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Rekordergebnis für Togo Unikat bei Gärtner

Mai 2018

Am 7. April 2018 versteigerte das Auktionshaus Christoph Gärtner im Schlosshotel Monrepos in Ludwigsburg Spitzenstücke aus der Sammlung von Peter Zgonc. Der österreichische Unternehmer hatte über Jahrzehnte eine exklusive Sammlung aufgebaut. Zum Ausruf kamen neben internationalen Raritäten und Stücken seiner legendären Oldenburg-Sammlung auch Spitzenpositionen des Spezialgebiets „Togo – britische und französische Besetzung“. Vom Gesamterlös der Auktion, der bei knapp drei Millionen Euro inklusive Gebühren lag, wurde fast ein Drittel allein von drei Stücken aus Togo eingespielt. Ein absolutes Rekordergebnis erzielte das Briefstück, das bereits das Titelbild des 49 Lose umfassenden Sonderkatalogs zu Togo zierte. Darauf befindet sich ein Unikat der Philatelie: die rote 1-Mark-Freimarke mit französischem Aufdruck. Zusammen mit dem 5-Mark-Wert der Ausgabe, vom dem immerhin drei Exemplare bekannt sind, sowie einem Dreierblock der 5-Pfennig-Aufdruckmarke stieg das einmalige Stück vom Ausruf 250.000 Euro auf stolze 370.000 Euro. Mit Aufgeld und Gebühren investierte der Bieter 458.000 Euro und erwarb damit, so Christoph Gärtner, eines der „teuersten Stücke der deutschen Philatelie des 20. Jahrhunderts“.

 

Kolonialgeschichtliche Kostbarkeit

Die deutsche Musterkolonie

Togo Briefmarke mit Aufdruck Rarität
1-Mark-Briefmarke mit Aufdruck „Togo Occupation franco-anglaise“

In der Region der späteren Kolonie Togo betrieben deutsche Kaufleute aus Hamburg und Bremen bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts Faktoreien. Als die Konkurrenz der Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich immer stärker wurde, entschied sich das Deutsche Reichs zur Gründung eines Schutzgebiets, das 1884 zwischen dem Reichskommissar Gustav Nachtigal und einigen Stammesfürsten ausgehandelt wurde. Gegen lokalen Widerstand wurde das Gebiet rasch ausgedehnt und mithilfe von Eisenbahnlinien verkehrstechnisch erschlossen. Doch trotz rücksichtsloser Ausbeutung der Region erwirtschaftete das als „deutsche Musterkolonie“ bezeichnete Togo gerade einmal die Verwaltungskosten. Immerhin – muss man sagen. Außer Togo schrieb nur die Kolonie Samoa im Pazifik keine roten Zahlen.

Post in Klein-Popo und Lomé

Mussten Briefe aus der Heimat anfangs noch über die britischen Niederlassungen an der Goldküste auf dem Landweg zum deutschen Verwaltungssitz in Klein-Popo gebracht werden, richtete die Hamburger Oberpostdirektion am 1. März 1888 schließlich eine Postagentur ein. Diese wurde von einem Zollbeamten nebenbei betrieben. Zwei Jahre später folgte eine weitere Postniederlassung in Lomé, das sich zu einer aufstrebenden Hafenstadt entwickelte. Bis 1897 durften in Togo reguläre deutsche Freimarken verwendet werden, dann erschienen die ersten Aufdruckwerte mit dem diagonalen Schriftzug „Togo“. Klein-Popo hatte mittlerweile den Rang eines Postamtes verliehen bekommen. Wenig später ging diese Ehre aber wieder verloren, da die Kolonialverwaltung – und damit auch das Postamt – nach Lomé übersiedelten. Ab November 1900 kamen schließlich die typischen Kolonial-Briefmarken mit der Kaiseryacht „Hohenzollern“ zum Einsatz.

„Occupation franco-anglaise“

Gemessen an den vorherigen Losen kommen die beiden Exemplare der One Penny Black auf einem Beleg von den Bermudas aus dem Jahre 1842 verhältnismäßig günstig daher. Das schöne Stück rangiert zwischen 7500 und 10.000 Euro im Wert. Der Absender befand sich auf dem britischen Linienschiff dritter Klasse „H.M.S. Illustrious“. Der Dreimaster aus dem Jahr 1803 hatte bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Unter anderem war er bei der Eroberung der Insel Mauritius von den Franzosen beteiligt. In den 1830er stand das Schiff kurz vor der Verschrottung, wurde dann aber erneut in Dienst gestellt. 1841 brach die „H.M.S. Illustrious“ schließlich in Richtung Nordamerika auf und hielt sich anschließend längere Zeit in der Karibik auf. Am 4. Februar 1842 gab der Absender seinen Brief auf, der via Portsmouth nach London gelangte. Die beiden weitgereisten One Penny Black illustrieren ein spannendes Kapitel der maritimen Geschichte.

Philatelist alter Schule

Peter Zgonc

Der Schöpfer der veräußerten Sammlung, Peter Zgonc, ist in Österreich als erfolgreicher Unternehmer bekannt. Den elterlichen Handel für Werkzeug und Baumaschinen erweiterte Zgnoc im Laufe seines Lebens zu einer landesweiten Fachmarktkette mit 350 Mitarbeitern. Zur Sicherung dieser Arbeitsplätze überführte der bodenständig gebliebene Firmenchef das gesamte Unternehmen 1983 in eine Stiftung. „Ich will nicht, dass Leute, die 30 Jahre mit mir gekämpft haben, dann plötzlich vor dem Nichts stehen würden“, so Peter Zgnoc zu dieser Entscheidung. Seine Werbeslogans, die er gern selbst entwarf, haben in Österreich mittlerweile den Status geflügelter Worte. Privat widmete sich der Geschäftsmann leidenschaftlich der Philatelie. Neben den Sammelgebieten Togo und Oldenburg verfügte er auch über eine exquisite Kollektion zu Österreich und Lombardei-Venetien zwischen 1850 und 1867. Diese Spezialsammlung wurde bereits im Sommer 2017 vom Auktionator Christoph Gärtner mit einer gebundenen Sammlungsdokumentation gewürdigt. Peter Zgnoc verstarb am 24. Oktober 2017 im Alter von 78 Jahren.

Beliebte deutsche Kolonien

Auch abseits der Höchstpreis-Philatelie bieten die deutschen Kolonien ein beliebtes Sammelgebiet. Jedes Stück erzählt von den aufregenden und oft dramatischen Jahren, in denen deutscher Gründergeist sich aufmachte, „einen Platz an der Sonne“ zu erringen. Oft verband sich das wirtschaftliche Interesse aber auch mit einem kolonialen Sendungsbewusstsein, das zu fürchterlichen Bluttaten der deutschen Eroberer führte, wenn sich die vom deutschen Wesen „beglückten“ Menschen dagegen wehrten. Dadurch ist die deutsche Kolonialgeschichte für die Geschichtswissenschaft ein besonders aufschlussreiches Kapitel, um die spätere politische Entwicklung Deutschlands zu verstehen. Die beliebten Briefmarken der deutschen Kolonien dokumentieren anschaulich Aufstieg und Untergang des kolonialen Traums und lassen den Sammler hautnah in die Geschehnisse eintauchen.

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