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132 Jahre: Älteste Flaschenpost der Welt gefunden

März 2018

In Australien wurde im Januar 2018 die älteste Flaschenpost der Welt entdeckt. Sie wurde vor 132 Jahren aufgegeben und bricht damit alle bisherigen Rekorde.

Kaum eine Versandart weckt so viele Fantasien wie die Flaschenpost. Sie steht für Schiffbruch, Schätze und Piraten. Dass aber auch im Dienste der Wissenschaft Flaschenpost auf die Reise geschickt wurde, ist weniger bekannt. Jüngst entdeckte eine Spaziergängerin am Strand von Wedge Island, einer australischen Insel rund 180 Kilometer von Perth entfernt, eine solche Flaschenpost, die vor 132 Jahren auf die Reise geschickt wurde. Damit ist das Exemplar aus Australien die älteste Flaschenpost der Welt und stellt sämtliche Rekorde der vergangenen Jahrzehnte in den Schatten.

Ein seltsamer Fund am Strand

Mehr als gewöhnliches Strandgut

Die glückliche Finderin, Tonya Illman, hätte die Rekord-Flaschenpost um ein Haar gar nicht beachtet. Dass angeschwemmtes Treibgut am Strand liegt, ist nicht weiter ungewöhnlich. In diesem Falle hatte es ihr aber die interessante Form der augenscheinlich sehr alten Flasche angetan. Sie würde sich ganz gut im Regal machen, dachte Illman und steckte das Stück ein. Erst später entdeckte sie, dass in dem darin befindlichen nassen Sand ein zusammengerollter und mit einer Schur verschlossener Zettel steckte. Zu Hause angekommen, trocknete sie das Papier vorsichtig auf dem Ofen, bis sich die kleine Rolle öffnen ließ. Ein beidseitig bedrucktes Formular in einer fremden Sprache kam zum Vorschein. Sogar die verblassten Spuren von Tinte waren zu erkennen. Sofort war Tonya Illman klar, dass ihr seltsamer Fund mehr als gewöhnliches Strandgut war.

 

Das Rätsel wird entschlüsselt

Mithilfe des Internets fanden Tonya Illman und ihr Mann heraus, dass das knapp 15 x 20 Zentimeter große Formular in deutscher Sprache war. Es forderte den Finder auf, das Schriftstück an die Deutsche Seewarte in Hamburg zu senden. Die beiden kontaktierten daraufhin das Western Australian Museum für Meereskunde, und der stellvertretende Kurator bestätigte den Verdacht des Ehepaars: Sie hielten einen Teil eines maritimen Forschungsprojekts in den Händen. Eine Datumsangabe lautete auf „12. Juni 1886“. Sogar ein Teil des Absenders konnte entschlüsselt werden. Der Schiffsname endete auf „…aula“. Das Rätsel begann sich zu lüften. Eine deutschstämmige Kollegin aus dem Museum richtete das Augenmerk auf Schiffslisten deutscher Reedereien und entdeckte tatsächlich Aufzeichnungen über die deutsche Bark „Paula“, die sich im Sommer 1886 in den südindischen Gewässern aufhielt. Zum Glück der Forscher existieren in den deutschen Archiven bis heute noch knapp 40.000 historische Logbücher. Der Handschriftenabgleich mit den Notizen des Kapitäns erbrachte den endgültigen Beweis. Der hatte am 12. Juni 1886 vermerkt: „Stromflasche über Bord“.

Bestätigung des Bundesamtes

Der Dreimaster unter dem Kommando von Kapitän O. Diekmann hatte im März 1886 mit einer Ladung Kohle an Bord den walisischen Hafen Cardiff verlassen und war um das Kap der Guten Hoffnung bis ins indonesische Makassar gesegelt, wo er Ende Juni einlangte. Auf dem Weg wurden wiederholt solche „Stromflaschen“ ins Meer geworfen. Mithilfe der angegebenen Breiten- und Längengrade und des vermerkten Startdatums erhoffte sich die Deutsche Seewarte Aufschluss über die weltumspannenden Strömungen der Ozeane. Immerhin befand sich das Deutsche Reich damals auf dem Weg, eine See- und Handelsmacht zu werden. Die Nachfolgeinstitution der Seewarte, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, bestätigte den Einsatz solcher Strömungsmessungen und untersuchte mit großem Interesse den Fund aus Australien. Die Einschätzung lautete: keine Fälschung.

Hamburger „Flaschenpost-Forschung“

Tatsächlich existieren in den Lagern des Amtes etliche identische Formulare, die allerdings in der Regel bereits vor über 100 Jahren aus dem Wasser gefischt wurden. Lediglich ein Nachzügler war erst 1934 entdeckt worden. Initiator der deutschen „Flaschenpost-Forschung“ war der erste Leiter der Seewarte, Georg Ritter Balthasar von Neumayer. Tausende präparierte Flaschen wurden deutschen Handelsschiffen mit auf den Weg gegeben. Bei einer durchschnittlichen Fund- und Überlebensrate der Flaschenposten von zehn Prozent konnten die Meeresforscher mit einer soliden Datenlage rechnen. Alle diese Erkenntnisse wurden fein säuberlich in sogenannte Strömungskarten eingetragen, die bis heute im Bundesamt aufbewahrt werden. Die Original-Zettel lagern natürlich ebenfalls in der hauseigenen Flaschenpostsammlung. Diese umfasst 660 zurückgesandte Briefe aus den Jahren 1864 bis 1933. Das älteste Stück der Hamburger „Flaschenpost-Forschung“ hatte 15.000 Kilometer von Kap Hoorn bis nach Australien in einer Rumflasche zurückgelegt. Die jetzt gefundene Flasche der „Paula“ enthielt ursprünglich Genever, den beliebten Wachholderschnaps aus den Niederlanden.

Begehrte Sammelobjekte

In den vergangenen 15 Jahren sind immer wieder ähnlich spektakuläre Funde gemacht worden. 2014 zog ein Fischer aus der Gegend bei Kiel eine Flaschenpost aus der Ostsee, die 101 Jahre überdauert hatte. Die Enkelin des Absenders wandte sich damals an die Presse, als sie erfuhr, dass der Finder das Stück Familiengeschichte, das zwischenzeitlich im Maritimen Museum in Hamburg zu sehen gewesen war, über eine Online-Auktionsplattform verkaufen wollte. Die Auktion wurde daraufhin vom Auktionsunternehmen abgebrochen. Der Preis lag bereits im vierstelligen Bereich. Alte Flaschenposten sind begehrte Sammlerstücke. Zwei Jahre später entdeckte ausgerechnet eine pensionierte Postbeamtin auf der Insel Amrum eine noch ältere „Stromflasche“. Die war im November 1906 von einem britischen Meeresforscher in die Nordsee geworfen worden. Die Dame befolgte akkurat die Anweisungen der Flaschenpost und sandte den Zettel an das Meeresbiologische Institut in Plymouth. Dort war man sehr überrascht – zwar war der verantwortliche Forscher im Haus noch bekannt, aber bereits seit 60 Jahren verstorben. Den im Schreiben ausgelobten Shilling zur Belohnung erhielt die ehrliche Finderin selbstverständlich. Als besonders kuriose Objekte durchziehen derzeit noch vereinzelte quietschgelbe „Stromenten“ die Ozeane. 30.000 von ihnen waren vor 15 Jahren im Südpazifik über Bord gegangen. Die meisten trieben auf der südlichen Erdhalbkugel an die Küsten. Einige wenige aber durchquerten die Arktis und gelangten nach vielen Jahren nach England. Das Meer mag also noch manche Überraschung bereit halten. Tonya Illman wird vermutlich nicht auf ewig stolze Besitzerin der ältesten Flaschenpost der Welt sein. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Es ist die Freude daran, echte Zeitzeugen der Vergangenheit in den Händen zu halten, die solche Funde unbezahlbar macht.