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Die Briefmarken der Altdeutschen Staaten

Die Briefmarken der Altdeutschen Staaten von 1849 bis 1918

Hier erhalten Sie interessante Informationen zu einer Auswahl der Altdeutschen Staaten und ihrer Briefmarken:

 


 

BADEN 1851-1871


Wappen des Großherzogtums Baden im Deutschen ReichSeit 1718 waren die Fürsten von Thurn und Taxis zuständig für die Post in der bis 1803 bestehenden Markgrafschaft Baden. Als aus ihr zunächst das Kurfürstentum Baden und kurz darauf im Jahre 1806 das Großherzogtum Baden wurde, verlangte der neue Status auch nach einer eigenen Post. So trennte sich Baden von Thurn und Taxis und nahm das Postwesen selbst in Regie.

Kartenausschnitt mit den Landesgrenzen BadensDas war die Voraussetzung dafür, dass Jahrzehnte später, als die Zeit für Briefmarken gekommen war, in Baden eigene Postwertzeichen erschienen. Am 1. Mai 1851 kamen vier Wertstufen heraus – mit einem Ziffernmuster in schwarzem Druck auf dünnem, farbigem Papier. Aus Angst vor Fälschungen besaßen die Marken nicht nur kompliziert verschlungene Linien als Unterdruck, sondern auch Geheimzeichen in Gestalt farbloser Stellen im Rahmen rund um die Ziffer.

Betrachtet man die Inschriften der ersten Marken, so wird deutlich, wie wichtig der mit dem Vertrag vom 6. April 1850 begründete Deutsch-Österreichische Postverein als Verursacher der Ausgabe altdeutscher Wertzeichen war. Denn neben den Marken von Thurn und Taxis und denen Württembergs tragen auch jene Badens anfangs den ausdrücklichen Hinweis auf Verein und Vertrag, denen sich das Großherzogtum mit der Verpflichtung zu gemeinsamer Abwicklung des Postverkehrs mit den anderen Vereinsländern zum 1. Mai 1851 anschloss.

Bereits im ersten Jahr der badischen Markengeschichte, etwa im Juli/August, wurde der erste sensationelle Fehldruck Altdeutschlands produziert, allerdings erst 43 Jahre später entdeckt. Die Ursache dieser Abart? Badens erste vier Wertzeichen wurden - wie gesagt - alle in Schwarz gedruckt, und zwar in der Reihenfolge der Werte zu 1, 3, 6 und 9 Kreuzer auf verschiedenfarbigem Papier in Sämisch/ Braun, Gelb, Grün und Rosalila. Es war also wichtig, beim Druck das richtige Papier der richtigen Druckform zuzuordnen. Und genau dabei muss es in einem Fall einen Irrtum gegeben haben. Denn der Wert zu 9 Kreuzer existiert statt auf dem richtigen rosalilafarbenen Papier auch auf dem grünen der 6-Kreuzer-Marke.

Vermutlich ist ein Bogen zu 90 Stück dieser Fehlfarbe am Schalter verkauft worden. Erhalten sind bis heute nur drei Exemplare, eines auf einem Briefstück mit dem Nummernstempel 2 von Achern und zwei auf ganzen Briefen mit den Nummernstempeln 41 und 106 von Ettenheim und Orschweiler. Einer dieser Briefe befindet sich im Berliner Museum für Kommunikation.

Als Besonderheit Badens seien am Ende die Landpost-Portmarken erwähnt, die es sonst nirgends in dieser Form gibt.

Ende 1871 ging Baden an die Deutsche Reichspost über, und damit endete die altdeutsche Markenperiode Badens.

BAYERN 1849–1920


Kartenausschnitt mit den Landesgrenzen BayernsNachdem 1840 in Großbritannien die ersten Briefmarken der Welt erschienen waren, griff Bayern neun Jahre später als erstes deutsches Land zu dieser Neuerung.

Bereits im Februar 1845 hatte das Oberpostamt in München angeregt, das Porto in Form von aufzuklebenden Postwertzeichen zu erheben, die man „Wapperln“ oder „Wäppchen“ nannte, weil sie das kleine bayrische Wappen zeigen sollten. In der weiteren Behandlung dieser Anregung wurde dann ausdrücklich auch britische Erfahrung berücksichtigt – denn schon im April/Mai 1845 hatte der bayrische Gesandte aus London darüber zu berichten.

Entwürfe von Peter Haseney

 

Großes Wappen des Königreichs BayernDie bayrische Post allerdings sah anfangs vor allem Schwierigkeiten, während das Staatsministerium des Handels und der öffentlichen Arbeiten kurzerhand eine Kostenrechnung und Entwürfe für Briefmarken anforderte. Peter Haseney (1812–69), der als Sohn eines Büchsenmachers im thüringeschen Mehlis (heute Zella-Mehlis) geboren war und sich in München als Banknotengraveur seine Sporen verdient hatte, bekam diesen Auftrag. Für eine Million Briefmarken errechnete er 500 Gulden Kosten und fügte dem auch drei Markenentwürfe bei, deren Aussehen heute nicht mehr dokumentierbar ist. Dennoch gilt Haseney in Katalogen und Nachschlagewerken als der Gestalter des Ziffernmusters, mit dem die drei bayrischen „Erstlinge“ 1849 erschienen.

Anfangs nur in Bayern gültig

 

Am 5. Juni 1849 erließ Bayerns König Maximilian II. eine Verordnung, die erstmals das Erscheinen von „Briefmarken im Preise von 1, 3 und 6 Kreuzern“ ankündigte. Diese erschienen schließlich am 1. November 1849 und hatten anfangs nur für Post innerhalb Bayerns Gültigkeit. Erst nach Abschluss des Deutsch-Österreichischen Postvereinsvertrages 1850 bekamen sie Gültigkeit für Sendungen auch über Bayerns Grenzen hinaus.

Im Gegensatz zu den meisten altdeutschen Staaten behielt Bayern (ebenso wie Württemberg) nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 die eigene Posthoheit und eigene Postwertzeichen – bis ins Jahr 1920.

BERGEDORF 1861–1867


Hamburg und Lübeck hatten seit 1. Januar 1859 eigene Briefmarken und gaben für ihren gemeinsamen Besitz Bergedorf am 1. November 1861 auch noch besondere Postwertzeichen heraus. Damit wurde ein weiteres Briefmarkenland Altdeutschlands geboren.

Das älteste bekannte Stadtsiegel Bergedorfs

Zwei halbe Wappen


Ein halber Wappenadler Lübecks und die Hälfte des Wappentors Hamburgs bilden das Motiv der fünf Briefmarken für das rund 90 Quadratkilometer große Gebiet, in dem der Ort Bergedorf bereits im Jahre 1275 Stadtrecht erhielt. 1420 erstürmten Truppen Hamburgs und Lübecks gemeinsam die Grenzfeste Lauenburgs und teilten sich seither deren Besitz. Erst 1868 kaufte Hamburg für 200.000 Taler Lübeck seinen Bergedorf-Anteil ab. Folgerichtig ist Bergedorf heute Stadtteil Hamburgs. Die Postgeschichte Bergedorfs beginnt mit Postläufern und Städteboten der Hanse sowie einer Bergedorfer Amtsbotenpost. Von 1776 an gab es 100 Jahre lang eine Postexpedition Hannovers, daneben 1785–1851 eine solche von Thurn und Taxis. Die Napoleonjahre brachten bergische, westfälische und französische Post. 1838 eröffnete Preußen eine Postexpedition, aus der 1847 das Lübeck-Hamburgische Postamt in Bergedorf hervorging, dessen Abkürzungsbuchstaben als LHPA in den vier Ecken der Bergedorf-Briefmarken stehen. Bergedorfstempel gab es seit 1720 in einem Gebiet, zu dem neben der Kleinstadt Bergedorf die Vierlande mit Curslack, Alten- und Neuengamme, Kirchwerder, Krauel, Riepenburg und Zollenspieker, die Landschaften Allermöhe, Billwärder, Moorfl eth, Moorwerder, Ochsenwerder, Reitbrook, Spatenland und Tatenberg sowie die Exklave Geesthacht gehörten.

Wachsende Formate


Kartenausschnitt mit den ehemaligen Landesgrenzen BergedorfsBergedorfs Briefmarken weisen auch insofern eine Besonderheit auf, als sie mit zunehmenden Frankaturwerten von 1/2 bis 4 Schilling wachsende Formate bieten. Das ist in der deutschen Briefmarkengeschichte einmalig. Diese Formate bedingen zudem, dass die Druckbogen eine unterschiedliche Zahl an Briefmarken umfassen und außerdem in verschiedener Anordnung Leerfelder, Zwischenstege und zueinander kopfstehende Postwertzeichen vorkommen, was Zusammendruckvarianten hervorgebracht hat.

Die Auflagen der fünf Briefmarken lagen relativ niedrig zwischen 160.000 und 80.000 Stück. Der Postverkehr war freilich auch gering, und in den sechs Jahren der Gültigkeit sind z. B. von jeweils 80.000 Stück der Werte zu 3 und 4 Schilling 59.000 bzw. 65.000 Exemplare nicht verbraucht worden. Das bedeutet: Bergedorf-Briefmarken sind gestempelt und auf Brief rar, ungebraucht dagegen gibt es sie in ganzen Bogen und Bogenteilen. Ab 1. Januar 1868 wurden schließlich die Bergedorf- Briefmarken von Postwertzeichen der Norddeutschen Post abgelöst.

BRAUNSCHWEIG 1852 –1867


Das Herzogtum Braunschweig gehörte ursprünglich zu den Welfenlanden Heinrichs des Löwen, aus denen durch Erbteilung mehrere Fürstentümer entstanden. In den Grenzen des 19. Jahrhunderts gab es Braunschweig in etwa seit dem 15. Jahrhundert. Zur Zeit eigener Briefmarken umfasste das Herzogtum das westliche und nördliche Harzvorland mit Braunschweig, Gandersheim, Helmstedt, Seesen und Wolfenbüttel, einen Streifen zur Oberweser mit Holzminden, die Grafschaft Blankenburg, Teile des Hochstifts Hildesheim sowie die Exklaven Thedinghausen südlich Bremen und Calvoerde.

Kartenausschnitt mit den ehemaligen Landesgrenzen Braunschweigs

Ältester Stempel 1731


Bereits im Jahre 1535 richtete Herzog Heinrich der Jüngere die Fürstlich-Braunschweigische Landespost ein. Damit begann ein langer Streit mit Thurn und Taxis, das in Braunschweig das Postmonopol beanspruchte und dieses erst 1790 verlor. Der älteste Stempel Braunschweigs von 1731 stammt von Thurn und Taxis. Braunschweigs Marken verdanken ihr Erscheinen dem Beitritt des Herzogtums zum Deutsch-Österreichischen Postverein am 5. Dezember 1851. Innerhalb von drei Wochen konnte danach die Herstellung der ersten drei Werte realisiert werden. Motiv war von Anfang an das traditionelle Landeswappen, ein springendes Pferd mit Krone. Diese Darstellung ist bei 19 von 20 Briefmarken beibehalten.

Erste teilbare Briefmarke


Nur ein Wert trägt ein anderes Motiv: die teilbare Briefmarke zu 4/4 Gute Groschen von 1857. Sie wurde für die Post innerhalb des Herzogtums aufgelegt, um das Frankieren unterschiedlicher Gebührenstufen zu ermöglichen. Es ist die erste teilbare Briefmarke der deutschen Philatelie, später gab es Vergleichbares in Mecklenburg-Schwerin. Die Briefmarke mit einer Krone in jedem der vier Wertfelder war als Ganzes, aber auch zerschnitten mit 1/4, 2/4 oder 3/4 des Gesamtwerts verwendbar. Braunschweigs eigene Briefmarken wurden am 1. Januar 1868 von Postwertzeichen der Norddeutschen Post abgelöst.

BREMEN 1855–1867


Zeit ließ man sich in Norddeutschland mit eigenen Postwertzeichen. Bremen gab am 10. April 1855 erste Briefmarken heraus – vier Jahre vor Lübeck und Hamburg, aber immerhin über fünf Jahre nach Bayern.

Die Post des Rates und der Kaufleute

 

Kartenausschnitt mit den ehemaligen Landesgrenzen BremensDabei besaß Bremen eine traditionell gute Postversorgung. Diese begann im 13. Jahrhundert mit Ratsboten, die anfangs Dienstpost, später aber auch bürgerlichen Briefverkehr besorgten. Ab Ende des 14. Jahrhunderts wurden zudem Boten einer Kaufmannspost eingesetzt. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts lag die Bremer Post in den Händen von Thurn und Taxis. Deren erstes Postamt wurde 1617 eröffnet. Bei ihm gab es ab 1784 erste Bremer Zeilenstempel mit Ortsnamen. Seit 1709 existierte in Bremen zudem ein Postamt Hannovers, seit 1727 ein Postamt Kurbrandenburgs (und später Preußens). Während der Napoleonzeit wurde 1807 eine Post des Großherzogtums Berg eingerichtet, die allein die Post besorgte. Nach dem Abzug der Franzosen 1813 gab es aber wieder die Dienste von Thurn und Taxis, Hannover und Preußen. Daneben existierte ein eigenes Bremer Stadtpostamt, das seit 1804 Stempel führte.

Aufteilung der Kurse

 

Hinsichtlich der Postbeförderung einigten sich Bremens Postämter 1850–51 auf eine Aufteilung der Kurse. Hannover beförderte Post nach Hannover und Braunschweig. Preußen betrieb den Dienst nach Mecklenburg-Strelitz, Preußen, Sachsen, Luxemburg, Österreich (ohne Lombardei), Polen und Rußland sowie Transitsendungen durch diese Länder. Bremens Stadtpostamt führte den Postverkehr mit Oldenburg, Hamburg, Lauenburg, Lübeck, Mecklenburg-Schwerin, Schleswig-Holstein, Dänemark, Großbritannien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Übersee durch. Thurn und Taxis blieben alle anderen Richtungen, vor allem nach Frankreich, Spanien, Italien und in die Schweiz.

Das Wappen der Freien Hansestadt Bremen im Deutschen Reich

Neben Briefmarken von Thurn und Taxis (seit 1852), Hannover (seit 1850) und Preußen (seit 1850) kommen auf Post aus Bremen auch verkaufte Postwertzeichen von Oldenburg (seit 1852) vor. Zur Vielfalt altdeutschen Geldes steuerte Bremen auf seinen Briefmarken die Währung Grote bei, eine Münze niederländisch / nordwestdeutscher Herkunft mit 72 Stück auf einen Bremer Thaler.

Katalogisiert werden Bremens Briefmarken nach ihren Trennungsarten Geschnitten (1855– 60), Durchstochen (1861–64) und Gezähnt (1866–67). Einheitliches Motiv dieser Briefmarken, zu dem damals (wie heute) auch Vegesack und Bremerhaven gehörten, ist das Landeswappen mit einem Schlüssel und zumeist unter einer Krone als Symbol der Souveränität. Bremens Posthoheit ging zum 1. Januar 1868 auf den Norddeutschen Bund über.

 


 

HANNOVER 1850–1866


Das Königreich Hannover, das mit Ausnahme der Herzogtümer Oldenburg und Braunschweig ziemlich exakt das Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen umfasste, startete am 30. November 1850 in seine Markengeschichte. Es erschien ein Wertzeichen zu einem Gutengroschen, das zunächst nur im eigenen Territorium gültig war. Erst mit dem Beitritt zum Deutsch-Österreichischen Postverein zum 1. Juni 1851 gingen Briefe mit Frankatur auch über die Grenzen hinaus.

Das Wappen der Provinz Hannover Zugleich „spaltete“ die Post dazu die Währung: Während innerhalb von Hannover 1 Thaler 24 Gutegroschen zu je 12 Pfennig umfasste, galt im Verkehr mit dem Vereinsgebiet 1 Thaler = 30 Silbergroschen zu je 12 Pfennig. Ab 1. Oktober 1858 stellte man dann in Hannover die Währung insgesamt um auf eine Rechnung mit 1 Thaler = 30 (neuen) Groschen zu nunmehr je 10 Pfennig. Das heißt: Auf dem Wege einer enger werdenden Zusammenarbeit der altdeutschen Staaten, unter anderem im Postwesen, vollzog sich auch eine Annäherung der Währungssysteme. In 16 Jahren Markengeschichte hat Hannover insgesamt vier verschiedene Wertzeichenmotive erlebt: ein Wertschild unterm Wappen, eine Wertangabe mit Krone, das Porträt des Königs Georg V. (1819 –78) und ein Posthorn unter einer Krone. Während als Wertangaben gebrochene Zahlen von 1⁄2, 1⁄3 und 1⁄4 bei altdeutschen Sammelgebieten häufig sind, bilden 1⁄30, 1⁄15 und 1⁄10 Thaler bei Hannover (ähnlich wie bei Oldenburg) durchaus eine Besonderheit. Diese Thalerbruchzahlen waren mit 1, 2 oder 3 Silbergroschen identisch.

Von der Nummer 2 an wiesen Hannovers Marken auch verschiedene Randvermerke auf: Reihen- und Jahreszahlen ebenso wie Bordüren oder die Schriftzeile KÖNIGLICH-HANNOVERSCHE FRANCO-MARKEN.

Die Gummierung der Hannover-Marken ist nicht nur durch rote oder rosa Farbe auffällig, sondern sie gilt auch als zäh und schwer abzulösen. Hannoverhell ist daher ein Fachbegriff für solche gebrauchten Marken, die teilweise ihren Gummi noch tragen, teilweise aber ohne ihn und daher an diesen Stellen heller sind. Solange das Markenpapier nicht beschädigt ist, gilt Hannoverhell als erste Qualität. Bemerkenswert bei Hannover sind zudem häufige Markenteilungen. Bei 13 der 25 Hauptnummern des Gebietes kommen sie aus 39 Postanstalten vor: überwiegend als Halbierungen, in seltenen, umstrittenen Fällen auch als Drittelungen. Im deutschen Krieg von 1866 verlor Hannover mit der Kapitulation von Langensalza seine Selbständigkeit und wurde preußische Provinz. Hannovers Marken galten bis 31. Oktober 1866 und wurden teilweise bis Ende 1866 aufgebraucht. Da ab 1. Oktober 1866 preußische Marken verkauft wurden, gibt es mit diesen Mischfrankaturen.

 Die Hannover-Stempel der Markenzeit sind in ihrer Form vielgestaltig. Es gibt stumme, Zeilen-, Rechteck- und Kreisstempel. Eine Besonderheit bilden so genannte Wanderstempel, die – aushilfsweise verwendet – den Ortsnamen aus lose eingesetzten Buchstaben enthielten. Die Stempelfarbe war überwiegend Blau und ganz selten Rot.

Belege liefert Hannover auch für das Gebiet der Vorausentwertungen. Das heißt, ganze Markenbogen wurden auf der Post im Voraus abgestempelt, um das Durchschlüpfen nicht entwerteter Werte zu vermeiden und Arbeitserleichterung bei der Briefbehandlung zu erreichen.

Anzumerken bleibt, dass Hannovers Post auch Postanstalten in fremden Gebieten unterhielt: so in Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Hagenburg (Fürstentum Lippe-Detmold), Vegesack und Ritzebüttel.

HAMBURG1859 –1867


Mit der Herausgabe eigener Briefmarken ließ sich Hamburg Zeit. Mit dem 1. Januar 1859 als Ersttag steht es ebenso wie Lübeck an drittletzter Stelle unter den altdeutschen Staaten mit Postwertzeichen. Die dann bis 1867 erschienenen 22 verschiedenen Briefmarken in zehn Wertstufen tragen alle ein fast einheitliches Motiv: Das Wappen mit Festungstor und Türmen sowie großen Wertziffern steht in einem wechselnden Rahmen. Die erste Briefmarken-Ausgabe von 1859 erschien im Buchdruck und mit brauner Gummierung, die zweite von 1864 mit Ergänzungswerten im Steindruck und mit gelblichem bis weißem Gummi. Die dritte Emission von 1864 war im Gegensatz zu ihren geschnittenen Vorgängern gezähnt. Die Jahre 1864– 66 brachten außerdem eine Farbänderung, zwei durchstochene Werte, die im Gegensatz zu allen anderen Hamburg- Briefmarken ohne Wasserzeichen waren, und ein im Rahmen neues Motiv für die Briefmarke zu 2 1/2 Schillinge. Auf eine Mark Hamburger Courant kamen seinerzeit 16 Schillinge zu je 7,5 Pfennig. Die Umrechnungen zu Nachbarwährungen waren oft schwierig: 1 1/4 Schillinge entsprachen 4 dänischen Skilling; 1 1/3 Schillinge waren 1 Silbergroschen.

Das Wappen von Hamburg im Deutschen Reich

 

Von Rosa bis Blau


Eine Art Chamäleon ist Hamburgs Briefmarke zu 1 1/4 Schilling geschnitten, die es von Hell-Lila-Rosa über Grau bis Schwarzviolett und Stumpfblau gibt. Diese Nuancen entstanden vor allem durch Zersetzung der Orseille-Farbe. Alle Briefmarken Hamburgs wurden Ende 1867 ungültig, als die Posthoheit an den Norddeutschen Bund überging. Restbestände wurden 1868 ungebraucht und zum großen Teil ohne Gummi an den Händler Julius Goldner verkauft. Da die Post sie so abgab, sind in den Katalogen Hamburg-Briefmarken mit und ohne Gummi bewertet. Im Durchschnitt deutlich seltener als ungebrauchte Postwertzeichen sind gebrauchte und solche auf Brief, wobei die Vielfalt verschiedener Stempel besonders groß ist.

 Die Hamburger Stadtpost entstand bereits im 16. Jahrhundert und betätigte sich erfolgreich auch über die Stadt hinaus. Doch daneben gab es seit langem und bis in die Briefmarkenzeit hinein sieben fremde Posten: von Thurn und Taxis (seit 1616), Dänemark (seit 1851), Preußen (seit 1654), Mecklenburg-Schwerin (1674), Hannover (seit 1684), Schweden (seit 1685) und Schleswig- Holstein (seit 1695). Das alles macht Hamburgs Postgeschichte – auch noch in der Briefmarkenzeit – zu einer sehr komplexen Sache.

 

NORDDEUTSCHER BUND 1867–1871

Kartenausschnitt mit den ehemaligen Landesgrenzen des Norddeutschen BundesDer Deutsche Krieg von 1866 zwischen Preußen und Österreich veränderte die politische wie postalische Landkarte. Im Ergebnis schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus; und Preußen gründete mit 17 deutschen Staaten am 18. August 1866 den Norddeutschen Bund, dem sich bis Oktober 1866 vier weitere Länder anschlossen. Die Verfassung dieses Norddeutschen Bundes trat am 1. Juli 1867 in Kraft. Gesetze des neuen Bundes über das Postwesen galten ab 1. Januar 1868, zu welchem Termin auch die ersten Postwertzeichen mit der Inschrift „Norddeutscher Postbezirk“ an die Schalter kamen. Sie zeigten ein Ziffernmuster im Kreis oder Oval.

Eine Einheit im deutschen Münzwesen lag freilich noch in ziemlicher Ferne, und so gab es Groschen-Marken in Taler-Währung für die nördliche Region des Postbezirks und Kreuzer-Werte in Gulden-Währung im südlichen Teil. Zusätzlich erschien eine Schilling-Marke, die der Hansestadt Hamburg vom Bundeskanzler Bismarck bewilligt worden war. Die ersten Marken des Norddeutschen Bundes erschienen 1868 alle mit recht mangelhaftem Durchstich und ein Jahr später mit Kammzähnung. In beiden Fällen entstanden unterschiedliche Markengrößen.

Aus der Praxis der Post Preußens übernommen wurden die Innendienstmarken, die nur zur Frankatur am Schalter dienten. Preußens Ausgabe wurde im Bund zunächst noch bis Februar 1869 aufgebraucht. Die Nachfolgemarken des Bundes wurden dafür später noch bis 1874 von der Reichspost verwendet. Eine Neuerung brachte die Post des Bundes mit den ersten deutschen Dienstmarken ab Januar 1870, deren Ausgabe mit der Aufhebung von zahlreichen vorher existierenden Portofreiheiten zusammenhing.

Als der Deutsch-Französische Krieg 1870 begann, fungierte die Post des Norddeutschen Bundes auch in den von deutschen Truppen besetzten französischen Gebieten, darunter in Elsass-Lothringen. Dafür erschienen ab September 1870 eigene Briefmarken – die erste Besatzungsausgabe in der deutschen Markengeschichte. Diese Ziffernmarken mit Netzunterdruck und in französischer Centimes-Währung gehören zum Sammelgebiet Norddeutscher Bund. Besonders interessant sind die Ganzsachen des Bundes. Eigenen Umschlägen und Streifbändern gingen nämlich Aufbrauchs-Ausgaben voraus, in ihrer Art einmalig in der deutschen Postwertzeichen-Geschichte.

In größeren Mengen vorhandene Ganzsachenumschläge von Braunschweig, Mecklenburg- Strelitz, Oldenburg, Preußen und Sachsen wurden auf den Wertstempeln überklebt mit Marken des Norddeutschen Bundes. Danach erhielten die Überklebungen einen silbergrauen Diamantschriftaufdruck mit dem Hinweis auf den Norddeutschen Postbezirk. Überall im Gebiet des Bundes wurden natürlich die vorhandenen altdeutschen Stempel weiterverwendet. Sie kommen auf allen Marken des Norddeutschen Postbezirks und später selbst noch auf Reichspostausgaben vielfältig vor.

Und noch eine postgeschichtliche Premiere ist mit den Marken des Bundes verbunden: Sie kamen bei der ersten deutschen Postanstalt im Ausland zum Einsatz, als diese am 1. März 1870 in Konstantinopel (heute Istanbul) in der Türkei eröffnet wurde. Die Marken des Norddeutschen Bundes galten bis Ende 1871, ehe zum 1. Januar 1872 die ersten eigenen Brustschild-Wertzeichen der Deutschen Reichspost erschienen.

PREUSSEN 1850–1867


Übersicht des Preussischen StaatsAls in Preußen am 15. November 1850 die ersten Briefmarken erschienen, umfasste das Königreich knapp 280 000 Quadratkilometer mit an die 19 Millionen Einwohnern. Botenposten gab es in Teilgebieten wie Brandenburg seit dem Mittelalter, erste Botenordnungen nachweislich bereits vor 1550. Die Gründung der Staatspost erfolgte 1646 durch den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Und diese betreute schon seit dem 18. Jahrhundert nicht nur preußisches Staatsgebiet, sondern auch die Territorien kleinerer Fürstentümer. Zur Zeit der Einführung von Postwertzeichen umfasste das Postgebiet Preußens daher neben dem Königreich selbst auch das oldenburgische Fürstentum Birkenfeld, die Herzogtümer Anhalt-Bernburg, Anhalt-Cöthen und Anhalt- Dessau, das Fürstentum Waldeck-Pyrmont, die weimarische Enklave Allstedt sowie die Fürstentümer Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen. Außerdem besaß Preußen Postämter in Bremen, Hamburg und Lübeck, den Niederlanden und Luxemburg.

Großes Wappen des Königreichs PreußenWährend der Zeit eigener Marken kamen 1866/67 das Herzogtum Lauenburg (1.1.1866), das Königreich Hannover (1.10.1866), die Herzogtümer Schleswig und Holstein (1.1.1867) sowie das gesamte frühere Postgebiet von Thurn und Taxis (1.7.1867) hinzu. Als die preußische Post zum 1. Januar 1868 in die des Norddeutschen Bundes überging, gab es in Preußen selbst 3 862 Postanstalten.

Im Gegensatz etwa zu Bayern und Sachsen begann Preußen 1850 seine Briefmarkengeschichte sofort mit dem Königsporträt im Motiv. Die vier ersten Wertzeichen mit Friedrich Wilhelm IV. (1795 – 1861) wiesen dabei für die altdeutsche Zeit eine erstmalige Besonderheit auf: Sie hatten im Papier ein Wasserzeichen, das aus einem Lorbeerkranz bestand. Zweck dieses Wasserzeichens war das Erschweren von Fälschungen zum Schaden der Post, vor denen man in jener Zeit besondere Angst hatte. Und noch eine Neuerung bescherte Preußen der Deutschland- Philatelie: Sieht man einmal von einigen vorläuferartigen Stadtpostumschlägen ab, gab Preußen 1851 die ersten deutschen Ganzsachen heraus: Umschläge mit ovalen Wertstempeln, die schattenrissartig das Königsporträt Friedrich Wilhelms IV. festhielten. Ganz abgesehen davon, dass die Stempelvielfalt Preußens ihren eigenen Reiz hat.

Die ersten Poststempel wurden zwischen 1798 und 1813 während der napoleonischen Besatzungszeit eingeführt. Ab 1817 gab es Aufgabestempel, die in der Zeit vor den Briefmarken als Zeilen-, Rechteck-, Nieren- sowie Ein- und Zweikreisstempel auftreten. Mit Ausgabe der Postwertzeichen kamen zu deren Entwertung Nummernstempel von 1 bis 1984 und 1987 hinzu, und zu neuen Kreis- und Rechteckstempeln, jetzt mit Jahreszahl, gesellten sich Hufeisenstempel, Bahnpoststempel und anstelle von Briefmarken verwendete Franco-Stempel. Neben schwarzen Stempeln treten attraktive rote, blaue, violette und ganz selten grüne auf. Als Preußens Währung in der Markenzeit galt 1 Taler = 30 Silbergroschen = 12 Pfennige. Mit der Integration der Postgebiete von Thurn und Taxis Mitte 1867 musste allerdings auch die süddeutsche Währung mit 1 Gulden = 60 Kreuzer berücksichtigt werden. Das fand seinen Ausdruck in der letzten Markenausgabe mit fünf Werten in Kreuzern, die nur ein halbes Jahr gültig waren.

SACHSEN 1850–1867


Großes Wappen des Königreichs Sachsen bis 1918Acht Monate nach dem „Schwarzen Einser“ Bayerns, der ersten deutschen Briefmarke, erschien am 1. Juli 1850 sein sächsisches Pendant zu 3 Pfennig, der unter Sammlern sprichwörtliche „Sachsen-Dreier“. Die Gestaltung mit großer Wertziffer, Schriftrahmen und verzierten Ecken war dem bayrischen Vorbild nachempfunden und vor allem der Tatsache geschuldet, dass man es in Sachsen angesichts des Deutsch-Österreichischen Postvertrags eilig hatte, mit eigenen Wertzeichen aufzutreten. Dabei war der „Dreier“ als ein Provisorium gedacht, das durch endgültige, länger genutzte Marken ersetzt werden sollte.

Der Sachsen-Dreier kam aus der sächsischen Banknotendruckerei J. B. Hirschfeld in Leipzig und war dort für den Druck vom Graveur Scheele vorbereitet worden. Diesem ist wohl auch der Sicherheitsfanatismus zu danken, der aus Angst vor Fälschungen in die große Drei des Ziffernmusters nicht weniger als 71 kleine Dreien und 41 Punkte hineinzeichnete. Bis Juni 1851 erlebte der Sachsen-Dreier acht Auflagen. Diese umfassten zusammen 500 000 Stück in Bogen zu je 20 Marken. Davon sind exakt 463 098 Exemplare verkauft worden und heute nach Schätzungen noch etwa 4 000 bis 5 000 Stück erhalten. Das ist wenig, aber erklärlich: Die 3 Pfennige waren die Gebühr für Drucksachen. Das wiederum waren überwiegend Kreuzbandsendungen, auf denen die Marke oft teils auf der Verpackung und teils auf dem Inhalt klebte. Beim Empfänger wurde die Frankatur daher häufig zerrissen und in den Papierkorb geworfen.

Kartenausschnitt mit den Landesgrenzen SachsensSachsens Markengeschichte führte nach dem Erstling mit Ziffernmuster zu Wappendarstellungen und Herrscherköpfen im Motiv. Das ist gleichsam charakteristisch für die Bildinhalte jener Zeit überhaupt, die sich bei allen altdeutschen Sammelgebieten wiederfinden. Während Ziffern Wertzeichencharakter betonen und die Funktion als Gebührenquittung verdeutlichen, begann mit Wappen- und Herrscherdarstellungen ganz früh der Trend, mit Briefmarken neben ihrer postalischen Funktion auch eine hoheitliche Widerspieglung ihrer Herkunft zu verbinden. Damit wurden sie von Anfang an zugleich Mittel gesellschaftlicher Information und Visitenkarte ihrer Herausgeberländer.

Als Sachsens erste Briefmarken erschienen, lag hinter dem Königreich bereits eine lange Postgeschichte. Sie begann im 14. Jahrhundert, als Sachsen durch Kaiser Karl IV. eigene Posthoheit bestätigt wurde. Sächsische Stempelgeschichte setzte um 1808 mit vereinzelten Postmeisterstempeln ein, ehe 1817 –18 allgemein Aufgabestempel bei den Ämtern in Gebrauch kamen. Die Markenzeit brachte viele Weiterverwendungen alter Stempel, aber auch zahlreiche neue Stempel, insbesondere zur Entwertung in Form von Vollgitter- und Nummerngitterstempeln.

Bleibt anzumerken, dass zur Zeit sächsischer Briefmarken, die nach dem Beitritt zum Norddeutschen Bund zum 31. Dezember 1867 endete, neben dem Königreich auch das Herzogtum Sachsen-Altenburg zum sächsischen Postgebiet gehörte und z. B. in die Nummernstempelfolge einbezogen wurde.

THURN UND TAXIS 1852–1867


Was Wappen von Thurn und TaxisSeit Ende des 15. Jahrhunderts war die aus Italien stammende Familie Taxis mit der Organisation von Postverbindungen in Deutschland und Mitteleuropa befasst. Seit 1595/96 besaß sie das kaiserliche Reichspostmonopol, das zwar von einigen Fürsten nie anerkannt wurde, ihr jedoch ein Postgebiet von Norddeutschland bis nach Spanien garantierte. 1806 erlosch dieses General-Postmeisteramt des reich und mächtig gewordenen Fürstenhauses, das sich seit 1650 Thurn und Taxis nannte. Übrig blieben nach dem Wiener Kongress 1815 Posthoheiten in deutschen Kleinstaaten auf der Basis von Verträgen.

Postrechte in 19 Kleinstaaten

Als Thurn und Taxis 1850/51 dem Deutsch-Österreichischen Postverein beitrat und ab dem 1. Januar 1852 eigene Postwertzeichen ausgab, besaß das Fürstenhaus Postrechte in insgesamt 19 deutschen Kleinstaaten. Zehn von ihnen gehörten zu einem nördlichen Bezirk mit der dort vorherrschenden Thaler-Währung (1 Thaler = 30 Silber groschen), sieben hingegen zu einem südlichen Gebiet mit der dort üblichen Gulden-Währung (1 Gul den = 60 Kreuzer). Zwei Territorien hatten jeweils auf Teilgebieten beide Währungen. Es gab daher von Anfang an Briefmarken für beide Geldeinheiten: Silbergroschen und Kreuzer, wobei 1 Silbergroschen dem Wert von 3 ½ Kreuzern entsprach.

Das Ende der Post von Thurn und Taxis

Mit dem Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich wurde die Generalpostdirektion von Thurn und Taxis in Frankfurt/ Main 1866 unter preußische Verwaltung gestellt, und zum 1. Juli 1867 verloren die Fürsten ihre Postrechte endgültig. Preußen zahlte drei Millionen Thaler Abfindung, und Heinrich von Stephan betrieb als preußischer Administrator die Auflösung des über 350-jährigen traditionsreichen Postunternehmens.

WÜRTTEMBERG 1851–1920


Wappen Württembergs ab 1817Während der Napoleonzeit wurde aus dem seit 1495 als Reichslehen bestehenden Herzogtum Württemberg ein souveränes Königreich mit umfangreichen Gebietsgewinnen und einer Verdopplung seiner Bevölkerung. Dieses Königreich trat 1815 als letzter Einzelstaat dem bis 1866 bestehenden Deutschen Bund bei. 1871 wurde es Gliedstaat des Deutschen Reichs.

Die Post lag dabei lange in den Händen von Thurn und Taxis. Erst zum 1. Juli 1851 übernahm Württemberg selbst den Postbetrieb. Am 1. September 1851 trat es dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei und am 15. Oktober desselben Jahres erschienen die ersten eigenen Marken. Wie bedeutsam für deren Ausgabe der Deutsch-Österreichische Postvertrag vom 6. April 1850 war, belegen neben den ersten Marken Badens und jenen von Thurn und Taxis auch die Erstlinge von Württemberg. Denn ihre Markeninschriften verweisen jeweils ausdrücklich auf den Verein, in dessen Rahmen man sich auf eine gemeinsame Abwicklung des Postverkehrs verständigt hatte.

Württemberg wählte wie die anderen süddeutschen Staaten auch anfangs ein Ziffernmuster und ging dann ab 1857 zur Wappenzeichnung über, die später erneut Ziffernmotiven weichen musste. Die ersten geschnittenen Briefmarken Württembergs von 1851 weisen mit durchschnittlich zwei Millimetern relativ weite Abstände voneinander im Bogen auf, so dass anders als bei anderen geschnittenen altdeutschen Emissionen vollrandige Stücke häufiger sind und berührte Randlinien zu erheblichen Wertabzügen führen.

Charakteristisch für die ersten Ausgaben Württembergs sind dabei die der Klischee-Herstellung geschuldeten Typenunterschiede – ein weites Feld für Spezialisten. Im übrigen war es Württemberg, das ebenso wie Baden 1860 die ersten gezähnten deutschen Marken herausgab, wozu beide Länder gemeinsam eine Zähnungsmaschine angeschafft und in Karlsruhe aufgestellt hatten. Dass eine solche Entscheidung für Zähnung dabei anfangs jedoch keineswegs endgültig war, beweist ebenfalls Württemberg, das nach Zähnungsproblemen mit seinen Wappenmarken im Jahr 1865 zum Durchstich wechselte, 1873 sogar erneut eine geschnittene Marke ausgab und erst 1874 zur Zähnung zurückkehrte. Im Gegensatz zu den meisten anderen altdeutschen Staaten führte Württemberg ähnlich wie Bayern nach der Reichsgründung eigene Markenausgaben weiter. Auf Freimarken verzichtete das Königreich erst 1902, und eigene Dienstmarken behielt es sogar bis März 1920, als das Postregal endgültig aufgegeben wurde. Diese eigenen Dienstmarken umfassen ein paar thematisch bemerkenswerte Emissionen, so 1916 zum Jubiläum „25 Jahre Regentschaft von König Wilhelm II.“ oder 1920 mit Städtebildern der sogenannten Abschiedsserie.

Dass schließlich Württemberg-Marken bis zum Ende der Inflation 1923 und mit Gültigkeit bis Juli 1925 katalogisiert sind, ist philatelistische Tradition. Es handelt sich zwar um Ausgaben der deutschen Reichspost, die jedoch – als Nachklang zur eigenen Posthoheit – nur in Württemberg von Behörden verwendet wurden.

Die Briefmarken von Thurn und Taxis wurden 15 ½ Jahre lang verwendet und behielten ihre Ziffernmotive in acht Silbergroschen- und sechs Kreuzer-Wertstufen die ganze Zeit über bei.

 

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