döblin und Wedekind vertreten, und in Waldens Zeitschrift „Der Sturm“ schrieben die größten Expressionisten Europas. Else Lasker-Schüler veröffentlichte in dieser Zeit ihr erstes Prosawerk, „Das Peter Hille-Buch“, eine Geschichtensammlung, ihr Drama „Die Wupper“ und schließlich den Gedichtband „Meine Wunder“, mit dem sie es selbst an die Spitze der expressionistischen Dichtung schaffte. Die Ehe mit Walden hielt indes auch nicht, und nach deren Scheidung war die Lyrikerin häufig auf die finanzielle Unterstützung ihrer Freunde angewiesen. Karl Kraus und Franz Marc zählten zu ihren engsten Vertrauten. Mit dem Dichter Gottfried Benn verband sie zeitweilig auch eine Liebesbeziehung. Ihm sind viele Gedichte gewidmet.

Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sah sich Else Lasker-Schüler wegen ihrer jüdischen Abstammung den Anfeindungen des Regimes ausgesetzt. Sie floh in die Schweiz, wo ihr aber die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung verweigert wurde. Auch hatten die Schweizer Behörden ihr Arbeitsverbot erteilt. Als ihr 1938 auch noch die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, war sie staatenlos. Else Lasker-Schüler besuchte von Zürich aus wiederholt Palästina und kehrte 1939 nicht mehr nach Europa zurück. Über das Leben in Jerusalem äußerte sie sich enttäuscht, und mit ihrem Engagement für die Aussöhnung zwischen Juden und Arabern stieß sie mitunter auf Unverständnis. Nach schwerer Krankheit erlag Lasker-Schüler am 22. Januar 1945 in Jerusalem einem Herzanfall.

 

 

 Das tapfere Schneiderlein

 Das tapfere Schneiderlein

 Das tapfere Schneiderlein

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7. Februar 2019 „Grimms Märchen: Das tapfere Schneiderlein“

Wenn es eine Konstante in den Briefmarkenausgaben der letzten 70 Jahre Bundesrepublik – und auch der 40 Jahre DDR-Philatelie – gibt, dann ist es das regelmäßige Aufscheinen von Motiven aus den Hausmärchen der Brüder Grimm. Am 7. Februar 2019 widmen sich drei neue Wohlfahrtsmarken einer besonders pfiffigen Figur des Grimmschen Märchenschatzes: dem tapferen Schneiderlein.

Die überlieferte Geschichte gleicht einem Schwank. Der Held ist mehr Schelm als strahlender Ritter. Gleichwohl zeichnet sich das Schneiderlein in der Tat durch seinen Mut aus. Ob sich dieser aus Wesensgröße oder vielleicht doch eher aus Großspurigkeit nährt, bleibt dahingestellt. Eigentlich möchte der Handwerker nur sein Marmeladenbrot genießen. Doch als ihn die Fliegen allzu sehr stören, langt er einmal kräftig zu und erwischt zur eigenen Überraschung gleich sieben der lästigen Tiere auf einen Schlag. Stolz über diese Leistung, beschließt das Schneiderlein, diese Tat künftig als Leitspruch auf dem Wams zu tragen, damit alle Welt davon erführe. „Sieben auf einen Streich“ wird aber vom König falsch verstanden. Der hält das Schneiderlein für einen großen Kriegshelden und schickt ihn kurzerhand auf eine wahnwitzige Mission. Er soll zwei fürchterliche Riesen erschlagen. Im Gegenzug bietet der König ihm die Hand seiner Tochter und das halbe Königreich als Mitgift – wohl darauf vertrauend, dass der vermeintliche Schlagetot selbst sein Leben verlieren wird. Doch das Schneiderlein denkt nicht daran, seine Kräfte mit den beiden Riesen zu messen, vielmehr – und das bleibt der rote Faden der Geschichte – trickst er die zwei aus, sodass sie sich gegenseitig erschlagen. Der König ist natürlich nicht willens, sein Versprechen zu halten und schickt den Schneider auf eine weitere Mission. Er soll ein Einhorn fangen. Wieder besinnt sich der Held auf seine Taktik, den Gegner an dessen eigener Kraft scheitern zu lassen. Gleich eines Toreros lockt er das Fabeltier zum Angriff und springt im letzten Augenblick hinter einen Baum. Das Einhorn rammt sein gesenktes Horn so tief in den Stamm, dass es sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien kann. Das Schneiderlein kann es nun binden und dem König übergeben. Der versucht noch ein letztes Mal, den ungeliebten künftigen Schwiegersohn in den Tod zu schicken, und setzt ihn auf einen wilden Eber an. Doch der Schneider erweist sich als zu schlau für König und Wildschwein und meistert auch diese Prüfung. Am Ende wartet die Märchenhochzeit. Und der Betrachter stellt sich möglicherweise die Frage: Hat Markengrafiker Michael Kunter mit seinen Zeichnungen – bewusst oder unbewusst – dem beliebten „Meister Nadelöhr“ aus dem DDR-Kinderfernsehen ein kleines Denkmal gesetzt? Die Ähnlichkeit mit Darsteller Eckart Friedrichson ist unverkennbar.

Das Bemerkenswerte an der Figur des tapferen Schneiderleins ist sicherlich, dass es sich durch nichts und niemanden ins Bockshorn jagen lässt. Das braucht es auch nicht, weil es längst begriffen hat, dass man sich durch einen Herausforderer – ob König, Riese oder Fabelwesen – niemals die Spielregeln diktieren lässt. Nur so vermag der Schwache den Starken zu besiegen. Die Briefmarken vom 7. Februar 2019 sind dahingehend vielleicht aktueller als sie auf den ersten Blick scheinen.

 

 

 

 Briefmarkenserie Himmelsereignisse

 

 

 Briefmarkenserie Himmelsereignisse

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7. Februar 2019 „Himmelsereignisse: Luftspiegelung der Sonne und Regenbogenfragment“

Schenkte die Post ihren Kunden vor zwei Monaten noch einen Blick in die Tiefen der Mikrowelten, entführt sie sie am 7. Februar 2019 in himmlische Gefilde. Zwei Briefmarken mit dem Thema „Himmelsereignisse“ zeigen ganz besondere Ansichten der Natur. Verantwortlich dafür zeichnet die Fotografin und Grafikerin Bettina Walter, die vielen noch durch die bezaubernde Fotografie einer weihnachtlichen Kapelle 2017 im Gedächtnis sein dürfte. Die beiden aktuellen Briefmarken zu 70 Cent zeigen ein Regenbogenfragment sowie eine Luftspiegelung.

Einen gewöhnlichen Regenbogen hat jeder schon einmal gesehen. Wann immer Sonnenschein und Regen zusammentreffen, kann man mit etwas Glück diesen in allen Farben schillernden Lichtkranz am Himmel sehen. Hervorgerufen wird das Phänomen durch die Brechung des Sonnenlichts in den einzelnen Wassertropfen. Das gleißende Weiß – die Summe aller Farben – wird in seine Komponenten zerlegt und aufgefächert. Dass sich der Regenbogen als Bogen zeigt und nicht als der Kreis, der er eigentlich ist, liegt in der Regel am Standpunkt des Betrachters. Aus dem Flugzeug heraus lassen sich sogar Vollkreisregenbogen beobachten. Die Fotografie auf der Briefmarke zeigt eine ähnlich seltene Erscheinung: ein Regenbogenfragment. Dieses entsteht, wenn sich Luftschichten unterschiedlicher Temperatur aufeinanderlegen. Erfahrene Alpinisten können an dem farbenfrohen Schauspiel sogar ablesen, ob beispielsweise Eisregen droht – und dann schnell die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Eine Luftspiegelung der Sonne ist sehr viel häufiger zu entdecken, wenn auch nicht in der ausgeprägten Form wie auf dem zweiten Bild von Bettina Wagner. Voraussetzung dafür ist, dass die Luft unmittelbar über dem Boden wärmer ist als auf Augenhöhe des Betrachters. Dadurch wird das Licht reflektiert. Mitunter gaukeln einem diese Spiegelungen glitzernde Wasserflächen vor, ein verlockendes Trugbild, das in der Wüste auch als Fata Morgana bekannt ist. Dort geschieht es, dass die Grenze der Luftschichten in großer Höhe liegt. Die gespiegelten Bilder werden also direkt in den Himmel projiziert. Der volkstümliche Begriff geht auf die mittelalterliche Artus-Geschichte zurück, die einst in ganz Europa bekannt war. Einst soll in der Meerenge von Messina eine schwebende Insel zu sehen gewesen sein. Für die abergläubischen Menschen musste es sich unweigerlich um die sagenumwobene Insel Avalon, Heimat der Fee Morgana, gehandelt haben.

So viel Zauberei benötigen die beiden Briefmarken vom 7. Februar 2019 zum Glück nicht. Sie wirken allein aus der natürlichen Schönheit des Motivs heraus. Vielleicht erinnern die beiden Werte daran, dass man mit wachem Blick durch die Welt gehen sollte, will man nicht das Beste verpassen. Denn die wirklichen Wunder finden sich abseits von Bildschirmen und Displays.

 

Briefmarken März 2019

 

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1. März 2019 „100. Geburtstag Hannelore "Loki" Schmidt“

Ein Sprichwort besagt, hinter jedem großen Mann stünde eine große Frau. Dabei wird vergessen, dass die großen Frauen manchmal auch neben oder gar vor ihren Männern stehen. Im Falle der am 1. März 2019 zu ihrem 100. Geburtstag mit einer Briefmarke geehrten Hannelore Schmidt, genannt „Loki“, mag alles ein bisschen gestimmt haben. Es gab Zeiten, in denen waren die Scheinwerfer hell auf ihren Ehemann, Bundeskanzler Helmut Schmidt, gerichtet. Das war aber nicht immer so.

Hannelore Schmidt wurde 1919 im Hamburger Stadtteil Hammerbrook geboren, wo sie in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs. Daher blieb ihr auch die angestrebte Wissenschaftskarriere verwehrt – vorerst zumindest. Eigentlich wollte sie Biologin werden. Stattdessen arbeitete sie als Volksschullehrerin. Mit dieser Tätigkeit versorgte sie nach dem Krieg für mehrere Jahre ihre Familie, während ihr Mann studierte. Insgesamt blieb sie mehr als 30 Jahre dieser Beschäftigung treu. Erst als die politische Karriere Helmut Schmidts schon weit fortgeschritten war, legte sie ihre Lehrtätigkeit nieder. Als Ehefrau des Bundeskanzlers hatte sie ganz neue Aufgaben zu erfüllen. Doch Loki Schmidt gelang es, mithilfe der sich nun bietenden Möglichkeiten an ihre alte Leidenschaft anzuknüpfen. Sie engagierte sich im Umweltschutz und förderte die Erforschung seltener oder vom Aussterben bedrohter Pflanzen. 1976 gründete sie das „Kuratorium zum Schutze gefährdeter Pflanzen“, heute auch bekannt als „Loki-Schmidt-Stiftung“. Auch rief sie einen eigenen Umweltpreis ins Leben, förderte den Botanischen Garten in Hamburg und regte sogar eine Initiative zur gärtnerischen Völkerverständigung mit Israel an. Durch ihre guten Kontakte zur Max-Planck-Gesellschaft wurde Loki Schmidt zu einer rastlosen Forschungsreisenden. Sie folgte wissenschaftlichen Expeditionen – stets auf eigene Kosten – in die Urwälder Südamerikas und Ostasiens und veröffentlichte mehrere wissenschaftliche Arbeiten. Aber auch innerhalb Deutschlands war Loki Schmidt überall dort zu Hause, wo besondere Pflanzen blühten.

Ihr 1997 veröffentlichter Bildband „Die Botanischen Gärten in Deutschland“ galt lange Zeit als die erste vollständige Übersicht über die deutschen Botanischen Gärten. Diese Mühe wurde von der Wissenschaft belohnt: Mehrere neu entdeckte Pflanzen tragen ihren Namen. Hannelore „Loki“ Schmidt verstarb im Herbst 2010 im Alter von 91 Jahren.

 

 

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1. März 2019 „100 Jahre Universität Hamburg“

Man muss schon sehr genau hinschauen, um das Motiv auf der Sondermarke vom 1. März 2019 zu erkennen. Der Titel lautet „100 Jahre Universität Hamburg“, und in der Tat lässt sich nach einigem Blinzeln das Portal des Hauptgebäudes der hanseatischen Hochschule erkennen. Dieser Gebäudekomplex zählt zu den ältesten Teilen der Universität und wurde zwischen 1909 und 1911 errichtet.

Ihre Existenz verdankt die Hochschule vor allem zwei Männern: Werner von Melle und Edmund Siemers. Von Melle war Jurist und diente der Hansestadt zuerst als Senator, später als Erster Bürgermeister. Zeit seines Wirkens hatte er Fragen der Bildung höchste Priorität eingeräumt. Das sogenannte „allgemeine Vorlesungswesen“ war zu seiner Zeit bereits eine altehrwürdige Einrichtung, die ursprünglich Abiturienten den Einstieg in die akademische Laufbahn erleichtern sollte. Unter von Melle wurden die Vorlesungen der gesamten Bürgerschaft geöffnet. Damit beabsichtigte er, Befürworter für die Gründung einer eigenen staatlichen Hamburger Hochschule zu gewinnen. Damals herrschte große Skepsis, ob die Handelsmetropole sich eine akademische Einrichtung leisten sollte. Doch der Senator fand in dem Hamburger Kaufmann und Reeder Edmund Siemers einen tatkräftigen Unterstützer. Siemers hatte anfangs mit Petroleum- und später mit Salpeterimporten ein Vermögen gemacht. Er investierte in Schiffe und Landbesitz und machte sich auch als Stifter einen Namen. Als Werner von Melle 1907 die gemeinnützige „Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung“ ins Leben rief, um unabhängig von der Stadt Finanzmittel für eine künftige Universität zu sammeln, konnte er neben dem Bankier Max Warburg, dem Diamantenhändler Alfred Beit, dem Reeder Albert Ballin und zahlreichen anderen prominenten Hamburgern auch Edmund Siemers für sein Projekt gewinnen. Siemers wurde Kuratoriumsmitglied der Stiftung und stellte die benötigten Gelder für ein Vorlesungsgebäude zur Verfügung. Dieses bildete später als Hauptgebäude der neuen Universität das Kernstück der Hamburger Hochschule. Als nach der Absetzung des Kaisers die erste frei gewählte Hamburger Bürgerschaft zusammentrat, konnte von Melle endlich seinen Plan verwirklichen. Am 28. März 1919 wurde die Universität offiziell gegründet.

Heute ist die Universität Hamburg die größte Forschungseinrichtung Norddeutschlands und eine der bedeutendsten Hochschulen der Bundesrepublik. An acht Fakultäten wird internationale Spitzenforschung betrieben. Stifter Edmund Siemers wurde später durch die Benennung der Allee vor den Toren der Universität mit seinem Namen geehrt. In Langenhorn trägt ein ganzes Viertel seinen Namen: „Siemershöh“.

 

 

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1. März 2019 „Konzerthaus Blaibach“

Am 1. März 2019 widmet die Post dem Konzerthaus Blaibach eine Sondermarke zu 145 Cent. Blaibach ist eine kleine 2000-Seelen-Gemeinde in der Oberpfalz, und die Idee, in dem Dorf eine moderne kleine Musikhalle zu errichten, mag auf den ersten Blick kurios wirken. Doch entpuppt sich das mutige Kulturunternehmen als kleine Erfolgsgeschichte. Von rund 99,9 Prozent Auslastung träumt jeder Konzertveranstalter. In Blaibach ist das Normalität.

Ausschlaggebend bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb war bzw. ist der Bariton Thomas E. Bauer. Der ehemalige Regensburger Domspatz gründete dazu die „Kulturwald gGmbH“, die sich verpflichtet hat, auf 25 Jahre den Betrieb des Konzerthauses und die laufende Finanzierung zu gewährleisten. Daraufhin bemühte sich die Stadt um Fördergelder und sicherte sich die tatkräftige Unterstützung des Freistaates Bayern, der mehr als eine Million Euro beisteuerte. Die Planung übernahm der preisgekrönte Münchner Architekt Peter Haimerl. Das Resultat ist aufsehenerregend. Gewaltige Granitsteine, Glasbeton und helles Lärchenholz bilden einen tief in die Erde reichenden Konzertsaal für rund 200 Zuhörer und 60 Musiker. Die Akustik ist exzellent, und das von Thomas E. Bauer organisierte Musikprogramm so hochkarätig, dass die Karten weit im Voraus ausverkauft sind. Aber der Bau lockt auch abseits des Konzertprogramms viele Neugierige in den Ort. Sie nehmen an einer der beliebten Architekturführungen teil. Der Konzertsaal hat nämlich bereits mehrere Architekturpreise gewonnen. Mittlerweile macht sich die Stadtverwaltung Gedanken darüber, wie man der Besuchermassen Herr werden kann, da Blaibach über unzureichende Übernachtungsmöglichkeiten verfügt.

Trotz ausverkauftem Haus und internationalen Stargästen ist das Konzerthaus Blaibach aber keine kommerzielle Goldgrube, sondern bleibt das Projekt von Überzeugungstätern. Als Gemeinschaftsarbeit von Intendant, Stadt und unzähligen ehrenamtlichen Helfern hat der Betrieb seinen familiären Charakter behalten. Der Konzertflügel etwa wird von einem niederbayerischen Bauunternehmer finanziert, viele lokale und überregionale bayerische Unternehmen leisten Förderbeiträge, und jeder einzelne der 202 Stühle im Saal hat einen eigenen Paten. Die Patenschaft kostet 500,- Euro pro Stuhl und wird von der gemeinnützigen GmbH mit einer Spendenquittung bestätigt.

Mit der Sondermarke vom 1. März 2019 kann das Konzerthaus Blaibach hoffentlich noch zahlreiche neue und treue Spender und Sponsoren gewinnen. Und vielleicht inspiriert die Briefmarke ja auch andernorts Menschen dazu, sich um das Kulturleben ihres Heimatorts zu kümmern. Das loht sich immer, auch wenn die Kunst noch so brotlos sein mag. Freude ist unbezahlbar.

 

 

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1. März 2019 „Der Grüffelo“

Am 1. März 2019 widmet die Post dem Kinderbuchklassiker „Der Grüffelo“ eine Sondermarke. Dabei handelt es sich nicht um eine Zuschlagsmarke zugunsten der Jugendarbeit, sondern um einen schlichten 70-Pfennig-Wert. Der kann laut Ankündigungen der Post zur Gebührenanpassung immerhin noch einen Monat lang als Einzelfrankatur auf einem Standardbrief verwendet werden.

Angeblich habe die Autorin des Bestsellers, Julia Donaldson, ein Gedicht über einen Tiger schreiben wollen, doch dann habe sie feststellen müssen, dass es viel schönere Reime auf das Fantasiewort „Grüffelo“ gebe, so geht die Legende. Donaldson weiß aber auch ohne diese originelle Erklärung, was Kinderaugen zum Leuchten bringt. Sie zählt zu den Top-Fünf der zeitgenössischen britischen Schriftsteller. Daran ist nicht zuletzt der nun auf Briefmarke geehrte Unhold schuld, für dessen Äußeres der deutsche Zeichner Axel Scheffler im Wortsinne verantwortlich zeichnete. Scheffler, der schon seit 1982 in England lebt, arbeitet regelmäßig mit Julia Donaldson zusammen.

Die Geschichte des „Grüffelos“ ist schnell erzählt. Eigentlich schien er das Fantasieprodukt einer gewitzten Maus zu sein. Wann immer dieser von anderen Waldbewohnern Gefahr droht, erzählt sie von einer Verabredung mit ihrem großen und überaus gefährlichen Freund. So lassen sich Fuchs, Eule und Schlange vorerst auf Distanz halten. Doch zu ihrer eigenen Überraschung begegnet die schlaue Maus ihrem erdachten Beschützer in Wirklichkeit. Jedes Detail, das sie sich ausgedacht hatte, findet sie in diesem wundersamen Wesen vereint, von den Klauen und den Zähnen bis hin zur giftigen Warze. Doch lässt sich die kleine Heldin von der angsteinflößenden Erscheinung nicht beeindrucken. Stattdessen erklärt sie dem Grüffelo, dass sie selbst der Schrecken des Waldes sei und alle Tiere vor ihr Reißaus nähmen. Sie führt den großen Kerl zum Beweis durch ihr Revier, und tatsächlich: Wann immer die beiden einem Räuber begegnen, flieht dieser in Panik. Da bekommt es schließlich das Ungeheuer selbst mit der Angst zu tun und sucht das Weite. Die Maus, so schließt das vergnügliche Buch, hat nun ihre Ruhe und kann sich genüsslich ihrer Lieblingsspeise widmen: Nüssen.

Das Buch „Der Grüffelo“ wurde mittlerweile in mehr als zwei Dutzend Sprachen übersetzt und erreichte eine Gesamtauflage von mehreren Millionen verkauften Exemplaren. Nach verschiedenen Hörbuchproduktionen erschien 2010 auch ein Fernsehfilm. Diese Zusammenarbeit von ZDF und BBC erhielt wie das Buch selbst zahlreiche Preise. Die Sondermarke vom 1. März 2019 ist nicht die erste postalische Würdigung Axel Schefflers. Bereits Weihnachten 2012 durfte der Illustrator einen kompletten Briefmarkenblock gestalten. Auf dem ist übrigens ebenfalls eine Maus zu sehen, verfolgt von einem Tiger.

 

 

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1. März 2019 „Blumen: Traubenhyazinthe“

Pünktlich zum nahenden Frühlingsbeginn setzt die Post ihre beliebte Dauermarkenserie „Blumen“ fort. Am 1. März 2019 erscheint eine Freimarke im Wert von 120 Cent mit einer Traubenhyazinthe im Markenbild. Dieser bezaubernde Frühblüher ist keine in Mitteleuropa heimische Pflanze, sondern zeugt von einer Zeit, als die Großen und Mächtigen ihren Reichtum in besonders üppigen Gartenanlagen zeigten.

Im ausgehenden 16. und frühen 17. Jahrhundert wurde es Mode, seinen Ziergarten mit besonders exotischen Blumen zu bereichern. Aus dieser Zeit stammen die ersten Tulpen, Narzissen und Hyazinthen in europäischen Gärten. Auch die Trauben- oder Perlhyazinthe gelangte damals in unsere Breiten. Sie stammte ursprünglich aus dem Südosten Europas und den Regionen Vorderasiens und Nordafrikas. Dank des Osmanischen Reiches waren diese Regionen erstmals in einem gemeinsamen Binnenmarkt verbunden, sodass die europäischen Händler, die mit den Türken in Geschäftsbeziehungen standen, eine riesige Auswahl an exotischen Produkten beziehen konnten. Neben Gewürzen und feinen Stoffen zählten dazu auch Blumenzwiebeln. Da die Traubenhyazinthe eine wenig anspruchsvolle und ausdauernde Pflanze ist, gelang ihr mit den Jahren die Auswilderung aus den Landschaftsgärten der Herrenhäuser in die freie Natur. Natürlich kann man heute in jedem gut sortierten Fachgeschäft Perlhyazinthenzwiebeln verschiedener Sorten erwerben, doch sehr viele Gärtner erfreuen sich einfach an den unverhofft aus der Erde sprießenden Blaublütlern, deren Zwiebeln den Winter über unversehrt in der Erde verharrt haben.

Gegen die meisten Krankheiten ist die Traubenhyazinthe gefeit. Lediglich bei zu viel Nässe kann sie von Pilzen befallen werden. An sonnigen und geschützten Standorten gedeiht sie hingegen prächtig und bleibt als Dauergast. Dann bildet sie mit der Zeit Tochterzwiebeln aus. Auch über Samen können sich die Taubenhyazinthen vermehren. Ihre Kapseln benötigen allerdings kühle Temperaturen um den Gefrierpunkt, um zu keimen. Insofern ist die Anzucht auf der Fensterbank zwecklos. Lieber sollte man der Natur ihren Lauf lassen, und zur Vermehrung aus den sich bildenden Pflanzenteppichen nach der Blüte einzelne Pflanzen ausstechen. Die können problemlos versetzt werden, um auch an anderen Stellen des Gartens kleine Kolonien von Perlhyazinthen anzusiedeln.

Der Post ist es mit der Blumen-Briefmarke vom 1. März 2019 wieder einmal gelungen, das Augenmerk auf einen interessanten Zeitgenossen zu richten und Vorfreude auf das bald beginnende Gartenjahr zu wecken.

 

Briefmarken April 2019

 

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4. April 2019 „100 Jahre Bauhaus“

Am 12. April 1919 gründete der Architekt Walter Gropius das „Staatliche Bauhaus in Weimar“. Diese Kunsthochschule arbeitete mit ungewöhnlichen Lehrmethoden und revolutionierte die zeitgenössische Kunst, das Kunstgewerbe und die Architektur. Das Bauhaus gilt daher als Keimzelle der Moderne. Am 4. April 2019 würdigt die Post das Bauhaus mit einer Sondermarke zu 70 Cent.

In gewisser Weise war Walter Gropius durch schlichte Unfähigkeit dazu auserkoren, Neues zu erschaffen. Denn in der existierenden Welt der Baumeister und Architekten hätte er nie zu bestehen vermocht. Gropius konnte einfach nicht zeichnen. Er musste das Studium an der Technischen Hochschule München abbrechen, fand Anstellung in einem renommierten Büro für Architektur und Industriedesign, hatte dort aufgrund seiner mangelnden grafischen Fähigkeiten ebenfalls keine rechte Funktion und machte sich schließlich selbstständig. Mit guten Zeichnern an seiner Seite konnte Gropius nun seine Ideen umsetzen. In dieser Zeit baute er das Fagus-Werk in Alfeld, einer der ersten Bauten der architektonischen Moderne. Außerdem schloss Gropius damals Bekanntschaft mit dem „Deutschen Werkbund“, einem Zusammenschluss von Künstlern, Architekten und Unternehmern, die Kunstgewerbe, Kunst und Architektur zu verschmelzen suchten. Der junge Architekt teilte diese Denkweise und entwickelte die Ideen des Werkbundes für sich weiter.

Nach dem Krieg arbeitete Gropius zunächst im revolutionären Arbeitsrat für Kunst, bis er schließlich von Henry van de Velde als neuer Leiter der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar berufen wurde – die Geburtsstunde des Bauhauses. Walter Gropius versammelte bedeutende zeitgenössische Künstler in seiner Hochschule, darunter Wassilij Kandinsky, Lyonel Feininger, Paul Klee, Gerhard Marcks, Johannes Itten und Oskar Schlemmer. Diese unterrichteten interdisziplinär und in einem neuartigen Studienprogramm, das sich ausgiebig mit Material- und Werkzeugkunde beschäftigte und die Studierenden ermutigte, sich immer wieder neu und kreativ mit ihren Lehrinhalten auseinanderzusetzen. Die architektonischen Arbeiten aus den Weimarer Jahren waren teils vom Expressionismus beeinflusst, teils schufen sie frühe Meisterwerke der Neuen Sachlichkeit. Dabei spielten die Inneneinrichtung und die moderne Gestaltung der Alltagsgegenstände oft eine ebenso große Rolle wie die Mauern und Fenster. Das Bauhaus erschuf eine eigene Welt.

Als sich 1924 die politische Lage in Thüringen veränderte und die nationalkonservativen Kräfte versuchten, dem Bauhaus die Förderung zu entziehen, zog die Hochschule 1925 um nach Dessau im Freistaat Anhalt. Dort erlebte das Bauhaus seinen kreativen Höhepunkt. Zahlreiche Ikonen des modernen Industriedesigns entstanden in den wenigen Jahren, die der freien Universität noch blieben. Das neu errichtete Hochschulgebäude und seine angrenzenden Meisterhäuser sind selbst zu architektonischen Denkmälern geworden. Sie gehören mittlerweile ebenso zum UNESCO-Welterbe wie die Bauten in Weimar oder Berlin und die Alfelder Schuhfabrik. Als auch in Dessau die Nationalsozialisten die politische Macht erlangten, musste das Bauhaus seine Lehrtätigkeit einstellen. Nach einem Jahr Exil in Berlin löste sich das Bauhaus aufgrund permanenter Schikanen 1933 endgültig auf. Die meisten Lehrer gingen ins Ausland, wo die Ideen dieser modernen Architektur- und Designschule ihre volle Wirksamkeit entfalteten. 100 Jahre Bauhaus haben ihre Spuren hinterlassen. Das Werk ist noch deutlich sichtbar – nicht nur auf der Briefmarke vom 4. April 2019.

 

 

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4. April 2019 „100 Jahre Volkshochschule““

Ein unfassbar breites Bildungsangebot, offen für jeden und staatlich gefördert – das klingt nach einer fantastischen Vision von Sozialreformern. Dabei ist dieser Wunsch längst Wirklichkeit. Am 4. April 2019 feiert die Deutsche Post mit einer Briefmarke „100 Jahre Volkshochschule“.

Das Jubiläum, auf das sich die Verantwortlichen berufen, ist die am 11. April 1919 unterzeichnete Reichsverfassung, die erste demokratische Verfassung Deutschlands. In deren Artikel 148 stand nämlich der ausschlaggebende Satz: „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ Bis dahin gab es bereits einige Angebote der Erwachsenenbildung, die anfangs vor allem vom Geiste der Aufklärung getragen wurden. In privaten Hochschulen wie der Berliner Humboldt-Akademie bemühten sich Dozenten, Nichtakademikern wissenschaftliche Grundlagen zu vermitteln. Auch setzten sich Arbeiterbildungsvereine für die Vermittlung von Bildung und Wissen unter Fabrikarbeitern und Handwerkern ein. Dabei stießen diese Institutionen immer wieder auf Widerstände. Insbesondere Otto von Bismarcks „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ – kurz „Sozialistengesetz“ – ließ die freie Bildungsarbeit weitgehend zum Erliegen kommen. Der politisch geschulte Arbeiter stellte in den Augen Bismarcks und der Regierung des Kaiserreichs eine Gefahr dar. Die Verfassung der Weimarer Republik sah das anders und kehrte die Verhältnisse grundlegend um. Auf den Trümmern des Ersten Weltkriegs galt es eine neue Gesellschaft aufzubauen. Demokratie bedeutete Mitbestimmung der Bevölkerung. Diese musste daher idealerweise dazu befähigt werden, politische Prozesse zu verstehen. Außerdem vertraute man schon damals auf die Kraft der Bildung, wollte man die allgemeinen Lebensverhältnisse verbessern. Dabei wurde bereits in den letzten Kriegsmonaten mit den Vorarbeiten für die Bildungsoffensive begonnen. Deutschlandweit entstanden in den Städten und Kommunen Volkshochschulen. Bis 1919 gab es schon 150 solche Einrichtungen. Zum Vergleich: 1917 existierten deutschlandweit gerade einmal 18 Volkshochschulen, bis August 1922 stieg die Zahl auf mehr als 850 Einrichtungen. Sie alle genossen nun den Schutz und die Unterstützung der neuen Verfassung. 1927 organisierten sich die lokalen Bildungsinstitute schließlich unter dem Dach des „Reichsverbandes der deutschen Volkshochschulen“.

Nachdem die Volkshochschulen im Nationalsozialismus geschlossen oder in das NS-Bildungssystem überführt worden waren, erlebten die Schulen nach dem Krieg einen turbulenten Neuanfang, der oft von den Partikularinteressen der jeweiligen Besatzungsmacht geprägt und gelenkt wurde. Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland wurden die Schwerpunkte der Bildungsarbeit mehrfach verschoben. Seit der Wiedervereinigung hat der „Deutsche Volkshochschul-Verband“ ein neues Leitbild entwickelt, das die soziale Offenheit und die Breite des Bildungsangebots in den Mittelpunkt stellt. Das Angebot reicht von Kochkursen über Kunst, Sport, Fremdsprachen und Wellness bis hin zum nachträglichen Erwerb von Schulabschlüssen. Der Briefmarkengestalter Andreas Hoch zeigt diese Vielfalt sehr schön in seiner grafischen Konzeption der Briefmarke vom 4. April 2019. Geschätzte neun Millionen Bundesbürger nutzen die von den Volkshochschulen gebotene Weiterbildung – die Volkshochschule ist und bleibt ein Erfolgsmodell.

 

 

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4. April 2019 „Emoji“

Am 4. April wirbt eine Briefmarke der Deutschen Post einmal wieder für das Schreiben. Allerdings tut sie das erstaunlicherweise mit einem Ausdrucksmittel, das heute vor allem aus dem papierlosen Schriftverkehr bekannt ist: dem „Emoji“.

Die ersten „Smileys“ wurden in den 1990er-Jahren in Japan gestaltet. Sie brachten damals die sogenannten „Emoticons“ in grafische Form, also die Kombination aus Satzzeichen, mit denen seit 1982 unterschiedliche Stimmungen in den Textfluss sichtbar eingebaut wurden. Doppelpunkt, Bindestrich und schließende Klammer bedeuteten beispielsweise Fröhlichkeit. Mithilfe von Emojis erweiterten sich die Ausdrucksmöglichkeiten ins Unendliche. Neben den unterschiedlichsten Empfindungen werden unzählige Wertungen und mitunter auch handfeste Beleidigungen durch sie versinnbildlicht. Seit sie 2010 vom Unicode-Konsortium aufgenommen wurden, können die kleinen Symbole von nahezu allen Plattformen und elektronischen Endgeräten dargestellt werden.

Ob der häufige Gebrauch von Emojis Tugend oder Laster ist, wird unterschiedlich bewertet. Galt es bis vor wenigen Jahren noch als infantil und unprofessionell, in geschäftlicher Korrespondenz mit Smileys zu agieren, ist der mäßige Gebrauch mittlerweile weitgehend akzeptiert. Natürlich hängt diese Akzeptanz auch von der Branche und dem Jahrgang des Kommunikationspartners ab. Gefühlszeichen sollten eben nur mit der entsprechenden Empathie verwendet werden. Dann funktionieren Emojis tatsächlich. Wissenschaftliche Tests haben belegt, dass der Smiley am Ende der fröhlichen Botschaft diese nachweislich verstärkt. Gleiches gilt für das Gegenteil. Obwohl heutzutage jeder Mensch Emojis im Bereich der elektronischen Kommunikation einordnet, ist die Idee schon sehr viel älter. Bereits aus Briefen des 18. Jahrhunderts sind Unterschriften mit einem eingezeichneten Lächeln bekannt, und im 19. Jahrhundert gab es die sogenannten „Setzerscherze“. Darin versuchten Schriftsetzer mithilfe der verfügbaren Lettern kleine Gesichter nachzubauen. Kunst entsteht eben mitunter aus dem Unscheinbaren heraus.

Ob der Plan aufgeht, und die Briefmarke vom 4. April 2019 tatsächlich zu mehr handschriftlicher Korrespondenz führt, bleibt abzuwarten. Konsequent wäre in Ergänzung dazu ein Postkartenvordruck mit Beschränkung auf 160 Zeichen.

 

 

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4. April 2019 „150 Jahre Deutscher Alpenverein“

Am 9. Mai 1869 versammelten sich in der Münchner Gaststätte „Zur blauen Traube“ 36 Alpinisten. Die Männer um Franz Senn, Johann Stüdl und Karl Hofmann waren unzufrieden mit der Arbeit des „Österreichischen Alpenvereins“. Daher gründeten sie an jenem Tag den „Bildungsbürgerlichen Bergsteigerverein“, der sich aktiv um die Wegbarmachung der Alpen kümmerte, Hütten errichtete und bald durch zahlreiche Sektionen große regionale Ausdehnung erlangte. Die Deutsche Post würdigt dieses Gründungsdatum mit einer Sonderbriefmarke mit dem Titel „150 Jahre Deutscher Alpenverein“.

Tatsächlich schloss sich der Münchner Verein schon 1873 wieder mit den österreichischen Kollegen zusammen und bildete bis 1938 den „Deutschen und Österreichischen Alpenverein“. Erst nach dem „Anschluss“ Österreichs formierten die Alpinisten fortan unter dem Namen „Deutscher Alpenverein“ als Fachverband des „Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen“. Zwar hatten sich die Bergfreunde noch zeitweise versucht, der Gleichschaltung zu entziehen. Dieser Widerstand richtete sich aber hauptsächlich gegen den Verlust der Unabhängigkeit und nicht gegen die politische Haltung. Eine nationalistische und antisemitische Vereinspolitik vertrat der Alpenverein bereits seit Jahrzehnten. Der erste vereinsinterne „Arierparagraph“ ist für das Jahr 1905 belegt, und die letzte Sektion mit jüdischen Mitgliedern war schon 1924 aus dem Verein ausgeschlossen worden.

Heute gehören derartige Diskriminierungen glücklicherweise der Vergangenheit an. Der Deutsche Alpenverein ist als größte nationale Bergsteigervereinigung der Welt mittlerweile ein wichtiger Partner für Vereine und Alpinisten aus dem In- und Ausland. Die gemeinsame Liebe zu den Bergen und der Schutz der Natur stehen im Vordergrund. Der Alpenverein ist in mehr als 350 Sektionen organisiert und betreibt über 300 Alpenvereinshütten, von denen sogar rund zwei Drittel bewirtschaftet sind. Weiter ist der Alpenverein als Fachverband für Alpinistik im „Deutschen Olympischen Sportbund“ aktiv, in dem er für die Bereiche Sport- und Wettkampfklettern, Bergwandern und Bergsteigen, Hochtourengehen, Eisklettern und Expeditionsbergsteigen sowie Skibergsteigen verantwortlich ist. Der Verein hat rund eine Million Mitglieder.

 

 

 

 

 Briefmarkenserie Himmelsereignisse

 

 

 Briefmarkenserie Deutschlands schönste Panoramen

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4. April 2019 „Deutschlands schönste Panoramen: Rothenburg ob der Tauber“

Malerisch am Fluss Tauber gelegen, befindet sich nahe der Frankenhöhe das kleine Städtchen Rothenburg ob der Tauber. Die nahezu intakte mittelalterliche Altstadt gilt als eine der schönsten ihrer Art und zieht alljährlich viele Besucher aus aller Welt an. Vollkommen zu Recht hat nun auch die Deutsche Post das Panorama Rothenburgs unter die schönsten Deutschlands gewählt. Am 4. April 2019 setzt sie die beliebte Zusammendruckserie mit zwei Werten zu 45 Cent fort. Die beiden Briefmarken zeigen eine beeindruckende Sicht auf die Altstadt und die Stadtmauer.

Schon aus der Zeit der Staufer finden sich erste Belege für die Existenz des Ortes. Unter Rudolf von Habsburg wurde Rothenburg am 15. Mai 1274 schließlich zur Reichsstadt erhoben – ein sehr nützliches Privileg. Zwar war die Stadt nach wie vor verpflichtet, Abgaben zu leisten, diese gingen aber direkt an den Kaiser ‒ bzw. am Ende des Interregnums an den 1273 gewählten römisch-deutschen König Rudolf I. ‒ und nicht an einen Landesfürsten, der möglicherweise im eigenen Interesse ein wenig mehr abgezweigt hätte. Die Reichsstadt Rothenburg wuchs und gedieh, und in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich die Stadt zu einer einflussreichen Metropole. Unter ihrem Bürgermeister Heinrich Toppler erwarb Rothenburg weitläufigen Grundbesitz und investierte in das örtliche Gewerbe. Aus der einfachen Stadtmauer wurde eine imposante Stadtbefestigung. Toppler sorgte außerdem dafür, dass die vorher in mehreren Pogromen vertriebene jüdische Gemeinde zurückkehrte. Binnen weniger Jahre stiegen die Steuern der Stadt allein durch die jüdischen Familien um rund zehn Prozent. Politisch zeigte der berühmte Bürgermeister kein ganz so glückliches Händchen. Im Kampf des Schwäbischen Städtebundes gegen die Fürsten stand Rothenburg aufseiten der Schwaben – und unterlag. Nur die starken Mauern der Stadt bewahrten Rothenburg vor der Plünderung durch ein verbündetes Fürstenheer. Im Gegenzug für die Beilegung des Konflikts lieferten die Rothenburger ihren Bürgermeister an die Feinde aus.

Im Dreißigjährigen Krieg konnten die mittelalterlichen Befestigungsanlagen die Stadt nicht retten. Das protestantische Rothenburg wurde vom katholischen Feldherren Tilly eingenommen und geplündert. Der Legende nach entging die Stadt nur durch ihren trinkfesten Bürgermeister der vollständigen Zerstörung. Der habe auf Geheiß einen Krug mit mehr als drei Litern Wein stürzen müssen, um Gnade für seine Bürger zu erlangen. Dieses Ereignis wird bis heute im jährlichen Festspiel „Der Meistertrunk“ gefeiert, das seit 2015 sogar immaterielles Kulturerbe der UNESCO ist. Im 18. und 19. Jahrhundert geriet Rothenburg ob der Tauber in ruhigeres Fahrwasser, manche sprechen auch von einem „Dornröschenschlaf“. Dadurch aber blieben die schönen Baudenkmäler der Altstadt erhalten, die historischen Tortürme, das Topplerschlösschen, die Gässchen und Fachwerkhäuser und natürlich die Stadtmauer. Diese erlitt im Zweiten Weltkrieg einige Bombentreffer, wurde aber mithilfe von Spenden wiederhergestellt. Die zahlreichen Touristen, die jedes Jahr an die Tauber kommen, wissen das zu schätzen. Die Briefmarke vom 4. April 2019 weckt in jedem Fall den Wunsch, das wunderschöne Städtchen in Mittelfranken einmal persönlich kennenzulernen.

 

Briefmarken Mai 2019

 

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2. Mai 2019 „Huldrych Zwingli: 500 Jahre Zürcher Reformation“

Vor 500 Jahren erreichte die große Krise der Katholischen Kirche auch die Schweizer Eidgenossenschaft. Daran erinnert am 2. Mai 2019 eine Gemeinschaftsausgabe mit der Schweizer Post. Die Briefmarke zu 150 Cent zeigt den Reformator Huldrych Zwingli und zitiert seine umstrittene Aufforderung: „Tut um Gotteswillen etwas Tapferes!“

Eigentlich war der 1484 im Kanton St. Gallen geborene Prediger Zwingli dem Papst für lange Zeit verbunden gewesen. Als sich unter den kriegsmüden Eidgenossen 1515 die Stimmung zugunsten der Franzosen und gegen den Papst wandte, verlor Zwingli sogar seine Stelle in Glarus, weil er sich weigerte, seine papsttreue Haltung aufzugeben. In den folgenden Jahren äußerte er aber zunehmend Kritik an bestimmten Gebräuchen in der Katholischen Kirche. Beispielsweise erhob er das Wort gegen den Ablasshandel und allzu kommerzialisierte Wallfahrtspraktiken. Damals lernte er auch die Schriften Martin Luthers kennen und schätzen. Die Verurteilung missbräuchlicher Volksfrömmigkeit und die Berufung allein auf das Evangelium als Quelle der göttlichen Weisheit blieben Zwinglis Leitlinien, als der Geistliche 1519 schließlich nach Zürich kam. Dort soll er im Zuge einer Pestepidemie einen tiefgreifenden Sinneswandel erlebt haben.

Obwohl die Briefmarke die Berufung Zwinglis nach Zürich als Geburtsstunde der Zürcher Reformation hervorhebt, schlug diese doch tatsächlich erst drei Jahre später. Der Stein oder strenggenommen die Wurst des Anstoßes befand sich am 9. März 1522 auf den Tellern des Zürcher Druckermeisters Christoph Froschauer. Der hatte nämlich am ersten Fastensonntag zum Wurstessen eingeladen. Zwingli war Zeuge dieses Zusammentreffens, und als die Kirche dieses provokative Fastenbrechen verurteilte, ergriff er das Wort zugunsten der vermeintlichen Übeltäter. Das Fasten, so der streitbare Theologe, beruhe auf Menschengesetz und müsse daher nicht befolgt werden. Allein Gottes Gesetz gälte es zu beachten, und das fände man ausschließlich in der Bibel. Zwingli hielt diese Thesen auch schriftlich fest. Weiter wandte er sich an Papst Hadrian VI. und bat diesen um die Aufhebung des Zölibats – ebenfalls eine Regel, die nicht aus der Bibel stammt, und auch vom deutschen Reformator Luther aufgehoben worden war. Zwingli hatte sich jetzt in die Sphären der Kirchenpolitik vorgewagt und wurde unmittelbar darauf vom Dominikanerorden der Ketzerei angeklagt. In drei Disputationen verteidigte er seine Ideen, die immer radikaler wurden und schließlich nicht mehr allein die Reformation der Kirche anstrebten, sondern eine neue Lebensweise der Menschen einforderten. Im Kanton Zürich schaffte er es, seine neue Lehre durchzusetzen, und 1525 war in Zürich die Reformation abgeschlossen. Gottesdienste wurden nach neuem Ritus abgehalten, und bis 1529 entstand eine eigene Übersetzung der Heiligen Schrift in die Volkssprache: die Zürcher Bibel.

Mit Martin Luther kam Zwingli indes nicht überein. Zu unterschiedlich waren beider Glaubensbekenntnisse. Der Schweizer konnte Luthers Trennung von Staat und Glauben nicht akzeptieren, und für den deutschen Reformator war die tatsächliche Präsenz Jesu beim Abendmahl unumstößlich, während Zwingli diese eher im symbolischen Bereich ansiedelte. Wie auch im Reichsgebiet wurde der Glaubensstreit zwischen Katholischen und Reformierten auch in der Schweiz immer vehementer ausgetragen. Endete der Erste Kappeler Krieg 1529 zwischen Zürich, Bern, Konstanz und Mülhausen auf der einen Seite und den katholischen Urkantonen auf der anderen noch vor dem ersten militärischen Zusammenstoß, entbrannte 1531 schließlich der Zweite Kappeler Krieg. Zwinglis Reformierten unterlagen, und der Reformator wurde gefangengenommen, hingerichtet und sein Leichnam geschändet. Die Schweiz blieb fortan konfessionell gespalten. Die Ideen Zwinglis aber verbreiteten sich europaweit und prägen viele reformierte Glaubensgemeinschaften bis heute.

 

 

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2. Mai 2019 „Heimische Vögel: Goldammer“

Man stelle sich einen Mann vor, der die Gunst einer Frau gewinnen möchte und ihr zu diesem Zweck Mauersteine, Mörtel und eine Kelle anbietet und sie zum Bau des gemeinsamen Eigenheims einlädt. Vermutlich wäre er gut beraten, schon einmal alleine mit dem Häuslebau anzufangen. Im Reich der Vögel ist solch ein Verhalten offensichtlich von mehr Erfolg gekrönt, und die Post präsentiert am 2. Mai auf ihrer diesjährigen Europamarke einen heimischen Vogel, der genau so um sein Weibchen balzt.

Die Goldammer, 1999 in Deutschland zum Vogel des Jahres gekürt, ist in ganz Europa und Teilen Asiens beheimatet. Der hübsche Singvogel mit dem charakteristischen Gefieder ist ein Standvogel, bleibt also seinem Revier treu. Während Männchen wie auch Weibchen für gewöhnlich in schlichtem Grün daherkommen, bekommt der Bräutigam zur Paarungszeit am Kopf und an der Brust ein leuchtend gelbes Gefieder, was ihm auch seinen Namen einbrachte. Neben einem schmucken Kleid hat das Männchen auch noch eine einzigartige Stimme zu bieten. Vogelkundler können anhand der unterschiedlichen Tonfolgen und Lautmuster tatsächlich Alter und Stimmung des kleinen Sängers bestimmen. Außerdem scheint es so etwas wie Dialekte zu geben. In jedem Fall nutzt Herr Goldammer sein Organ lautstark bei der Suche nach Frau Goldammer. Ist diese gefunden und zeigt möglicherweise sogar Interesse, folgt gewissermaßen der Wink mit dem Zaunpfahl bzw. Lattenzaun. Der Dame werden besonders schöne Grashalme angeboten, damit sie daraus ein Nest bauen kann.

Ist die so Gefreite gewonnen, richten sich die beiden im dichten Gebüsch eine Brutstätte ein. Das Weibchen legt für gewöhnlich zwischen drei und fünf eigentümlich längliche Eier in das Nest und brütet diese allein aus. Das Männchen kümmert sich im Gegenzug um die Nahrung – meist Samen und Getreidekörner. Sind die Jungen geschlüpft, wird aus dem Sammler schließlich ein Jäger, denn die Kleinen benötigen jetzt eine kräftigende Eiweißdiät. Entsprechend landen Spinnen, Käfer und Schmetterlingslarven in den Schnäbelchen. Nach rund 14 Tagen ist der Nachwuchs kräftig genug, um das Nest zu verlassen.

Obwohl es in Europa bisher noch große Goldammer-Bestände gibt, werden die hübschen Vögel bereits auf der Vorwarnliste der Roten Liste geführt, da die Zahl der Brutpaare deutlich zurückgeht. Auch diese heimischen Vögel leiden offensichtlich unter der unaufhaltsamen Ausbreitung der Menschen.

 

 

 Legendäre Olympiamomente

 Legendäre Olympiamomente

 Legendäre Olympiamomente

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2. Mai 2019 „Für den Sport: Olympiamomente“

Am 2. Mai 2019 beschäftigen sich drei Zuschlagsmarken zugunsten der Sporthilfe mit legendären Olympiamomenten. Die Aufmachung erinnert an die Sporthilfemarken des vorigen Jahres. Wieder zieren ausgesuchte Zitate von Sportreportern das Markenbild.

Die erste Briefmarke im Wert von 70 + 30 Cent behandelt eine Episode aus den Olympischen Sommerspielen in Stockholm 1956. Damals gewann der deutsche Springreiter Hans Günter Winkler seine erste olympische Goldmedaille – unter erschwerten Bedingungen. Denn der zweimalige Weltmeister hatte sich bereits im ersten Durchgang eine Verletzung zugezogen. Der Teamarzt tippte auf Leistenbruch und ließ den Favoriten auch in den zweiten Durchgang starten. Unter dem Einfluss starker Schmerzmitteln, kaum ansprechbar und vollkommen vom Einfühlungsvermögen seines Pferdes Halla abhängig, schaffte Winkler dennoch einen hervorragenden Ritt, der sowohl der Mannschaft als auch ihm persönlich Gold einbrachte. Tatsächlich hatte sich Winkler einen Muskelriss an der Leiste zugezogen, und es war ein Wunder, dass er sein Pferd überhaupt durch den Parcours gelenkt bekam oder sein Pferd den benebelten Reiter. Doch der Sportjournalist Hans-Heinrich Isenbart hatte eine Erklärung: „Halla lacht, als wüsste sie, um was es geht.“ Fortan galt die Stute als Wunderpferd.

Die zweite Zuschlagsmarke, im Wert von 85 + 40 Cent, erinnert an eine Begebenheit der Olympischen Winterspiele in Lake Placid 1980. Damals startete der junge deutsche Skilangläufer Jochen Behle von einem Platz im Mittelfeld und kämpfte sich binnen kurzer Zeit an die Spitze des Pulks. Der Sportreporter Bruno Moravetz fieberte sichtlich mit, doch dann ereignete sich der Albtraum eines jeden Live-Berichterstatters. Der Sportler verschwand. Durch einen seltsamen Zufall blieb Behle für den Rest des Rennens stets außerhalb der Kameras. Moravetz tobte und rief fortwährend den auf der Briefmarke verewigten Satz: „Wo ist Behle?“ Erst im Zieleinlauf tauchte der Deutsche wieder auf. Er hatte immerhin den zwölften Platz gewinnen können – eine Wertung jenseits aller Erwartungen.

Die dritte Sondermarke erzählt von den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles 1984. Der Ausspruch „Flieg, Albatros, flieg!“ auf dem Wert zu 145 + 55 Cent bezieht sich auf den deutschen Schwimmer Michael Groß. Der machte seinem Namen mit einer Größe von über zwei Metern alle Ehre. Wenn er im Schmetterlingsstil durch die Wellen pflügte, fühlte sich manch ein Betrachter an die mächtigen Schwingen eines Albatrosses erinnert, weshalb Groß fortan diesen Spitznamen trug. Der Anfeuerungsruf stammte von Jörg Wontorra, der damals gerade seine Stelle bei der ARD-Sportschau angetreten hatte. Leider wurden die Bemühungen nur mit einer Silbermedaille belohnt.

Die nächsten Olympischen Sommerspiele werden 2020 in Tokio ausgetragen, wo 1964 die letzte gesamtdeutsche Olympiamannschaft angetreten ist. Man darf gespannt sein, ob die Ausgabe vom 2. Mai 2019 mit weiteren originellen Olympiamomenten fortgesetzt wird.

Briefmarken Juni 2019

 

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6. Juni 2019 „Leuchttürme: Campen“

Die aktuelle Ergänzung der Leuchttürme-Serie der Deutschen Post vom 6. Juni 2019 wartet gleich mit mehreren Superlativen auf. Die Briefmarke präsentiert nämlich den höchsten Leuchtturm Deutschlands. Außerdem besitzt das Leuchtfeuer die größte Reichweite. Und zu guter Letzt befindet sich auf diesem Leuchtturm der älteste noch funktionsfähige Dieselmotor. Dass der Ems-Leuchtturm von Campen darüber hinaus noch eine einzigartige Architektur aufweist, zeigt das Markenmotiv sehr anschaulich.

Der Eingang zur Unterems galt schon seit vielen Generationen als eines der schwierigsten Fahrwasser der Nordseeküste. Zwischen unzähligen Untiefen schlängelt sich die Schifffahrtsstraße hindurch. Tagsüber kamen seit jeher Lotsen zum Einsatz, die ab Borkum die Führung übernahmen. Doch bei Nacht wagte niemand die Ein- oder Ausfahrt. Ende des 19. Jahrhunderts wollten die Regierungen des Deutschen Reichs und der Niederlande diese missliche Lage verbessern. Am 1. März 1883 trafen sich Experten beider Länder in Emden und berieten darüber, inwiefern mithilfe eines Systems aus Leuchtfeuern Abhilfe geschaffen werden könne. Die sogenannte „Emskommission“ entschied, fünf Leuchtfeuer zu installieren, zwei auf niederländischer Seite und drei auf deutscher. Die Türme wurden von 1888 bis 1890 errichtet, und dazu gab es auch eine neue Seekarte. Das Projekt war erfolgreich. Ab dem 1. Oktober 1891 wiesen die Leuchttürme von Campen, Borkum, Pilsum, Watum und Delfzijl den Schiffen den Weg.

Der Leuchtturm von Campen wurde in einer ganz ungewöhnlichen Form errichtet. Tragend ist ein Fachwerk aus Stahlrohren. Kurioserweise ist der Turm aber dreieckig. Um zur Spitze zu gelangen, bedurfte es einer Treppe. Diese wurde in einem Mittelrohr untergebracht, sodass der Leuchtturm ein wenig an einen Ölbohrturm erinnert. Mit einer Höhe von 65,3 Metern hält der Turm bis heute den deutschen Rekord, ebenso wie mit der Reichweite des Feuers von 55 Kilometern. Das Licht stammte ursprünglich aus einer elektrischen Kohlebogenlampe. Für die Bewohner der Region war das eine kleine Sensation, da Ostfriesland seinerzeit noch über kein Stromnetz verfügte. Der Dieselmotor, der bis heute im Maschinenhaus bereitsteht, stammt aus dem Jahre 1906.

Der Leuchtturm Campen ist der einzige noch aktive der alten fünf. Die beiden niederländischen Leuchtfeuer wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, die anderen beiden deutschen sind stillgelegt. Für Besucher öffnet der Leuchtturm von Campen im Sommer seine Türen. Letzter Aufstieg ist um 16:30 Uhr. Die Briefmarke vom 6. Juni hat die Wertstufe 70 Cent und ist – noch – für einen Standardbrief geeignet.

 

 

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6. Juni 2019 „25 Jahre Haus der Geschichte“

Die deutsche Geschichte für jedermann greifbar zu machen, ist eines der erklärten Ziele des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Die Gunst des Publikums scheint es offensichtlich gewonnen zu haben. Das an der Museumsmeile gelegene Haus zählt mit über 850.000 Zuschauern zu den meistbesuchten Museen der Republik. Zu seinem 25. Jubiläum wird das Haus der Geschichte am 6. Juni 2019 mit einer Briefmarke gewürdigt.

Die Idee, eine historische Sammlung der deutschen Zeitgeschichte aufzubauen, ging auf Helmut Kohl zurück, der direkt nach seinem Amtsantritt 1982 ein solches Projekt anregte. Dabei ging es ihm nicht allein um die Geschichte der Bundesrepublik, sondern er wollte das geteilte Deutschland als Ganzes in den Blick heben. Trotz positiver Resonanz wurde erst 1989 der erste Spatenstich für den neuen Museumsbau getätigt wurde. Dass sich noch im selben Jahr die Mauer öffnen würde, damit hatte freilich keiner gerechnet. Schlussendlich bestand aber immer noch die Möglichkeit, vor der endgültigen Einrichtung der Ausstellung auf die aktuelle Entwicklung einzugehen. Die Eröffnung erfolgte schließlich am 14. Juni 1994 durch Bundeskanzler Kohl.

Getragen wird das Museum durch die bundeseigene „Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. Von den rund 24 Millionen Euro Jahresetat (Stand 1. Februar 2017) wird die Hälfte für Ausstellungen und Publikationen verwendet. Von dieser Summe profitiert aber nicht allein das Haus in Bonn. Die Stiftung finanziert nämlich ein deutschlandweites Museumsnetzwerk rund um die deutsche Geschichte, sodass die vier Standorte der Stiftungsmuseen ein beeindruckendes zeithistorisches Ensemble bilden. In Leipzig gehört das Zeitgeschichtliche Forum dazu, in Berlin der Tränenpalast am Bahnhof Friedrichstraße sowie das Museum in der Kulturbrauerei auf dem Prenzlauer Berg. Letzteres zeigt die sehenswerte Dauerausstellung „Alltag in der DDR“. Allen vier Einrichtungen ist gemeinsam, dass sie als vom Steuerzahler finanzierte Museen keinen Eintritt erheben. Damit kann sich wirklich jeder Bürger über die bewegte Geschichte unseres Landes informieren. Die Briefmarke vom 6. Juni 2019 wurde von Stefan Guzy entworfen und zeigt den Museumsbau im Markenbild. Die Wertstufe von 260 Cent eignet sich für den Versand von Maxibriefen innerhalb Deutschlands, also Sendungen bis zu einem Kilogramm Gewicht.

 

 

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6. Juni 2019 „Mikrowelten: Palladium“

Am 6. Juni 2019 wird die beliebte Briefmarkenserie „Mikrowelten“ mit einer neuen Ausgabe fortgesetzt. Das farbenfrohe Postwertzeichen zu 85 Cent zeigt eines der seltensten chemischen Elemente der Erde: das Palladium.

Dessen Entdeckung war ein Zufallsfund. 1803 untersuchten die beiden britischen Chemiker William Hyde Wollaston und Smithson Tennant einige Proben Platinerz aus Südamerika. Zu ihrer Überraschung isolierten sie dabei zwei unbekannte Substanzen, die sich schließlich als eigene Elemente erwiesen: Palladium und Rhodium. Die Namensgebung ist nur aus der Zeit heraus zu verstehen und bezog sich auf die Arbeit eines gelehrten Kollegen. 1802 hatte der Bremer Arzt und Astronom Heinrich Wilhelm Olbers mehrere Asteroiden und Planetoiden entdeckt. Als ehemaliger Lateinschüler des Athenaeums benannte er seine Funde sämtlich nach antiken Göttinnen. Neben Vesta und Juno widmete er auch der Göttin Athene einen Himmelskörper und nannte ihn „Pallas“. Davon inspiriert gaben die beiden britischen Forscher ihrer Entdeckung den Namen „Palladium“. In derselben Erzprobe entdeckte Smithson Tennant später zwei weitere Elemente: Iridium und Osmium. Die beiden befreundeten Wissenschaftler hatten bereits vorher den Beweis dafür erbracht, dass Diamanten aus reinem Kohlenstoff bestehen.

Die Abbildung des Elements Palladium auf der Briefmarke entstand wieder mit dem mikrofotografischen KAGE-Verfahren. In diesem Fall wurde eine 230-fache Vergrößerung ausgewählt, die sehr schön die kubische Kristallstruktur des Edelmetalls im festen Aggregatzustand zeigt. Palladium ist bei Raumtemperatur fest, verfügt jedoch über eine verhältnismäßig niedrige Schmelztemperatur. Da das Metall unter gewöhnlichen Umständen nicht oxidiert, ist es neben seiner Verwendung in der Unterhaltungselektronik auch für die Schmuckindustrie interessant. Grundsätzlich aber ist Palladium sehr reaktionsfreudig. Daher spielt die Substanz eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Katalysatoren. Da Palladium herausragend viel Wasserstoff binden kann, ist es auch für die Herstellung von Brennstoffzellen von großer Bedeutung. Obwohl aktuell die größte Menge der weltweiten Palladium-Förderung auf Russland entfällt, befinden sich 95 Prozent der globalen Reserven in Südamerika. Bei wachsender Bedeutung des Palladiums ist also mit ebensolcher Einflussnahme der Industrieländer auf die Quellregion zu rechnen. Große Reserven der ebenso wichtigen und begehrten Seltenen Erden liegen bekanntlich in Afghanistan.

Die Mikrowelten-Briefmarke vom 6. Juni 2019 trägt die Wertstufe von 85 Cent und eignet sich insofern für den Versand von Kompaktbriefen.

 

Briefmarken Juli 2019

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Kapuzinerkresse“

In der neuen Wertstufe des Standardbriefs erscheint am 1. Juli 2019 eine Blumen-Freimarke zu 80 Cent. Sie zeigt im Markenbild die orangefarbene Blüte der Kapuzinerkresse. Diese in ganz Europa weit verbreitete Kletter- und Rankpflanze ist strenggenommen eine invasive Art. Da der aus Süd- und Mittelamerika stammende Neophyt aber die kalten europäischen Winter nicht übersteht, ist er von menschlicher Pflege und Aussaat abhängig und breitet sich nicht unkontrolliert aus.

Ihren Namen hat die Kapuzinerkresse von dem rückseitigen Sporn an ihrer fünfblättrigen Blüte. Als die spanischen Konquistadoren im 16. Jahrhundert erstmals diese farbenprächtige Blume entdeckten, mussten sie nämlich unwillkürlich an die Kutten der Kapuzinermönche denken. Die zweite Worthälfte stammt hingegen vom althochdeutschen „cresso“ ab, was ganz einfach „scharf“ bedeutet. Insofern erfolgte die Zuordnung der amerikanischen Pflanze zu den europäischen Kressegewächsen nicht durch den botanischen Sachverstand, sondern durch den Gaumen des Genießers. Denn die milde Schärfe der Blätter und Blüten der Kapuzinerkresse wird schon seit Menschengedenken als Gewürz geschätzt. Klein gehackte Blätter verfeinern den Geschmack von Salaten und Aufläufen, und die leuchtend bunten und essbaren Blüten bieten obendrein einen wahren Augenschmaus.

Besondere Beachtung verdient die Kapuzinerkresse aber auch hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe. Die Schärfe stammt nämlich von den Senfölglycosiden, die auch im Rettich und im Senf vorkommen. Diese Stoffgruppe besitzt eine ganz beeindruckende Heilkraft, Sie wirkt sowohl gegen Bakterien als auch gegen Viren und Pilze. So lindert die Kapuzinerkresse beispielsweise Infekte der Atem- und Harnwege. Auch Grippeviren werden massiv in ihrer Vermehrung gestört, und aktuelle Studien belegen die Wirksamkeit der Senföle bei der Wachstums-Hemmung von Tumoren. Außerdem enthalten die Blätter große Mengen an Vitamin C, was den menschlichen Körper nicht nur bei der Genesung, sondern auch bei der Vorbeugung von Krankheiten unterstützt. Wer also ein Stückchen Garten besitzt oder aber wenigstens Platz für einen großen Blumentopf auf dem Balkon hat, der ist gut beraten, ein paar Samenkörner zum Wohle der eigenen Gesundheit auszusäen.

Die Kapuzinerkresse wurde bereits 2013 zur „Arzneipflanze des Jahres“ gekürt. Eine eigene Briefmarke wurde ihr damals nicht gewidmet. Aber das holt die Deutsche Post ja nun am 1. Juli 2019 endlich nach.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Flockenblume“

Die Flockenblume aus der Familie der Korbblütler ist ein vielseitiger Überlebenskünstler. Ihre mehr als 260 verschiedenen Arten sind in Europa, dem Mittelmeerraum und Vorderasien verbreitet. Ab 1. Juli 2019 findet sich eine Vertreterin dieser auch Centaurea genannten Gattung auf einer Briefmarke der Dauerserie „Blumen“ in der Wertstufe zu 95 Cent. Das ist der neue Preis für die Beförderung eines Kompaktbriefs.

Für den Hobbygärtner ist die Flockenblume eine einzige Freude. Sie ist farbenprächtig und pflegeleicht und setzt als bis zu ein Meter große Staude bezaubernde Akzente in jeder naturnahen Gartenlandschaft. Schon im Februar oder März können die Pflanzen auf der Fensterbank vorgezogen werden. Ab April dürfen sie schließlich ins Beet. Sie mögen es gern komfortabel und freuen sich über ein mit Kompost oder Hornspäne gefülltes Pflanzloch. Mit ein bis zwei weiteren Düngergaben kommt die Flockenblume anschließend gut durch das Jahr. Besonders wohl fühlt sie sich an einem sonnigen Plätzchen. Dann beweisen ihre Blüten besonders viel Ausdauer. Im Gegensatz zu einigen anderen klassischen Wildblumen mag es die Centaurea aber nicht zu trocken. Lediglich Staunässe ist zu vermeiden. Sonst kann es nämlich zu Mehltaubefall kommen. Ansonsten braucht man sich über Pflanzenkrankheiten keine Gedanken zu machen.

Ist die erste bunte Pracht verblüht, können die Flockenblumen bis auf Bodennähe zurückgeschnitten werden. Sie treiben dann noch einmal aus und erfreuen uns mit einer zweiten Blüte, sofern es nicht zu spät im Jahr ist. Die auffälligen Fransen- oder Puschelblüten haben ihre Zeit zwischen Mai und Juli. Nach dem Rückschnitt im Herbst zieht sich die Blume komplett in die Erde zurück, wo sie den Winter über ruht. Besondere Vorkehrungen müssen für die Überwinterung nicht getroffen werden. Flockenblumen sind absolut winterhart. Alternativ kann der Gärtner die Blume auch im Herbst einfach stehen lassen. Dann verteilt sie noch ihre Samen, bevor sie in den Winterschlaf fällt. Auch gekaufte Flockenblumensamen können im September ausgebracht werden. Alternativen der Vermehrung sind die Teilung des Wurzelballens im Frühjahr oder Herbst sowie die sommerliche Entnahme von Wurzelschnittlingen, die sich im Topf entfalten, bevor sie schließlich bereit für die Auswilderung sind.

Einen außergewöhnlichen Nutzwert für den Menschen hat die Flockenblume nicht. Sie ist eher etwas fürs Auge. Einst hat man dies wörtlich genommen und aus den Blumen Extrakte zur Behandlung von Lidrandentzündungen gewonnen. Auch die bitteren Wurzeln können einen positiven Effekt auf die Verdauung haben, wie dies eigentlich alle Bitterstoffe tun. Ansonsten ist aber keinerlei medizinische Anwendung der Centaurea bekannt. Immerhin sind sie nicht giftig.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Wild-Gladiole“

Am 1. Juli 2019 erscheint eine weitere Briefmarke der Dauerserie „Blumen“ in der Wertstufe zu 110 Cent. So lautet der neue Preis für einen Standardbrief ins Ausland. Das Markenmotiv ist eine Wild-Gladiole, die zur Familie der Schwertliliengewächse gehört. Deren wohl bekannteste Vertreterin, die Schwertlilie, kennen wir in Deutschland auch unter dem Namen Iris. Doch trägt auch die Wildgladiole das Schwert im Namen, denn diese Waffe heißt auf Lateinisch „gladius“. „Gladiolus“ bedeutet also „kleines Schwert“.

Die Gladiole auf der Briefmarke ist eine typische Wildpflanze. Sie ist auch unter dem Namen Siegwurz bekannt, in diesem Fall konkret als Sumpf-Siegwurz. Wie der Name schon sagt, bevorzugt diese prächtige Blume Moorwiesen und Moorwälder. Sie kann sich an eine trockenere Umgebung anpassen, diese muss aber kalkhaltig sein und darf auch nicht zu stark gedüngt werden. Das verträgt die Gladiole nicht. Da sich in der europäischen Heimat der Wild-Gladiole die Sumpfhabitate überall im Rückzug befinden, verschwindet auch die Blume zunehmend aus der freien Natur. In Deutschland und Österreich gilt sie bereits als stark gefährdet. Weitere Bestände gibt es nur noch in Südosteuropa. Möglicherweise werden kommende Generationen nur noch die eigens als Schnittblumen gezüchteten Garten-Hybriden kennen. Die stammen vor allem aus Südafrika. Unsere heimischen Gladiolen oder Siegwurze sind ausdauernde, krautige Pflanzen, die mithilfe ihrer unterirdischen Knolle den Winter überdauern. Kauft man im Fachhandel Gladiolenzwiebeln, setzt man sie ungefähr fünf Zentimeter tief in die Erde, bevorzugt an einen sonnigen bis halbschattigen Platz. Man kann die Blumenzwiebeln sogar teilen.

Einst galten die Zwiebeln der Wildgladiolen als Talismane der besonderen Art. Da sie von einer Art Netz überzogen sind, das eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Kettenhemd hat, glaubten die Menschen im Mittelalter, dass eine am Leib getragene Knolle unverwundbar mache. Daher soll auch der Name Siegwurz stammen. Solche Überzeugungen waren damals nicht unüblich. Der französische König Karl VIII. verfügte einst über eine Truppe albanischer Söldner, die ihre vermeintliche Unsterblichkeit dem Evangelium des Johannes verdankten, welches sie sich in die gesteppten Jacken genäht hatten. Es ist wenig überraschend, dass diese frommen Krieger bald „ausgestorben“ waren. Möglicherweise zierten Wild-Gladiolen die Gräber mancher allzu gutgläubiger Ritter. Und möglicherweise sorgt die schöne Briefmarke vom 1. Juli 2019 dafür, dass im kommenden Jahr wieder vermehrt heimische Gärten von diesen schönen Schwertliliengewächsen bevölkert werden.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Buschwindröschen“

Wenn die ersten warmen Strahlen der Frühlingssonne auf den Waldboden fallen, kann der Spaziergänger mitunter große grüne Teppiche mit wunderschönen weißen, sternförmigen Blüten bewundern. Das ist die Anemone nemorosa, auch Buschwindröschen genannt. Sie zählt zu den ersten Frühlingsboten des Jahres. Dieser frühe Start zwischen Februar und Mai ist dadurch bedingt, dass die kleinen Hahnenfußgewächse für ihre Blüte die Zeit nutzen wollen, in der die Laubbäume des Waldes noch nicht voll ausgetrieben haben. Dadurch gelangen mehr Sonnenstrahlen bis auf den Boden. Erstrahlt der Forst hingegen in vollem Grün, zieht sich das Buschwindröschen langsam wieder zurück und ruht in der Erde bis zum nächsten Frühjahr. Dass die Kunden der Deutschen Post noch spät im Jahr, am 1. Juli 2019, in den Genuss kommen, dieser bezaubernden kleinen Blume zu begegnen, liegt an der umfassenden Portoerhöhnung. Fortan werden für einen Großbrief nämlich 155 statt 145 Cent berechnet. Daher wurde eine neue Freimarke der Blumen-Dauerserie vorbereitet.

Buschwindröschen gehören zu der Gruppe der Rhizom-Geophyten. Diese Überlebenskünstler haben ihre Kraftreserven in einer waagerechten Wurzel unter der Erdoberfläche. Im Frühjahr treibt die Wurzel an einem Ende aus und bildet für gewöhnlich genau eine Blüte. Wird diese durch Bestäuberinsekten befruchtet, entsteht eine Sammelfrucht mit sehr vielen kleinen Nüsschen. Fallen diese auf die Erde, keimen sie mitunter vor Ort. Oft werden die kleinen Nüsschen aber auch von Ameisen mitgenommen, was die Verbreitung des Buschwindröschens unterstützt. Angewiesen ist die Blume darauf aber nicht. Das Rhizom kann sich über viele Jahre immer weiter verzweigen und die Pflanze dadurch vegetativ vermehren. Es wurden schon Exemplare mit mehr als 100 Blütentrieben entdeckt. Während der Vegetationsphase sammelt die Pflanze genügend Energie für die nächste Saison und lagert diese erneut in ihrem Rhizom ein. Damit sich die Anemonen nicht unkontrolliert ausbreiten, hat die Natur ihnen einen ganz persönlichen Feind geschenkt, den gemeinen Anemonenbecherling. Dieser Pilz hat sich auf Windröschen spezialisiert. Er befällt vor allem das Rhizom und bleibt als Parasit mit der Pflanze verbunden. Neben dem Becherling kann auch der Rostpilz für das Buschwindröschen gefährlich werden. Er befällt allerdings nicht die Wurzel, sondern die oberirdischen Blätter.

So hübsch die kleinen Blüten für das menschliche Auge sind, so sehr sollte man sich aber davor hüten, Teile dieser Pflanze zu verzehren. Buschwindröschen sind für uns Menschen nämlich sehr giftig. Möglicherweise verdanken sie diesem Umstand auch den alten volkstümlichen Spitznamen Hexenblume. Für den Gärtner stellt eher die bucklige Verwandtschaft der Anemone eine Plage dar. Hahnenfußgewächse können im Gemüsebeet äußerst lästig werden. Solange das Buschwindröschen aber im Wald bleibt, ist es stets Freude, ihm zu begegnen.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Stiefmütterchen“

Auch der Kompaktbrief ins Ausland ist zum 1. Juli 2019 um 20 Cent teurer geworden. Für ihn muss der Kunde künftig 170 Cent bezahlen. Sollte er sich infolge dessen von der Deutschen Post stiefmütterlich behandelt fühlen, kann er dieser Regung nun wenigstens mit der Wahl des passenden Postwertzeichens Ausdruck verleihen. Denn die passende Briefmarke zeigt ein sogenanntes Wildes Stiefmütterchen im Markenbild.

Stiefmütterchen gehören zu den Veilchen. Ihren putzigen Namen erhielten sie lediglich aufgrund der charakteristischen Anordnung der Blütenblätter. Im breiten, unteren Kronblatt wollten einige besonders kluge Menschen das Verhalten der bösen Stiefmutter widergespiegelt gesehen haben. Dieses Blatt überdeckt nämlich die beiden darüberstehenden, die deshalb als die „Töchter“ in dem Narrativ auftauchen. Zwar ist dieser Name heute jedem geläufig, doch zeigen die vielen regionalen Alternativbezeichnungen für das Wilde Stiefmütterchen, dass es durchaus auch andere Assoziationen für die strahlend bunten Blüten gibt. Die bekanntesten Bezeichnungen lauten Ackerveilchen, Schöngesicht, Mädchenaugen, aber auch Muttergottesschuh und Christusauge. Letzterer Name machte das Stiefmütterchen auch einst zur Blume der Freidenker und der guten Gedanken. Da die Blume auch mit dem Gedenken an die Verstorbenen in Verbindung gebracht wird, findet sie häufig als Grabbepflanzung Verwendung.

Das Wilde Stiefmütterchen heißt botanisch Viola tricolor, also „dreifarbiges Veilchen“. Grund ist die unterschiedliche Färbung der fünf Blütenblätter. Während die oberen beiden meist blauviolett aufscheinen, sind die beiden mittleren ein wenig heller mit größerem Weißanteil, während das untere stiefmütterliche Blatt einen kräftigen Gelbton aufweist. Diese strahlende Farbgebung dient zusammen mit den typischen schwarzen Linien als Wegweiser. Hummeln und Bienen werden von ihnen magisch angezogen und gelangen dank dieser Markierungen geradewegs ins Zentrum der Blüte. Das ist besonders wichtig, weil die Stiefmütterchen zwar Zwitter sind, sich aber niemals selbst bestäuben können.

Die modernen Züchtungen, die Stiefmütterchen mit dem Namen Viola wittrockiana, verfügen natürlich über eine wesentlich größere Bandbreite an Farbkombinationen. Sie gehen aber sämtlich auf ihre wilden Verwandten zurück. Diese Erkenntnis hatte bereits den Botaniker Veit Wittrock dazu bewogen, die Garten-Stiefmütterchen zwar ausführlich zu beschreiben, ihnen aber als gekreuzte Bastarde den botanischen Titel zu verweigern. Dagegen, dass der skeptische Schwede sehr viel später von seinen Kollegen in den Namen der Blume gehoben wurde, konnte dieser sich freilich nicht mehr wehren, denn er war bereits verstorben. Vielleicht zieren sein Grab ja ein paar Stiefmütterchen.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Löwenmäulchen“

Die Portoerhöhung zum 1. Juli 2019 beschert den Postkunden eine Vielzahl neuer Briefmarken. Allein von den nassklebenden Freimarken der Blumenserie erscheinen acht neue Motive. Ein neuer Wert zu 190 Cent zeigt das Löwenmäulchen. Diese aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanze aus der Familie der Wegerichgewächse ist wegen ihrer charakteristischen Blütenform beliebt. Die farbenprächtigen Blüten variieren je nach Art zwischen zartem Rosa, Gelb und kräftigen Rottönen. Löwenmäulchen werden traditionell für Schnittblumenarrangements verwendet, finden sich aber mittlerweile auch in Bauerngärten und sogar auf Balkonen. Für den Kasten ist das Zwerglöwenmäulchen besonders geeignet, das lediglich 15 bis 20 Zentimeter groß wird. Das Herkömmliche Löwenmäulchen zählt mit seiner maximalen Höhe von 50 Zentimetern zu den niedrigen Staudengewächsen, während das Große Löwenmaul passenderweise auch den Namen Stauden-Löwenmäulchen trägt. Eine Vertreterin dieser botanisch Antirrhinum Majus genannten Art ziert die Briefmarke zu 190 Cent vom 1. Juli 2019.

Dieses bis zu einem Meter hoch stehende Gewächs ist eigentlich eine ausdauernde krautige Pflanze, da sie jedoch nicht winterhart ist, wird sie in unseren Breitengraden als einjährige Blume kultiviert und jeweils im Frühjahr neu ausgesät. In einem kühlen Wintergarten oder einem beheizten Gewächshaus kann sie aber durchaus den Winter überstehen. Wer diese Möglichkeiten nicht hat, braucht seine Löwenmäulchen einfach nur im Beet stehen zu lassen. Denn die Samenkörner überstehen die kalte Jahreszeit in der Erde und treiben im Frühjahr von selbst aus. Wer gekauftes Saatgut ausbringen möchte, kann dies im Freiland schon im April tun. Gelegentliche Nachtfröste schaden nicht. Wie viele andere Wildpflanzen ist auch das Löwenmaul eher genügsam. Ein wenig Kompost als Dünger wird gern genommen, zu viele Nährstoffe schaden aber eher, als dass sie nutzen. Gleiches gilt für die Bewässerung. Antirrhinum mag es lieber trocken. Staunässe sollte unbedingt vermieden werden.

Ihren deutschen Namen hat die Blume wegen ihrer interessanten Blütenform. Diese setzt sich aus vielen kleinen Einzelblüten zusammen, die eng an kurzen Stielen zusammenstehen. Übt man von den Seiten einen sanften Druck auf die Blüte aus, öffnet sich das „Mäulchen“, und der typische gelbe Fleck auf der „Unterlippe“ wird sichtbar. Für Bestäuber stellen diese Blüten eine kleine Herausforderung dar. Nur kräftigen Insekten gelingt es, die Lippe aufzudrücken, um an den Nektar zu gelangen.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Habichtskraut“

Am 1. Juli 2019 erfreut die Post ihre Kunden mit einer Vielzahl neuer Freimarken der Blumen-Dauerserie, um ihnen die passenden Postwertzeichen nach der Gebührenerhöhung an die Hand zu geben. Da sich auch der Maxibrief um 10 Cent verteuert hat, wird eine neue 270-Cent-Briefmarke für die Einzelfrankatur benötigt. Diese ziert eine Blüte des Habichtskrauts.

Auf den ersten Blick ähnelt das Habichtskraut dem Löwenzahn. Diese Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr, gehören doch beide zur Familie der Korbblütler. Wenn man aber genau hinschaut, wird der Unterschied bei der Ausformung der Blütenblätter deutlich. Während beim Löwenzahn die Spitze des gelben Blatts wie gekappt ausschaut, ist beim Habichtskraut eine feine Zähnung zu erkennen, die tatsächlich ein wenig an die Schwanzfedern eines Greifvogels erinnert. Es gibt aber auch Quellen, die besagen, die Blume habe ihren Namen durch ihre eigentümliche Heilkraft erhalten. Wer oft genug den weißen Milchsaft trinke, dessen Augen würden immer schärfer, bis sie schließlich die Sehkraft eines Habichts hätten. Wer möchte, kann dies gern ausprobieren. Selbst wenn es nicht funktioniert, schadet es nicht. Denn in jedem Fall haben die Blätter des Habichtskrauts eine mild entzündungshemmende Wirkung und können als Tee oder Kaltaufguss getrunken oder als Spülung verwendet werden.

Die Gattung der Habichtskräuter umfasst eine schier unüberschaubare Sippschaft. Allein in Deutschland wachsen rund 180 Arten. Insgesamt geht die Zahl gegen 1000. Die Pflanze ist in Europa und Nordasien heimisch, aber mittlerweile gedeiht sie auch als Neophyt in Amerika und Neuseeland. Hat sie erst einmal ein passendes Plätzchen gefunden, eine trockene Wiese, einen Feldrand oder aber eine Waldlichtung, verbreitet sie sich – ähnlich dem Löwenzahn – sehr zügig und für den Menschen nahezu unkontrollierbar. Idealerweise wird der körbchenförmige Blütenstand während der Blütezeit, die von Mai bis August dauert, bestäubt. Dann bildet das Habichtskraut bis zu über 100 kleine nussartige Samen aus, die vom Wind davongetragen werden. An kleinen „Fallschirmen“ hängend fliegen sie kilometerweit. Alternativ kann sich das Kraut aber auch mithilfe seiner Pfahlwurzel verbreiten. Diese wächst ober- oder unterirdisch weiter und bildet kleine bewurzelte Rosetten, aus denen neue Blumen sprießen.

Das Habichtskraut ist mehrjährig und sehr ausdauernd. Außerdem gibt es für fast jeden Bodentyp eine passende Art, sodass diese Blume in fast allen Vegetationszonen angetroffen wird. Im Allgäu ist sie bis auf 1800 Meter Höhe geklettert. Das ist aber eher die Ausnahme. In der Regel endet ihr Habitat dort, wo sich auch Laubbäume nicht mehr heimisch fühlen.

 

 

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1. Juli 2019 „Blumen: Kornblume“

Einst stand die herrlich blau leuchtende Kornblume überall auf den Seitenstreifen der Äcker und Felder. Daher erhielt sie auch ihren Namen. Doch führte die zunehmende Verwendung von Dünger auf den Getreidefeldern beinahe zum Aussterben der schönen Blume. Ist der Boden nämlich überdüngt, geht die Kornblume ein. Erst seitdem die übermäßige Düngung durch die industrielle Landwirtschaft ins Bewusstsein der Menschen und der Politik gerückt ist, erholen sich die Bestände dieser Ackerwildblumen wieder. Am 1. Juli 2019 erscheint die Kornblume erstmals auf einer Freimarke der Blumenserie. Die Wertstufe von 60 Cent dient künftig dem Versand von Postkarten, eine Leistung, die bisher 45 Cent kostete. Es bleibt zu hoffen, dass die Folgen dieser üppigen Preiserhöhung nicht ähnlich dramatisch sein werden wie die Überdüngung beim Markenmotiv.

Unter guten Bedingungen – auf durchlässigem, nährstoffarmem Boden und mit viel Sonne – erreichen Kornblumen Höhen von bis zu einem Meter. Blätter und Stängel sind filzig behaart. Die körbchenförmigen Blütenstände setzen sich aus bis zu 35 kleinen Röhrenblüten zusammen, von denen nur die inneren fruchtbar sind. Die Vermehrung erfolgt durch Bestäuberinsekten, die Samen werden auch von Ameisen verschleppt, was die Ausbreitung begünstigt. Die Kornblume wird schon seit der Antike als Heilkraut eingestuft. Angeblich soll der Botaniker Carl von Linné an eine Überlieferung des griechischen Arztes Hippokrates gedacht haben, als er die Blume als Centaurea bezeichnete. Der Sage nach soll nämlich der Zentaur Chiron mit ihrer Hilfe den großen Achill geheilt haben. Im Mittelalter erfreute sich die Kornblume als mildes, aber allgegenwärtiges Hausmittel gegen Entzündungen aller Art großer Beliebtheit. Heute ist diese Verwendung weitgehend in Vergessenheit geraten, da es keinerlei offizielle Studien über die Wirksamkeit der Blume gibt. Früher wussten die Menschen aber, dass die regelmäßige Verwendung möglichst vieler unterschiedlicher Wildpflanzen die Widerstandskraft des Körpers gegenüber Krankheiten grundsätzlich verbessert. Eine typische Teemischung mit Kornblumenanteil enthält beispielsweise Pfefferminze, Schafgarbe und Tausendgüldenkraut. Sie dient der Linderung von Verdauungsbeschwerden.

Schwer verdaulich hingegen ist die Symbolkraft, die der blauen Blume in der Vergangenheit immer wieder angedichtet wurde. Stand sie einst für Natürlichkeit, entdeckten um die Wende zum 20. Jahrhundert verschiedene völkische Bewegungen in Süddeutschland und Österreich die Kornblume für sich, sodass sie immer wieder als Erkennungszeichen für eine rassistische oder antisemitische Gesinnung missbraucht wird. In der DDR wurde eine Umsiedelungsaktion im Herbst 1961 mit dem Tarnnamen „Aktion Kornblume“ versehen. Auch in den USA findet sich die Kornblume bei Umzügen der Auslandsdeutschen, insbesondere bei der Steuben-Parade. Der preußische Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben hatte einst George Washingtons zusammengewürfelte Rebellentruppe in eine schlagkräftige Armee verwandelt und wird seither als Unabhängigkeitsheld verehrt.

 

 

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1. Juli 2019 „Mikrowelten: Mondgestein“

Der Juli 2019 steht auch bei der Deutschen Post ganz im Zeichen des Mondes. Und so strahlt das Jubiläum „50 Jahre Mondlandung“ auch in die aktuelle Ausgabe der Mikrowelten-Serie hinein. Daher ziert ein Stück Mondgestein in 30-facher Vergrößerung die Briefmarke vom 1. Juli 2019. Die 80-Cent-Briefmarke für den Standardbrief nach neuer Tariftabelle wurde natürlich wieder vom Mikrofotografieexperten Manfred P. Kage entworfen.

Mondgestein zählt zu den kostbarsten Substanzen auf der Erde. Das liegt weniger daran, dass die Substanz in irgendeiner Form für das Fortbestehen der Menschheit von Relevanz ist, sondern daran, dass nur verhältnismäßig wenig davon bei uns existiert. Die sechs Mond-Missionen der Amerikaner brachten – alle Proben zusammengerechnet – weniger als 400 Kilogramm Mondgestein mit auf die Erde. Die sowjetischen Lunamissionen kamen auf gerade einmal 300 Gramm, während sämtliche auf der Erde gefundenen Mondmeteoriten insgesamt um die 30 Kilogramm wiegen. Mondmeteoriten sind Stücke der Mondoberfläche, die durch Meteoriteneinschläge aus der Oberfläche geschlagen und in Richtung Erde katapultiert wurden.

Das Gestein der Erde und unseres Erdtrabanten ist sich grundsätzlich sehr ähnlich. Allerdings ist das lunare Gestein sehr viel älter als sämtliche Gesteine der Erde. Die jüngsten Proben vom Mond sind rund 3,2 Milliarden Jahre alt, die ältesten sogar bis zu 4,6 Milliarden Jahre. Die meisten stammen aus der Zeit des sogenannten „Großen Bombardements“. Dieser Meteoritenhagel traf unser Sonnensystem ungefähr eine halbe Milliarde Jahre nach dessen Entstehung. Während auf der durch die Plattenverschiebungen verwandelten Erdoberfläche keinerlei Spuren dieser Einschläge mehr zu entdecken sind, ist die Mondoberfläche bis heute deutlich von diesem Ereignis geprägt. Die Mondmeere, Mondkrater und Ringgebirge sollen durch Meteoriten gebildet worden sein. Es wird vermutet, dass die US-amerikanischen Apollo-Raumschiffe Proben aus dieser Zeit einsammelten.

Das Gestein des Mondes enthält ähnlich viele Sauerstoff-Isotope wie das der Erde, dafür mangelt es aber an flüchtigen Stoffen wie Natrium und Kalium. Bekanntlich fehlt auch jegliches Wasser. Eisen ist hingegen in Spuren vorhanden. Inwiefern die Bodenschätze des Mondes einmal für uns Menschen von Interesse sein werden, hängt von der Frage ab, ob die Wirtschaftskreisläufe auf der Erde weiterhin durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen befeuert werden, oder ob die Menschheit sich eines Tages wieder subsistent versorgt. Schlimmstenfalls wird die Erde durch unser Wirtschaften jedoch unbewohnbar sein, bevor überhaupt die technischen Möglichkeiten zur Nutzung lunarer Rohstoffe entwickelt wurden.

 

 

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1. Juli 2019 „50 Jahre erste Mondlandung“

Die Deutsche Post begeht am 1. Juli 2019 ein ganz besonderes Jubiläum, nämlich den 50. Jahrestag der ersten Mondlandung. Aus diesem Anlass erscheint eine Sondermarke in der Wertstufe zu 370 Cent. Diese Briefmarke wird auch noch zusätzlich im Blockformat mit schöner Randgestaltung aufgelegt. Der Frankaturwert eignet sich zum Versand eines Maxibriefes mit Prioritätszuschlag.

In den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1969 betrat erstmals ein Mensch den Mond. Am 16. Juli waren die drei US-Astronauten Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins an Bord einer Trägerrakete vom Typ Saturn V vom Weltraumbahnhof Kennedy Space Centre aus gestartet. Mehr als drei Tage dauerte ihre Reise durch das All, bis sie am 19. Juli in eine Mondlaufbahn einschwenkten. Hier trennten sich ihre Wege. Während Collins als Pilot der Apollo-11-Kommandokapsel im Orbit blieb, bestiegen Armstrong und Aldrin die Mondlandefähre „Eagle“ und leiteten den Sinkflug hinunter zur Mondoberfläche ein. Das Landemanöver verlief nicht ganz nach Plan. Ein Computerfehler ließ die Fähre auf ein Geröllfeld zusteuern, sodass Kommandeur Armstrong auf Handsteuerung umschalten musste. Die Landung glückte, nur war der genaue Ort nicht bekannt. Zwar wussten die Astronauten, dass sie sich im sogenannten „Meer der Ruhe“ befanden, aber die exakten Koordinaten, die für das Rückflugprozedere benötigt wurden, fehlten. Der im Orbit kreisende Collins konnte den „Eagle“ ebenfalls nicht entdecken.

Die beiden Astronauten ließen sich indessen nicht beirren. Streng nach Plan bereiteten sie zuerst ihren späteren Rückflug vor. Dabei stellte Aldrin fest, dass ein Hebel abgebrochen war. Zum Glück konnte er diesen durch einen Filzstift ersetzen. Nach weiteren drei Stunden Vorbereitungen war es endlich soweit: Neil Armstrong verließ in seinem Raumanzug die Landefähre und setzte als erster Mensch der Welt einen Fuß auf die Mondoberfläche. Dieser Moment wurde live von einer Kamera übertragen. Unten auf der Erde verfolgten mehr als eine halbe Milliarde Menschen diese beeindruckenden Szenen auf ihren Fernsehbildschirmen. Eine Viertelstunde nach Armstrong folgte Aldrin. Die beiden Astronauten hissten die amerikanische Flagge, bauten einige mitgeführte Messgeräte auf und nahmen Proben von der Mondoberfläche. Nach rund zweieinhalb Stunden war der erste Mondspaziergang der Menschheitsgeschichte beendet. Am späten Nachmittag des 21. Juli hob die Landefähre wieder vom Mond ab, und es gelang den Astronauten, auf ihrer Umlaufbahn die Kommandokapsel mit Michael Collins zu orten, anzudocken und umzusteigen. Wieder vereint, machten sich die drei auf den Rückflug zur Erde, die sie am 24. Juli 1969 erreichten. In den späten Nachmittagsstunden wasserte das Raumschiff im Pazifik, wo die Astronauten sofort von Marineeinheiten geborgen wurden. Michael Collins, der als einziger nicht den Mond betreten hatte, bekam später das Angebot, dies im Rahmen der Mission Apollo 17 nachzuholen. Doch Collins winkte ab. Er hatte seine Aufgabe erfüllt und wollte das Schicksal kein zweites Mal herausfordern. Er hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern.

 

 

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1. Juli 2019 „Die Polizei des Bundes und der Länder“

Wohl kaum eine Berufsgruppe wird in der Öffentlichkeit so vielfältig und manchmal sogar widersprüchlich wahrgenommen wie die Polizei. Während sich absolut jeder freut, wenn sein Leben, seine Gesundheit und vor allem sein Hab und Gut von der Polizei geschützt werden, kann sich diese positive Haltung unmittelbar ins Gegenteil umkehren, wenn ein Verkehrspolizist mit einer roten Kelle am Straßenrand steht. In beiden Fällen macht der Beamte einfach nur seine Arbeit. Am 1. Juli 2019 wird der Polizei eine eigene Briefmarke gewidmet. Sie ist in den üblichen Polizeifarben Blau und Silber gehalten, ergänzt durch die neongelben Streifen der Landespolizei.

Die Aufgabenbereiche der Polizei sind in der Bundesrepublik Deutschland sehr klar definiert. An vorderster Stelle steht die sogenannte Gefahrenabwehr, also das Sorgen für Sicherheit und Ordnung. Die abzuwehrenden Gefahren beziehen sich laut Definition nicht auf Gefährdungen des einzelnen Bürgers, sondern es geht dem Gesetz um den Schutz der Rechtsgüter. Damit ist gemeint, dass beispielsweise das Recht des Bürgers auf körperliche Unversehrtheit geschützt wird, ebenso wie sein Recht auf Eigentum. Diese Formulierung erinnert daran, dass alle persönliche Sicherheit von der Wahrung der Verfassung abhängt – eine Tatsache, die in hitzigen Zeiten gern einmal von Hitzköpfen vergessen wird.

Da bekanntlich die individuellen Rechte nur allzu oft verletzt werden, muss die Polizei viel Mühe auf ihren zweiten Aufgabenbereich verwenden: die Strafverfolgung. Da die Staatsanwaltschaft laut gesetzlich vorgeschriebener Gewaltenteilung keine eigenen ausführenden Organe haben darf, ist sie auf die Mitarbeit der Polizei als ausführendes Organ angewiesen. Fahndungen, Durchsuchungen oder Beschlagnahmungen sind darüber hinaus nicht ungefährlich und eine Aufgabe für Profis. Die Polizei hat für alle diese Einsatzgebiete ausgebildete Spezialisten.

Der wohl bekannteste Polizeibeamte ist der Schutzpolizist. Er übernimmt den Streifendienst und nimmt bei Verkehrsunfällen den Sachverhalt auf. Ihm nahe steht der Kontaktbereichsbeamte, der auf Augenhöhe den Kontakt mit dem Bürger auf der Straße aufrechterhalten soll. Für die Sicherheit und Ordnung im Verkehr gibt es den Verkehrspolizisten und die Wasserschutzpolizei. Ist die Sicherheit des öffentlichen Raums durch größere Gruppen bedroht oder aber die Sicherheit einer ordnungsgemäß angemeldeten Demonstration durch andere Gruppen gefährdet, ist die Bereitschaftspolizei gefragt. Sie steht bei vielen Menschen in dem Ruf, besonders ruppig vorzugehen, aber möglicherweise bringt ihre Arbeit das mit sich. Es ist stets sinnvoll, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, um ihr Handeln besser zu verstehen. Geht es schließlich um die Aufklärung von Verbrechen, kommt die unauffälligste Polizeieinheit zum Zuge: die Kriminalpolizei. Ihre Beamten agieren meist in ziviler Kleidung. Dadurch haben sie das Überraschungsmoment auf ihrer Seite.

In der Regel ist die Polizeiarbeit in der Bundesrepublik Deutschland eine Länderaufgabe. Nur wenn es um den Schutz der Landesgrenzen oder den länderübergreifenden Verkehr geht, kommen besondere Beamte zum Einsatz. Diese gehören der Bundespolizei an, die 2005 aus dem Bundesgrenzschutz hervorgegangen ist.

 

 

 

 

 Briefmarkenserie Himmelsereignisse

 

 

 Briefmarkenserie Astrophysik

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1. Juli 2019 „Astrophysik: Mission Rosetta und Schwarzes Loch/Quasar“

Am 1. Juli 2019 wird die beliebte Astrophysik-Serie mit zwei Briefmarken fortgesetzt. Die beiden Wertstufen zu 60 und 110 Cent können als Einzelfrankaturen für eine Postkarte im Inland sowie einen Standardbrief im internationalen Postverkehr verwendet werden.

Das erste Motiv zeigt die ESA-Rausonde Rosetta und den Kometen Tschuri. Rosetta wurde am 26. Februar 2004 an Bord einer Ariane-Rakete auf ihre Reise geschickt. Ziel der Mission war der Komet Tschuri, der bereits seit längerer Zeit im Fokus der Forschung steht. Der unregelmäßig geformte Körper hat nämlich unter Einwirkung der Schwerkraft des Planeten Jupiter seine regelmäßige Bahn verlassen und wird in absehbarer Zeit entweder in die Sonne stürzen oder an ihr vorbei fliegen und das Sonnensystem verlassen. Rosetta sollte sich dem Kometen soweit nähern, dass von der Sonde aus ein Landungsmodul zur Oberfläche geschickt werden konnte, um unmittelbar vor Ort Proben zu analysieren. Schon der Flug Rosettas zum Kometen war eine logistische Meisterleistung. Mithilfe mehrerer sogenannter „Swing-By-Manöver“, bei denen das Objekt in das Gravitationsfeld eines Planeten eintaucht und daraus den benötigten Schwung für den Weiterflug gewinnt, wurde Rosetta auf den richtigen Kurs gebracht. Allein für diese vorbereitenden Runden um Erde und Mars benötigte die Sonde fünfeinhalb Jahre. Vom Sommer 2011 bis Sommer 2014 wurde das Gerät in den Tiefschlaf versetzt, bis Rosetta schließlich in 30 Kilometern Höhe in eine Umlaufbahn um den Kometen einschwenkte. Leider gelang es nicht, die Landeeinheit „Philae“ optimal auf der Kometenoberfläche aufsetzen zu lassen. Dadurch erhielten die Solarzellen des Landers zu wenig Energie. Nach gerade einmal zwei Tagen schaltete sich „Philae“ aus. Bis dahin wurden immerhin Radar-, Infrarot und Magnetfeldmessungen vorgenommen. Außerdem konnte die Oberflächendichte untersucht und mithilfe eines Massenspektrometers die chemische Zusammensetzung analysiert werden. Im September 2016 fand die Rosetta-Mission ein Ende. Die Sonde wurde kontrolliert auf den Kometen gelenkt, wo sie vor ihrem Aufprall letzte Bilder machte.

Die zweite Briefmarke zeigt einen Quasar, den am hellsten scheinenden Himmelskörper. Diese Objekte waren zwar früher als Strahlenquellen bekannt, von denen man aber nur wusste, dass sie keine Sterne waren. Daher stammt auch der Name. „Quasar“ ist die Kurzform von „quasi-stellar radio source“. Heute weiß man, dass es sich bei diesen Radioquellen um aktive Zentren von Galaxien handelt. Vermutlich sind diese Zentren aktive Schwarze Löcher, die von einer Scheibe leuchtender Materie umgeben sind. Das Leuchten entsteht möglicherweise durch die Reibung der Materie beim Sturz in das Schwarze Loch. Die Leuchtkraft entspricht der von mehreren Milliarden Sonnen, sodass sie die komplette Galaxie erhellt und über Milliarden von Lichtjahren noch sichtbar ist. 1996 wurde durch Beobachtungen des Weltraumteleskops Hubble der Beweis für die Existenz von Quasaren erbracht.

 

Briefmarken August 2019

 

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1. August 2019 „100 Jahre Weimarer Reichsverfassung“

Am 1. August 2019 würdigt die Post die vor 100 Jahren in Kraft getretene Weimarer Reichsverfassung mit einer Sondermarke zu 95 Cent. Damals gab sich Deutschland erstmalig in seiner Geschichte eine demokratische Staatsform. Die Briefmarke verkündet daher im Markenbild: „Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus.“

Seit den Befreiungskriegen hatten sich in Deutschland immer wieder liberale Bewegungen gebildet, die neben der Einheit auch die demokratische Mitbestimmung forderten. Der Übergang vom Feudalismus ins Zeitalter der konstitutionellen Monarchien hatte zwar in Maßen die bürgerlichen Rechte und Freiheiten gestärkt, doch konnten auch im Kaiserreich trotz Reichstag und Bundesrat viele schwerwiegende Entscheidungen allein vom Monarchen und seinem Kanzler gefällt werden. Eine effektive Kontrolle gab es nicht, sodass sich im Krieg die fatale Rolle der Obersten Heersleitung als inoffizielle Reichsregierung ausbilden konnte. Frauen waren gar nicht repräsentiert. Sie verfügten weder über aktives noch über passives Wahlrecht.

Nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des Reichs im November 1918 sollte dem Land eine neue und demokratische Staatsform verliehen werden. Am 19. Januar 1919 gab es allgemeine und freie Wahlen für die Nationalversammlung. Erstmals waren die Frauen bei diesen Wahlen vollkommen gleichberechtigt. Die Nationalversammlung tagte ab dem 6. Februar des Jahres im verhältnismäßig ruhigen Weimar. In Berlin wurde die Sicherheitslage seit den Kämpfen zwischen Spartakisten und Freikorps kritisch eingeschätzt. Außerdem erhoffte man sich vielleicht einen zivilisierenden Einfluss der Wahlheimat Goethes und Schillers auf die Delegierten. Die Entscheidungsfindung der Versammlung war nicht einfach. Viele Vertreter waren eigentlich Verfechter der Monarchie und wollten traditionelle Vorrechte verteidigen. Erst am 31. Juli 1919 kam es zur Abstimmung über die neue Verfassung. Sie wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen, und am 11. August unterzeichnete Reichspräsident Friedrich Ebert das Dokument. Dieser Tag galt fortan als „Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland“ und wurde alljährlich als Nationalfeiertag der Republik begangen.

Die Weimarer Reichsverfassung wurde formell nie außer Kraft gesetzt. Allerdings hatte sie bereits unter den Präsidialkabinetten Hindenburgs viel von ihrer demokratischen Kraft verloren, bevor sie ab 1933 planmäßig von den Nationalsozialisten ausgehebelt wurde. Theoretisch gab es auch mit der Einführung des Grundgesetzes keine Verfassungsablösung, faktisch wurde sie aber durch die Annahme einer neuen, vollgültigen Verfassung 1949 vollzogen. Das Jubiläum „100 Jahre Weimarer Reichsverfassung“ eignet sich in jedem Fall dazu, sich den Wert einer demokratischen Staatsform in Erinnerung zu rufen und in sich selbst die Bereitschaft zu suchen, für deren Erhalt einzustehen.

 

 

 Briefmarke Fledermäuse

 Briefmarke Fledermäuse

 Briefmarke Fledermäuse

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1. August 2019 „Für die Jugend: Fledermäuse“

Es scheint bei der Deutschen Post die Auffassung zu geben, dass sich Kinder und Jugendliche hauptsächlich für Märchen, Flugzeuge und Autos oder aber Tiere interessieren. Zumindest überwiegen diese traditionellen Themen bei der Motivauswahl für die Jugendmarken. Aktuell sind wieder Tiere an der Reihe, und so erscheinen am 1. August drei neue Zuschlagsmarken für die Jugend. Auf den Werten zu 80 + 30, 95 + 40 und 155 + 55 Cent sind verschiedene Fledermausarten abgebildet.

Den Anfang macht auf der Briefmarke für den Standardbrief die Kleine Hufeisennase. Diesen außergewöhnlichen Namen hat der Flugsäuger nicht von ungefähr. Die Nasenöffnungen bei Tieren dieser Familie sind von blattartigen Hautbildungen umgeben, die an ein Hufeisen erinnern. Diese eigenartigen Auswüchse ermöglichen es ihnen, auch bei geschlossenem Mund akustische Signale auszusenden und gleichzeitig zu empfangen. Das ist besonders praktisch, da die Kleine Hufeisennase eine Nachtjägerin ist. Die Tiere bevorzugen strukturreiche Landschaften und siedeln sich auch in den Wäldern der Mittelgebirge an. In Deutschland gelten die Kleinen Hufeisennasen als vom Aussterben bedroht. Da diese Fledermäuse aber in weiten Teilen Süd- und Mitteleuropas leben, sind ihre Bestände insgesamt gesichert.

Auf der Briefmarke für den Kompaktbrief ist das Graue Langohr zu sehen. Der Name erklärt sich von selbst. Auch diese Fledermäuse jagen nachts. Sie bevorzugen allerdings freies Gelände, Felder, Täler und Flussauen. Ihre Unterkünfte finden sie häufig an Häusern, daher sind diese Langohren auch typische Dorffledermäuse. Für den Menschen sind die Tiere eher nützlich, da sie hauptsächlich Nachtfalter verzehren. Man könnte sie also als natürliches Mottenvertilgungsmittel bezeichnen. Durch den vermehrten Einsatz von Pestiziden und Holzschutzmitteln ist diese unausgesprochene Partnerschaft jedoch gefährdet. In Deutschland nehmen die Vorkommen des Grauen Langohrs ab.

Die Fledermaus auf dem Wert für den Großbrief hört auf den wissenschaftlichen Namen Barbastella barbastellus. Sie zählt zu den sogenannten Glattnasen. Wegen ihrer sehr gedrungenen Schnauze wird sie im Deutschen als Mopsfledermaus bezeichnet. Sie wird zu den „stummen Arten“ gerechnet, weil sie nicht so häufig Rufsignale aussendet wie andere Fledermausarten. Tatsächlich braucht sie das auch nicht, da sie sich spezialisiert hat. Die Mopsfledermaus kann nämlich gleichzeitig durch den Mund und die Nase nach unten und oben gerichtete Rufe ausstoßen. Sie hat also die Funktionen von Orientierung und Beuteortung aufgeteilt. Einst lebte die dämmerungsaktive Mopsfledermaus häufig in der Nähe der Menschen. Doch durch die Zunahme von Umweltgiften und den Verlust ihrer Wochenstuben durch Baumaßnahmen wandern die Tiere in die Wälder ab. Für den Winterschlaf benötigen sie aber frostfreie Höhlen oder Keller. Die Mopsfledermaus zählt zu den gefährdeten Arten.

Briefmarken September 2019

 

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5. September 2019 „Tag der Briefmarke: Briefmarkensammeln“

Man könnte der Post den Vorwurf der Redundanz machen. Am 5. September 2019 feiert sie mit einer Briefmarke den Tag der Briefmarke und legt dabei den Fokus auf das Briefmarkensammeln. Es ist natürlich richtig, für dieses schöne und traditionsreiche Hobby zu werben. Die Post erreicht mit ihrer Botschaft aber vermutlich nur die Menschen, die ohnehin schon ein gewisses Interesse für Briefmarken hegen.

Die Geschichte des Briefmarkensammelns ist so alt wie die Briefmarke selbst. Seit der „One Penny Black“ von 1840 werden Postwertzeichen gesammelt, analysiert, getauscht und gehandelt. Dabei erlebte diese Freizeitbeschäftigung erstaunliche Hochphasen, in denen die Briefmarke gar als „Aktie des kleinen Mannes“ bezeichnet wurde. Doch wie es mit spekulativen Werten so seine Art ist, können die vermeintlichen Werte sich schnell als Blase entpuppen. Wie sagte ein großer Philatelist einmal: „Man sollte nur so viel Geld in seine Sammlung stecken, wie man übrig hat.“ Das soll heißen, eine seriöse Methode, mithilfe von Briefmarken Rendite zu erwirtschaften, gibt es nicht. Dennoch verschafft die Briefmarke dem Sammler großen Gewinn, denn der Philatelist erweitert seinen Horizont, entdeckt immer neue Zusammenhänge und erschafft in seiner Kollektion ein eigenes Panorama der Welt, in der wir leben. Das ist unbezahlbar.

Seit geraumer Zeit erlebt die Briefmarke im Alltagsleben einen bedauerlichen Bedeutungsverlust. Einerseits hat die Entwicklung zahlreicher digitaler Kommunikationswege das Medium Postverkehr auf verschiedenen Wegen überflügelt, andererseits hat sich das Betätigungsfeld des Sammelns komplett verändert. Im analogen Zeitalter konnte man den Reiz des Sammelns noch allgegenwärtig spüren. Ob Briefmarken, Bierdeckel, Kronkorken oder Zuckertütchen – jeder Urlaub versprach exotische Schätze. Jedes Stück hatte seine Geschichte und war nicht so leicht wiederzubeschaffen. Das sieht heute anders aus. Über das Internet kann quasi jedes Objekt weltweit bezogen werden. Der Wert übersteigt häufig kaum die Versandkosten. Alles ist überall verfügbar. Dadurch verlagert sich die Sammelwürdigkeit auf Stücke, die auch nach heutigen Maßstäben selten und begehrt sind. Interessanterweise werden dadurch alte Briefmarken und historische Sammelobjekte wieder in den Fokus gehoben. Aussterben wird das Briefmarkensammeln vermutlich erst gemeinsam mit der Menschheit. Denn die Beschäftigung mit den kleinen gezackten Kostbarkeiten ist einfach zu schön. Jede Briefmarke ist Zeitzeugin der Vergangenheit. Und wer seine Vergangenheit vergisst, der hat in der Regel keine Zukunft. Aber diese Erkenntnis muss vermutlich erst noch reifen.

 

 

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5. September 2019 „200. Geburtstag Clara Schumann“

Mitte September hätte die Pianistin und Komponistin Clara Schumann ihren 200. Geburtstag gefeiert. Die Post ehrt die große Künstlerin am 5. September 2019 mit einer eigenen Sondermarke zu 170 Cent, dem Porto für einen Kompaktbrief ins Ausland.

Clara Schumanns Leben war von Kindesbeinen an von der Musik geprägt. Ihre Mutter war ausgebildete Sängerin und Pianistin, und ihr Vater, Friedrick Wieck, der eigentlich studierter Theologe war, hatte früh das Berufsfeld gewechselt und betrieb eine Klavierfabrik inklusive Instrumentenverleih. Außerdem arbeitete er als Musikpädagoge und bildete Pianisten aus. Seiner kleinen Tochter war das Talent offensichtlich in die Wiege gelegt, und so entdeckte ihr Vater bald ein neues Aufgabenfeld für sich. Er wollte als Erschaffer, Lehrer und Manager eines musikalischen Wunderkindes Erfolg und Anerkennung gewinnen. Für die kleine Clara Wieck bedeutete diese Entscheidung, dass ihr eine normale Kindheit vorenthalten blieb. Stundenlanges Üben am Instrument, unzählige Konzerte und ein ausschließlich von väterlichem Ehrgeiz und Disziplin geprägter Alltag bestimmten ihre jungen Jahre.

Der Plan ging vorerst auf. Die Pianistin begeisterte ihr Publikum und erarbeitete sich rasch den Ruf einer exzellenten Virtuosin. Sie machte die Bekanntschaft mit den größten zeitgenössischen Künstlern und erwarb zahlreiche Auszeichnungen, sowohl für ihren meisterhaften Vortrag als auch für ihre eigenen Kompositionen. Doch der väterliche Einfluss, der alle diese Aktivitäten inszenierte und lenkte, geriet ins Wanken – ausgelöst ausgerechnet durch die Arbeit des Vaters. Der hatte nämlich zeitweise einen talentierten jungen Mann zum Zwecke der Ausbildung bei sich aufgenommen: Robert Schumann. Aus der kindlichen Schwärmerei Claras entwickelte sich über die Jahre eine tiefe Liebe, die Schumann teilte. Allen Versuchen ihres Vaters zum Trotz, das Paar zu trennen, hielten sie Kontakt, und im Alter von 20 Jahren verließ Clara nach einer ausgedehnten Frankreichtournee ihren Vater und zog zu ihrer Mutter. Ein Jahr später folgte die Heirat mit Robert Schumann.

Die Künstlerehe der beiden war weitgehend von gegenseitiger Wertschätzung und Inspiration erfüllt, auch wenn das zeitgenössische Rollenverständnis der Geschlechter nicht spurlos an ihrer Verbindung vorüberging. Das auf der Briefmarke abgebildete Zitat stammt aus diesem Spannungsfeld. Robert Schumann wünschte sich, dass Clara weniger Konzerte spielte und sich stärker – so wie er – der Komposition widmete. Doch vermochten diese Wünsche die talentierte Pianistin nicht aufzuhalten, zumal die Konzertgagen sehr willkommen waren. Robert Schumanns Arbeit war finanziell nicht so erfolgreich, wie sein Rang in der Musikgeschichte vermuten lässt. Clara Schumann setzte also erfolgreich ihre internationale Karriere fort. Die Bekanntschaft und enge Freundschaft mit dem jungen Johannes Brahms beflügelte noch einmal beider musikalische Leidenschaft, doch bald wurde aus Robert Schumanns „Stimmungsschwankungen“ ein ernsthaftes seelisches Leiden. Er verlor seine Anstellung und den Lebensmut und endete in einer Nervenheilanstalt.

Für Clara Schumann wurden die leidvollen Jahre bis zum Tod ihres Ehemanns einzig durch die enge Freundschaft zu Brahms gelindert, dessen Liebe sie allerdings nicht in seinem Sinne erwiderte. Sie gab die Kinder zu Verwandten und war bis ins hohe Alter aktive Konzertpianistin, unterrichtete am Frankfurter Konservatorium und arbeitete an einer Werkausgabe der Kompositionen ihres verstorbenen Gatten. Ab ihrem 70. Lebensjahr bereiteten ihre gesundheitlichen Probleme zunehmend Schwierigkeiten, insbesondere ein Gehörleiden behinderte weitere musikalische Arbeit. Clara Schumann starb im Alter von 75 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

 

 

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5. September 2019 „250. Geburtstag Alexander von Humboldt“

Der Naturforscher Alexander von Humboldt gilt bis heute als einer der bedeutendsten deutschen Wissenschaftler. Fast 70 Jahre lang forschte er zu den unterschiedlichsten Themen und hinterließ ein umfassendes Lebenswerk. Der jüngere Bruder des Universitätsgründers Wilhelm von Humboldt arbeitete in den Fachrichtungen Physik, Chemie, Geologie, Vulkanologie, Botanik, Zoologie, Meteorologie, Meereskunde sowie Ethnologie. Er zählt zu den wenigen Universalgenies der Wissenschaftsgeschichte.

Als Spross eines preußischen Offiziers, der bei Hofe diente, genoss Alexander von Humboldt eine fundierte Ausbildung. Der Hauslehrer erkannte die Begabungen des Jungen und förderte sie durch Kurse bei entsprechenden Fachkräften. Alte und neue Sprachen, Botanik, Nationalökonomie, Philosophie und Zeichenunterricht standen auf dem Programm. Ähnlich vielfältig gestalteten sich auch die universitären Studien, denen er sich zusammen mit Wilhelm widmete. Alexander von Humboldts erste wissenschaftliche Veröffentlichung untersuchte Basaltgesteine. Anschließend absolvierte er an der renommierten Bergakademie Freiberg in Sachsen ein Aufbaustudium. Dabei bewältigte er das auf drei Jahre ausgelegte Studienpensum in gerade einmal acht Monaten. Binnen Jahresfrist erlangte der frischgebackene Bergassessor die Beförderung zum Oberbergmeister. Während der gesamten Zeit analysierte er sämtliche Bereiche seiner Tätigkeit, stellte die traditionellen Methoden infrage und entwickelte neue Ansätze. Ob subterrane Botanik, Vitriolgewinnung, der Bau von Atemschutzmasken oder die Erzgewinnung unter Tage – kein Feld blieb unbearbeitet. Alexander von Humboldt hätte im Staatsdienst vermutlich weiterhin Karriere gemacht, doch sein Wissensdurst war zu groß, um in geordneten Verhältnissen zu verharren. Nach dem Tod seiner Mutter schied er aus der Beamtenlaufbahn aus und bereitete mit dem reichen Erbe eine eigene Forschungsreise vor.

Zusammen mit dem Botaniker Aimé Bonpland machte sich von Humboldt auf den Weg nach Spanien, wo er sich erfolgreich um ein Forschungsvisum für die spanischen Kolonien in Süd- und Mittelamerika bemühte. Die insgesamt fünf Jahre währende Expedition erbrachte eine Fülle von neuen Erkenntnissen. Die beiden Forscher entdeckten zahlreiche Pflanzen und Tiere, vermaßen und berechneten die Landschaft, untersuchten den örtlichen Vulkanismus, und von Humboldt erstellte zwischendurch auch noch für den spanischen Vizekönig Gutachten über dessen Silberminen. Zurück ging es über Mexiko und die USA nach Frankreich, wo die beiden Forscher begeistert empfangen wurden. Alexander von Humboldt veröffentlichte bis zu seinem Lebensende 30 Bände über diese Forschungsreise. Von Paris aus führte ihn sein Weg zurück nach Berlin, wo der preußische König ihm eine großzügige Pension als „königlicher Kammerherr“ gestiftet hatte. Doch schon bald kehrte von Humboldt an die Seine zurück, wo er an der Vorbereitung seines Reisewerks arbeitete. Eine geplante Indienreise fand aufgrund britischen Einspruchs nicht statt. Zwar hielt er kurzzeitig wieder Vorlesungen in Berlin, doch dann nutzte er die Gelegenheit, in russischen Diensten an einer Exploration zum Ural teilzunehmen. Im Gegenzug für die großzügige Finanzierung durch den Zaren erstellte von Humboldt ein systematisches mineralogisches Kataster der durchquerten Regionen. Seine Empfehlung, zum Zwecke klimatologischer Untersuchungen ein Netz an Messstationen aufzubauen, wurde aufgegriffen und offenbarte erstmals fundierte Kenntnisse auf diesem Gebiet.

Nach Abschluss dieser Reise kehrte Alexander von Humboldt endgültig nach Berlin zurück, wo er als gefeierte Persönlichkeit des Wissenschaftsbetriebs mit Ehrungen überhäuft wurde – und zuweilen für den preußischen König auf diplomatische Mission ging. 1859 verstarb der Berliner Ehrenbürger. Die Arbeiten des „Weltwissenschaftlers“ bleiben aber unvergessen und sein Ansehen wird bis heute in vielen Ländern der Erde hochgehalten.

 

 

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5. September 2019 „50 Jahre Chipkarte“

Nachdem die Deutsche Post bereits im April mit der Würdigung der Emojis einen Blick in die digitale Welt geworfen hat, gratuliert sie aktuell einer weiteren bahnbrechenden Erfindung mit einer Sondermarke zum runden Jubiläum. Denn vor 50 Jahren wurde die Chipkarte erfunden. Die Briefmarke vom 5. September 2019 trägt die Wertstufe von 80 Cent und ist damit für den Versand eines Standardbriefes vorgesehen. Die Entwicklung der Chipkarte war das Werk des 1916 in Köln geborenen Ingenieurs Helmut Gröttrup. Seine Absicht war die Schaffung eines „nachahmungssicheren Identifizierungsschalters“ gewesen. Dafür konstruierte er einen Halbleiterchip, auf dem verschlüsselte Daten so gespeichert werden konnten, dass sie nicht durch Außenstehende abrufbar waren. Die sich später dafür ergebenden Einsatzmöglichkeiten waren so vielfältig, dass das Prinzip der Chipkarte sich universell durchsetzte. Unsere heutige Welt wäre ohne sie kaum vorstellbar. Dass Gröttrup überhaupt im Februar 1967 seine Erfindung als Patent anmelden konnte, verdankte er einer Reihe von Glücksfällen, denn sein Leben lag lange Zeit in der Hand totalitärer Systeme.

Unmittelbar nach seinem Physikstudium an der Technischen Hochschule Berlin hatte Gröttrup die Chance, im Institut der Forscherlegende Manfred von Ardenne zu arbeiten. Doch kurz nach Kriegsbeginn 1939 wurde der junge Messtechniker von der Wehrmacht eingezogen und musste seine Fähigkeiten bei der Entwicklung von Hitlers „Geheimwaffe“, der Rakete V2, unter Beweis stellen. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen bot Gröttrup der Kriegsdienst in Peenemünde die Gelegenheit, sich fachlich weiterzuentwickeln, denn er arbeitete als Assistent des Raketenforschers Wernher von Braun an der Entwicklung von Lenk- und Steuersystemen. Da die Forscher jedoch dem Einsatz der Raketentechnik als Kriegswaffe gegenüber skeptisch eingestellt waren und mit ihrer Meinung allzu offenherzig auftraten, gerieten sie bald wegen „Wehrkraftzersetzung“ in Konflikt mit dem System. Da ihre Fähigkeiten aber benötigt wurden, mussten sie unter Bewachung weiterarbeiten. Erst in den letzten Kriegswochen drohte Gröttrup ernsthaft die Hinrichtung durch die SS. Ihm gelang die Flucht, doch auch nach dem Krieg war er gezwungen, unter militärischer Aufsicht an der Weiterentwicklung von Waffentechnik zu forschen. Als Raketenexperte wurde er sofort von der Sowjetischen Militärverwaltung verpflichtet. Von 1946 bis 1953 musste er gemeinsam mit hunderten anderen Wissenschaftlern auf der Insel Gorodomlja bei Nowgorod für das sowjetische Raketenprogramm arbeiten. Erst 1953 durfte er nach Deutschland zurückkehren, wo er bis an sein Lebensende maßgeblich an der Entwicklung von Datenverarbeitungssystemen forschte. Helmut Gröttrup war auch noch persönlich an der Herstellung der ersten Chipkarten für den Zahlungsverkehr beteiligt und half später den deutschen Wertpapierdruckereien dabei, maschinenlesbare Sicherheitsmerkmale einzuführen. Insofern ist er nicht nur Erfinder der Chipkarte, sondern auch des automationsfähigen Geldscheins. Ob eine seiner beiden Erfindungen die andere verdrängen wird, bleibt abzuwarten. So beliebt und praktisch die Chipkarte für unseren Alltag ist, so wenig wollen die Deutschen bisher auf Bargeld verzichten.