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Rekordpreis für Titanic-Brief

Oktober 2017

Die Faszination der R.M.S. Titanic scheint ungebrochen. Die tragische Schiffskatastrophe mit mehr als 1500 Todesopfern wurde bereits auf unzähligen Briefmarken abgebildet. Titanic-Sammler sind aber insbesondere an Original-Dokumenten interessiert. So wie die Briefe des Zeppelinunglücks von Lakehurst erzielt auch die Katastrophenpost der Titanic immer wieder Höchstpreise. Vor zwei Jahren steigerte sich ein Brief vom 14. April 1912, also dem Tag des unheilvollen Zusammenstoßes mit dem Eisberg, mit rund 133.000 Euro auf einen bis dahin unerreichten Rekordpreis für einen Titanic-Brief. Dieser Rekord wurde am 21. Oktober 2017 gebrochen. Das Schreiben eines Erste-Klasse-Passagiers an seine Mutter erlangte bei der aktuellen Auktion des Hauses Henry Aldrige & Son einen Zuschlag von umgerechnet 141.000 Euro.

Luxusreise in den Tod

Unsinkbarer schwimmender Palast

Schon die ersten Entwürfe des neuen Luxusdampfers ließen erahnen, dass die Titanic kein gewöhnliches Schiff sein würde. Die Rederei „White Star Line“ wollte mit seinen drei Schiffen der Olympic-Klasse neue Standards hinsichtlich Ausstattung und Reisekomfort setzen. Edelstes Holz, Marmor, Unmengen an Kristall und Gold, luxuriöse Salons, ein Swimming Pool und sogar ein türkisches Dampfbad verwandelten die Titanic in einen schwimmenden Palast. Darüber hinaus war sie zum Zeitpunkt des Stapellaufs das größte Schiff der Welt und – „praktisch unsinkbar“. Diese Einschätzung hatte die Fachwelt getroffen, da der Rumpf des Ozeanriesen in 16 Schotten unterteilt war, die im Falle eines Lecks durch vollautomatische Wasserschutztüren verschlossen würden. Dass die vordersten sechs Schotten auf einen Schlag voll Wasser laufen könnten, wie bei der Kollision mit dem Eisberg geschehen, hatte man nicht einkalkuliert.

Ein Geschäftsmann reiste erster Klasse

Der am 21. Oktober 2017 versteigerte Brief stammte vom Erste-Klasse-Passagier Alexander Oskar Holverson, einem erfolgreichen Handelsunternehmer aus den USA. Holverson hatte unter anderem in Boston eine Textilfabrik aufgebaut und arbeitete seit seiner Beförderung in New York City. Zusammen mit seiner Frau Mary war der Geschäftsmann Ende 1911 auf eine längere Ferienreise gegangen, die das Paar zuerst nach Argentinien geführt hatte. Von dort nahmen sie einen Dampfer nach England, wo sie sich einen Platz der ersten Klasse für die Jungfernfahrt der Titanic buchten. Es sollte der würdevolle Ausklang eines luxuriösen Urlaubs werden. Stattdessen fand der Geschäftsmann in den eisigen Gewässern des Nordatlantiks den Tod.

„Meine liebe Mutter…“

Mit diesen Worten begann Holverson seinen Brief, den er auf dem Original-Briefpapier der R.M.S. Titanic verfasste. Darin schildert er seiner Mutter die Pracht des Luxusdampfers, „der einem Palasthotel ähnelt“, lobt das Essen und mutmaßt, dass das Schiff am kommenden Mittwochvormittag in New York eintreffen werde, „wenn alles gut geht“. Weiter berichtet Holverson seiner Mutter von einer Begegnung mit dem seinerzeit reichsten Mann Amerikas, John Jacob Astor IV. Der US-Firmentycoon befand sich gerade in den Flitterwochen mit seiner zweiten Frau. Da diese schwanger war, wollte das Ehepaar rasch zurück in die Heimat, damit das Kind die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Alexander Holverson berichtete seiner Mutter fasziniert darüber, dass man Astor seine Millionen nicht ansehe, wenn er auf dem Sonnendeck liege. Er habe ein „demokratisches“ Auftreten, womit Holverson vermutlich das Gegenteil von „aristokratisch“ meinte.

Mit Volldampf in den Untergang

Am 14. April nahm das Unglück kurz vor Mitternacht seinen Lauf. Mit Volldampf rammte die Titanic mit ihrer Steuerbordseite einen Eisberg. Der Bug riss auf und die Wassermassen fluteten den vorderen Teil des Luxusdampfers, dessen Untergang nur noch eine Frage der Zeit war. Der Kapitän, Edward John Smith, erkannte rasch die Ausweglosigkeit der Lage und ordnete die Evakuierung an. So wie bereits der Unfall selbst zu großen Teilen auf menschliches Versagen zurückging, mangelnde Funkaufklärung des Eisaufkommens und fehlende Eiswachen, verlief auch die Räumung des Schiffs chaotisch. Die Offiziere interpretierten ihre Order unterschiedlich, viele Rettungsboote wurden nur halb besetzt, andere komplett überfüllt zu Wasser gelassen. Zweieinhalb Stunden nach der Kollision zerbrach das Schiff und versank. Seit dem Untergang ruhen die Trümmer in knapp 4000 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund.

Der Brief blieb erhalten

Nur rund 700 Menschen überlebten den Untergang der R.M.S. Titanic, unter ihnen auch die Ehefrau von Alexander Oskar Holverson. Der Unternehmer selbst konnte Tage später nur noch tot aus dem eiskalten Wasser geborgen werden, in dem die meisten Opfer an Unterkühlung gestorben waren. Ein ausführliches Protokoll verzeichnet die Kleidung sowie alle persönlichen Besitztümer, die an der Leiche gefunden wurden. Darunter fand sich neben einer goldenen Taschenuhr, einem silbernen Visitenkartenetui und ein wenig Bargeld auch ein Notizbuch. Zwischen dessen Seiten blieb auf wundersame Weise der Brief Holversons an seine Mutter erhalten. Trotz deutlichen Spuren der Feuchtigkeit ist die Tinte nicht verlaufen. Der Text endet mit den Worten: „Ich werde später weiterschreiben“.

Würdevolles Gedenken

Das Sammeln von Katastrophenpost ist eine faszinierende Beschäftigung. Die von diesen Belegen dokumentierten Ereignisse haben oft die Menschheit erschüttert und den Opfern und ihren Freuden und Angehörigen großes Leid beschert. Die mit wissenschaftlicher Präzision vorgenommene Rekonstruktion der Ereignisse und die damit verbundene Würdigung aller Einzelschicksale ermöglicht es den Nachgeborenen, den unglücklichen Opfern angemessen zu gedenken. Bei diesem sensiblen Sammelgebiet ist es geboten, sich an die Grundregeln unserer gesellschaftlichen Ethik zu halten. Nicht Sensationsgier sondern würdevolles Gedenken steht im Mittelpunkt. Diese einzigartigen historischen Dokumente sollten daher lieber im Fachhandel erworben werden als aus ungewissen Quellen. Der Brief Holversons blieb über Generationen im Besitz der Familie, bevor er jetzt einem neuem Besitzer zugeschlagen wurde. Der wird das Dokument, das er zu dem Rekordpreis von 141.000 Euro erworben hat, behüten und für künftige Generationen bewahren.