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Felzmann mit begehrten Losen aus dem Dritten Reich

Juli 2018

Was macht die Faszination des Sammelgebiets Drittes Reich aus? Ist es das latente Grauen, das mitschwingt, wenn man an diese zwölf Jahre denkt, in denen Deutschland seine Menschlichkeit in einem Sog der Barbarei beinahe verloren hätte? Ist es die Hoffnung, die Wiederkehr des Übels zu bannen, indem man sich dessen Natur bewusst macht? In jedem Fall spiegeln die Briefmarken und Belege hautnah das Regime wider, das von 1933 bis 1945 unendliches Leid über Deutschland und die Welt brachte. Sie erzählen vom Alltag unter dem Hakenkreuz, sie verführen durch die Inszenierung von Werten und Moral, und gleichzeitig erschrecken sie durch die Brutalität, die sie in einem kleinen Bild oder zwischen einigen wenigen Worten durchscheinen lassen. Ganz gleich, was der Sammler empfindet, sind die Briefmarken und Belege des Dritten Reichs äußerst begehrt. Erst jüngst verbuchte das Auktionshaus Felzmann bei seiner Sommerauktion vom 5. bis 7. Juli einige bemerkenswerte Zuschläge. Das Sammelgebiet ist und bleibt ein Klassiker. Ein Blick auf das Marktgeschehen kann sich durchaus bezahlt machen.

 

Dramatische Geschichte

 

Befreite Sudeten

Die dramatische Geschichte des Sudetenlandes ist durch Flucht und Vertreibung tief im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert. Seit Jahrhunderten österreichisch, waren die Gemeinden nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg unvermutet der neuen Tschechoslowakei angegliedert worden. Als es Hitler 20 Jahre später gelang, die Landstriche ohne einen Gewehrschuss wieder „heim ins Reich“ zu holen, ging für viele Sudetendeutsche ein Traum in Erfüllung. Ein faszinierender Beleg kündet von den Tagen unmittelbar nach der deutschen Annexion am 1. Oktober 1938. Frankiert links mit einem waagerechten Paar tschechoslowakischer Freimarken zu 50 Haleru, rechts hingegen mit einem außergewöhnlichen Einzelwert mit Zierfeld. Die Sondermarke zu 1 Krone mit dem Porträt des national gesinnten Turners Jindrich Fügner ist mit ihrem Zierfeld prächtig anzuschauen. Doch dass sowohl die Marke als auch die Vignette einen neuen Wertaufdruck zu 2 Kronen trägt, ist eine kleine Sensation und in dieser Form bisher nicht dokumentiert. Das Schreiben wurde am 6. Oktober 1938 in Niklasdorf mit dem tschechoslowakischen Ortsstempel „Mikulovice“ entwertet. Außerdem wurde der sogenannte „Befreiungsstempel“ in Rot aufgebracht. Er trägt den vollständigen Text: „Die befreite sudetendeutsche Marktgemeinde Niklasdorf“. Das Schreiben ist historisch betrachtet ein Juwel, das eindrucksvoll den Zeitgeist widerspiegelt. Umso tragischer war es, dass sich die Sudetendeutschen nach dem „Anschluss ans Reich“ zu einem nationalsozialistischen Mustergau entwickelten und durch ihren Umgang mit den entrechteten Tschechen den Grundstein für neuen Hass und spätere Rache legten.

In einer Stellungnahme an einen amerikanischen Fernsehsender zeigte sich ein Sprecher der USPS erfreut über die mediale Aufmerksamkeit und ließ verlauten, dass Motiv sei bewusst gewählt worden.

Künstler Robert Davidson verklagte die US-Mail im Jahr 2013 auf Schadensersatz, da er mit der Abbildung seiner Statue das Urheberrecht verletzt sah. Die Regierung argumentierte, es handele sich bei der Statue Davidsons nur um eine Nachbildung des Originals, das keine schützenswerte Eigenarbeit enthielte – eine Ansicht die Bundesrichter Eric Bruggink nicht teilte.

 

Aus dem Konzentrationslager

Ein nicht einfaches Spezialgebiet ist Post aus dem Konzentrationslager. Jeder einzelne Beleg steht für das grauenhafte Schicksal der Menschen, die dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Als historische Dokumente sind diese Briefe von unermesslichem Wert, auch wenn das in ihnen geschilderte Unrecht kaum zu ertragen ist. Das Auktionshaus Felzmann hatte unter seinen zahlreichen Stücken eine Karte, die die perfiden Methoden der nationalsozialistischen Menschenjagd dokumentiert. Die aus dem Arbeitslager Birkenau versandte Postkarte war mit einem Stempel versehen worden, der darüber informierte, dass Rückantworten nur über die in Berlin-Charlottenburg ansässige „Reichsvereinigung der Juden“ möglich seien. Diese Vereinigung war ursprünglich gegründet worden, um ausreisewillige Juden bei der Emigration zu unterstützen. Ab 1939 war sie jedoch dem Regime untergeordnet worden, und das Reichssicherheitshauptamt benutzte solche postalischen Maßnahmen, um die Adressen von noch in Deutschland lebenden Juden auszuforschen. Der seltene Beleg startete bei Ausruf 150,- Euro und fand erst bei 950,- Euro Zuschlag seinen neuen Besitzer.

 

Auschwitz-Dokumentation

Einen ähnlichen Preissprung wie die Birkenau-Karte erfuhr eine Auschwitz-Dokumentation in englischer Sprache. In zwei Mappen versammelt diese kleine Sammlung zahlreiche Korrespondenzstücke, Kartenvordrucke, Zensur-Belege und Rechercheergebnisse mit Original-Fotos. Dieser Fundus startete mit einem bescheidenen Gebot von 1000,- Euro. Schlussendlich erfolgte der Zuschlag bei 9500,- Euro. Das ist eine stattliche Bewertung. Als Dokumentation jener düsteren Zeit unserer deutschen Geschichte ist die Auschwitz-Mappe aber unbezahlbar. Vielleicht mag der neue Besitzer seinen Erwerb dokumentieren und der Forschung zur Verfügung stellen. Das wäre angebracht.

 

Seltene Stücke

Hitler-Essay

Ein Foto-Essay mit dem Antlitz des Diktators schaffte bei Felzmanns Juli-Auktion ebenfalls problemlos den Sprung in den vierstelligen Bereich. Das einwandfreie Stück, 1996 geprüft von Hans-Georg Schlegel, startete mit 400,- Euro in den Bieterstreit und erlöste am Ende 1500,- Euro. Das Foto auf Papier mit Markenperforation trägt das Prägesiegel der Reichsdruckerei im Karton. Das Bild zeigt Hitler vor einer Silhouette seiner Heimatstadt Braunau. Das Essay diente als Vorlage für die Sondermarkenausgabe „50. Geburtstag von Adolf Hitler“ vom 13. April 1939, die mit einem Zuschlag von 38 Pfennig ausgegeben wurde. Auch der FDC dieser Briefmarkenausgabe wird mittlerweile sehr ordentlich bewertet, auch wenn er nicht an das Hitler-Essay herankommt.

Autogrammkarte Goebbels

Auch Postkarten des Dritten Reichs erfreuen sich anhaltender Beliebtheit. Ganzsachen dokumentieren den Postalltag, und Bildpostkarten geben Einblicke in die vermeintlich heile Welt des aufstrebenden Großdeutschlands. Natürlich durften da die Großen des Reiches nicht fehlen, und bei Felzmann kamen zwei Autogrammkarten mit Porträtfotos und Autographen von Joseph Goebbels und Hermann Göring zum Ausruf. Beide Kriegsverbrecher starteten bei 300,- Euro Ausruf. Während Göring diesen Preis nur unwesentlich auf 325,- steigern konnte, kam der Propagandaminister immerhin zu 520,- Euro unter den Hammer.

Beobachten lohnt sich

Diese kleine Auswahl an Auktionsergebnissen aus Felzmanns Juli-Sitzung zeigt, dass immer wieder aufregende Prachtstücke auf dem Markt sind. Sie zu entdecken ist manchmal Glückssache, doch dem Glück kann mit einfachen Mitteln auf die Sprünge geholfen werden. Beobachten Sie das Marktgeschehen. Stöbern Sie in Katalogen und informieren Sie sich bei Ihrem Fachhändler. Es lohnt sich. Vor allem aber achten Sie darauf, dass Sie nur garantiert echte Original-Briefmarken erwerben, dann können auch Sie in diesem wohl dramatischsten Sammelgebiet Deutschlands auf die packende Suche nach historischen Erkenntnissen gehen.