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Kolonien und Auslandspostämter bei Gärtner

Dezember 2017

Die deutschen Kolonien in Afrika und Asien waren eines der exotischsten, aufregendsten, aber auch dunkelsten Kapitel des Deutschen Reichs, das neben geplatzten Träumen vom Wohlstand unter Palmen auch unermessliches Leid unter den Einheimischen verursacht hat. Doch die Kolonisten gaben bereitwillig ihre Heimat auf, um in der Ferne ihr Glück zu versuchen. Der mutige Vorstoß ins Unbekannte und die hartnäckigen Versuche der Siedler und Händler, ein kleines bisschen deutscher Ordnung – und Bürokratie – ans Ende der Welt zu tragen, wird durch nichts eindrucksvoller belegt als durch die Briefmarken der Kolonien und Auslandspostämter. Echtgelaufene Belege gehören zu den Schätzen der deutschen Philatelie vor 1945. Sie dokumentieren nicht nur Postgeschichte, sondern zeugen vom oft dramatischen Überlebenskampf, von den Hoffnungen und Rückschlägen der Kolonisten – und vom raschen Ende des „Platzes an der Sonne“ nach Ausbruch des großen Krieges. Aktuell finden sich im Auktionshaus Christoph Gärtner zahlreiche attraktive Rücklose der Oktober-Auktion im Angebot, die Lust auf dieses spannende Sammelgebiet machen.

 

Briefmarken und Belege aus Ostasien und Afrika

Ein sauberer Stempel aus „Tsintau“

Die kaiserliche Marine stand bereit und wartete nur auf einen Anlass, als am 1. November 1897 zwei deutsche Missionare Opfer eines chinesischen Übergriffs wurden. 14 Tage später landete ein Korps der Ostasiatischen Kreuzerdivision in der Bucht von Kiautschou. Förmlich mit der Pistole auf der Brust verpachtete China das Gebiet an das Deutsche Reich. Schon im Januar 1898 nahm in dem Fischerdorf Tsingtao eine Feldpost den Betrieb auf. Ihr Poststempel lautete allerdings wegen eines Druckfehlers im Telegraphenverzeichnis „Tsintanfort“. Erst zum 30. März wurde er in „Tsintau“ korrigiert. Ein Briefstück aus dieser Zeit mit dem sauberen und zentrischen Stempel „Tsintau“ vom 24. März 1899 wartet bei Christoph Gärtner auf einen neuen Besitzer. Das exzellente Stück mit dem Vorläufer Innendienst V 37 e wurde vom Experten Jäschke-Lantelme als echt und einwandfrei geprüft. Der Ausruf ist mit 160,- Euro attraktiv und liegt bei erfrischenden 25 Prozent des Katalogpreises. Nur 15 Monate nach der Entwertung dieser Briefmarke erhielt das Postamt bereits einen neuen Namen: „Tsingtau“. Der Stempel aus „Tsintau“ war also für verhältnismäßig kurze Zeit in Gebrauch.

 

Abart mit Retusche

Eine spannende Kolonialmarke mit der Nummer 35 I A aus der Endphase dieser deutschen Kolonie in China startet mit 120,- Euro vermeintlich höher als im Katalog veranschlagt. Doch der Friedensdruck der Kaiseryacht zu einem mexikanischen Dollar aus dem Februar 1906 steht in Wirklichkeit noch gar nicht im Katalog. Die Abart der kreuzweisen Schraffur bei der Wertziffer „1“ ist zwar längst dokumentiert, doch das vorliegende Exemplar weist eine Retusche der Abart auf und wird daher als Nummer 35 I A I angeboten. Der schwärzlichblaue Friedensdruck wurde ebenfalls vom Bundesprüfer Jäschke-Lantelme unter die Lupe genommen, der bis auf einen kurzen Zahn oben links keine weiteren Mängel bei dieser Abart mit Retusche feststellen konnte. Der Stempel „TSING (TAU)“ datiert vom 26. Februar 1914, auf den Tag genau sieben Monate vor dem ersten japanischen Sturmangriff auf Tsingtau, dessen Besatzung am 7. November kapitulierte.

 

Ganzsachen aus Ostafrika

Die am längsten behauptete deutsche Kolonie war bekanntlich Ostafrika. Diese ursprünglich „private Kolonie“ des Abenteurers Carl Peters war wegen dessen Grausamkeit und Misswirtschaft unter die Verwaltung des Reichs gestellt worden. Aufgrund der immer wieder ausbrechenden Aufstände blieb die größte und bevölkerungsreichste Kolonie des Deutschen Reichs ein wirtschaftliches Desaster. Dabei lag Ostafrika auf der Route wichtiger Seehandelsverbindungen, wie drei ausgesuchte Ganzsachen aus den Gärtnerschen Rücklosen ansehnlich unter Beweis stellen. Mit Preisen zwischen 70,- und 80,- Euro belegen diese Ganzsachen darüber hinaus, dass die Deutschen Kolonien zwar ein hochwertiges, aber nicht unerschwingliches Sammelgebiet sind. Das erste Stück ist eine gewöhnliche Krone/Adler-Ganzsache zu 5 Pfennig mit 5-Pfennig-Zusatzfrankatur. Sie trägt einen Stempel vom 3. Oktober 1892 aus Dar-Es-Salam und ging an einen Herrn Weegmann in Bielefeld. Das nächste Stück basiert zwar auf der gleichen Ganzsache, stammt aber vom 25. Januar 1901 und zeigt daher den diagonalen schwarzen Aufdruck „Deutsch-Ostafrika“ sowie die Wertstufe „3 Pesa“, da Ostafrika an den indischen Wirtschaftsraum angebunden war. Aufgegeben in Pangani, ging die Reise nach Padang auf Sumatra. Das dritte Exemplar war an ein Besatzungsmitglied des Stationsschiffes „SMS Loreley“ adressiert, das damals in Istanbul lag. Die deutsche Ganzsache der Krone/Adler-Serie trägt wieder den Peso-Aufdruck. Die Stempeldokumentation via Suez und Alexandria lässt die Reise vom 10. Juli bis zum 6. August 1900 anschaulich nachvollziehen.

Lomé, Vlissingen, Apolda

Abschließend soll noch ein Prachtexemplar aus Lomé aus dem Jahr 1891 vorgestellt werden. Das Schreiben aus der Kolonie Togo wurde am 26. April des Jahres mit einer 20-Pfennig-Krone/Adler frankiert, wie der handschriftliche Aufgabevermerk belegt. Adressiert an ein „Fräulein Lotze“ in Apolda, ging der mit Federzug entwertete Brief offensichtlich auf einem belgischen Dampfer ins niederländische Vlissingen, wo er einen rückseitigen Durchgangsstempel erhielt. Da die Dame augenscheinlich nicht mehr in Apolda weilte, vermerkte der umsichtige Postbeamte als neues Ziel „Bad Elster“. Die ungewöhnliche Route über die Niederlande ist eher selten auf Briefen belegt. Kein Wunder also, dass dieser Beleg mit seinem Ausruf von 1000,- Euro zu den Kostbarkeiten Togos gehört. Die Aufgabe in Lomé ist postgeschichtlich interessant. 1888 hatte die Oberpostdirektion Hamburg in Klein-Pop eine Postagentur eingerichtet, die 1897 sogar den Rang eines Postamts verliehen bekam. Erst mit dem Umzug der Kolonialverwaltung in die Hafenstadt Lomé 1900 verlagerte sich auch der Postumschlag dorthin. Der vorliegende Brief wurde also in Lomé aufgegeben, als das Städtchen noch relativ unbedeutend war. Dieses herrliche Stück wurde ebenfalls von Herrn Jäschke-Lantelme geprüft.

Der Stoff, aus dem Träume sind

Wie bereits eingangs erwähnt, boten die deutschen Kolonien trotz aller investierten Hoffnungen für die meisten Menschen kaum die Erfüllung ihrer Träume. Dennoch beflügelte diese Zeit die Phantasie der Deutschen nachhaltig – vor allem derjenigen, die in der Heimat geblieben waren. Sammelbilder aus Tee-, Butter- oder Zigaretten-Packungen pflanzten die Träume von den Kolonien und dem schönen Leben in der Ferne noch viele Jahre später in die Herzen zahlreicher Kinder. Aber auch schon während der Besiedelung erfreute sich das Sammeln der Briefmarken aus den Kolonien und Auslandspostämter so großer Beliebtheit, dass manche Ausgabe gar nicht erst den Weg nach Übersee fand, sondern gleich von der Druckerei an den Sammlerschalter gelangte.

 

Kolonien für jedermann

Entgegen vieler Vorurteile ist das Sammeln von Briefmarken und Belegen aus den Kolonien durchaus ein Hobby für jedermann. Natürlich gibt es, wie in allen Sammelgebieten, Kostbarkeiten, von denen man nur träumen kann. Aber wenn man aus Freude an der Sache sammelt, wird man überrascht sein, zu welchen moderaten Preisen manches Schmuckstück erworben werden kann. In jedem Fall hält der Sammler mit den Briefmarken aus den Kolonien Originaldokumente dieser spannenden Zeit in seinen Händen, um die ihn jedermann beneiden wird.

 

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